Drop-Shipping: Was ist das – für wen bringt das Vorteile?

Drop-Shipping: Chance für den Online-Handel? - Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de
Drop-Shipping: Chance für den Online-Handel? - Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de
Drop-Shipping ist das altbekannte Streckengeschäft, das mit der englischen Bezeichnung für Deutschland neu eingekleidet wurde.

Streckengeschäfte, englisch Drop-Shipping, sind altbekannt und werden schon lange zur Reduzierung der Lagerkosten, Handlingkosten, Versandkosten und auch Kapitalkosten genutzt. Anpreisungen in Werbeanzeigen erwecken den Eindruck, es handle sich hier um ein völlig neues, revolutionäres in den USA speziell für den Online-Handel entwickeltes System. Ein Anbieter von kostenpflichtigen Informationen zum Drop-Shipping preist es in seiner Werbeanzeige mit den Worten an (Auszug):

„Es ist das Erfolgskonzept der Zukunft und wird den Internethandel in den nächsten Jahren vollkommen revolutionieren. Für hunderte eingeweihte Online-Händler ist es das größte Geheimnis Ihres Erfolges. … Wer heute mit einem Online-Shop starten will und die Chancen dieses einzigartigen Systems versteht, kann in nur wenigen Monaten zu den größten Online-Händlern seiner Branche gehören.“

Das ist maßlos übertrieben und geht an der Wahrheit vorbei.

Wie funktioniert Drop-Shipping?

Ein Streckengeschäft liegt immer dann vor, wenn der Vorlieferant eines Händlers ein Produkt direkt an den Endkunden versendet. Ein Endkunde bestellt ein Produkt über einen Katalog oder einen Online-Shop beim Händler. Der Händler bestellt dann diese Ware beim Großhändler oder Hersteller mit der Maßgabe, die Bestellung direkt an den Endkunden auszuliefern. Der Händler führt Kundenbestellungen aus, ohne mit der Ware in Berührung zu kommen. Der Hersteller oder der Großhändler versendet die Ware, in möglichst neutraler Versandaufmachung, direkt an den Endkunden.

Was ist der Vorteil bei Drop-Shipping im Online-Handel?

Das Streckengeschäft gehört zur Materialwirtschaft und Logistik. Aufgabe der Materialwirtschaft ist die Bereitstellung von Material und Leistungen zur richtigen Zeit am richtigen Ort in der richtigen Menge sowie die Optimierung der dabei entstehenden Kosten. (Wöhe/Döring, Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre)

  • Der Online-Händler, welcher mit Streckengeschäften arbeitet, erspart eigene Lagerkosten.
  • Er spart Kapitalkosten, weil er keinen Lagerbestand unterhalten muss.
  • Er spart Handlingkosten für den Versand; den Versand übernimmt der Vorlieferant.
  • Er spart die sonst beim Eigenversand anfallenden Versandkosten.
  • Ein Versandweg entfällt, die Ware ist schneller beim Endkunden.
  • Es entfällt das Risiko, Bestände an schlecht verkäuflicher oder unverkäuflicher Ware aufzubauen.
  • Der Händler hat gegebenenfalls einen Wettbewerbsvorteil, wenn er die Kostenersparnis bei den Versandkosten an den Endkunden weitergibt.

Hersteller und Großhändler beliefern ausschließlich Gewerbetreibende. Der Händler muss die Gewerbeanmeldung und den Gewerbeschein vorweisen können.

Gibt es Nachteile oder Risiken, wenn man als Händler auf das Drop-Shipping-Modell setzt?

Vorausgesetzt, der Händler arbeitet mit vertrauenswürdigen und zuverlässigen Partnern zusammen, sind die Nachteile und Risiken des Geschäftsmodells überschaubar. Der Online-Händler ist beim Versand der Ware an den Kunden, von der Schnelligkeit und der Zuverlässigkeit, des Vorlieferanten beim Versand an den Endkunden abhängig. Der Händler muss sich vergewissern, dass der Versand im Rahmen der Endkundenerwartung erfolgt.

  • Sofern der Vorlieferant sein Geschäftsmodell „Drop-Shipping für Online-Shops“ intensiv bewirbt, ist anzunehmen, dass viele Betreiber von Online-Shops Produkte dieses Lieferanten anbieten. Die Wettbewerbsdichte ist in diesem Fall hoch, ebenso der Preisdruck. Der Händler muss sich Vorteile im Preiswettbewerb suchen, zum Beispiel indem er die Steuervorteile der Kleinunternehmerregelung für sich nutzt, um im Preiswettbewerb zu bestehen.
  • Warenrücksendungen von Kunden können zum Problem werden. Der Online-Händler muss klären, ob der Vorlieferant Rückware von Endkunden wieder zurücknimmt. Der Händler läuft Gefahr, wenn der Vorlieferant zur Warenrücknahme nicht bereit ist, ungewollt Lagerbestände aufzubauen, was bei niedrigem oder nicht vorhandenem Eigenkapital, sehr schnell zu Zahlungsschwierigkeiten führen kann.

Hier gibt es Hinweise zum Finden von Lieferanten und Produkte für den Online-Handel.

S. Boeder, Boeder

Sig Boeder - Sig (Siegfried) Boeder war viele Jahre in leitender Position für eine der großen internationalen Wirtschaftsprüfungs- und ...

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