Neue Schule, neue Wohnung. Neue Freunde? – Lena (Mia Kapser) fürchtet sich. Sie hat Angst davor, wegen ihrer Brille verspottet zu werden, dass die neuen Schulkollegen und -kolleginnen sie nicht mögen könnten und überhaupt bekommt sie Bammel vor der ersten Turnstunde. Sie ist furchtbar ungeschickt. Zum Glück trifft sie am Spielplatz auf den coolen Lukas (Stefan Altenhofer), der ihr unbekümmert seine Freundschaft anbietet. Er ist selbstbewusst, sportlich und überhaupt megacool. Zumindest auf den ersten Blick. Auch er hat böse Erfahrungen mit Spott und Ausgrenzung gemacht, denn sein Vater sitzt wegen Schulden im Gefängnis und seine Mutter ist „nur“ Putzfrau. Die unterschiedliche Familiengeschichte ist nicht wichtig – im Vordergrund steht das Aufeinanderzugehen, das Vertrauen in Freunde. Gemeinsam finden die beiden Kinder eine Lösung, wie sie am besten mit Zurückweisungen und Hohn in Zukunft umgehen wollen: Sie gründen den Klub der Komischen (KdK). Denn zwei sind stärker als Einer und am stärksten ist man mit vielen Gleichgesinnten – das heißt also: „Du bist ok. Wir sind ok.“ Das kurzweilige Kinderstück startete am 23. Oktober als Uraufführung in der Volksschule Köstenberg/Velden (Kärnten) und geht auf Tournee durch Schulen.
Die Idee dahinter
„Abweichungen von der Norm (Behinderungen, fremde Kultur, Äußerlichkeiten, Ängste, andere Sprache, Kleidung u.v.m.) provozieren in unserer Gesellschaft sehr oft Ausgrenzung.“ erklärt Regisseur Feutl. Die Frustration, die dabei entsteht sucht sich ihr Ventil nicht selten in gewalttätigen Handlungen – schon von Kindesbeinen an. Das Kinderstück soll Solidarität wecken, Verständnis dafür, dass Unterschiede eine Bereicherung für eine Freundschaft sein können. Wichtig ist aber auch die Selbstakzeptanz der Kinder (Beispiel: „Ich bin OK, auch wenn ich wegen meiner Schuheinlagen einen Gang wie eine Watschelente habe.“).
Die liebevolle Inszenierung
Das Inszenierungskonzept stammt von Frankie Feutl (neuebuehnevillach), der das Zwei-Personen-Stück so flexibel ansetzt, dass es so gut wie überall spielbar ist, egal ob Turnhalle oder Klassenzimmer, Festsaal oder Aula. Die beiden Schauspieler begeistern die Kinder mit viel Bewegung, die immer wieder und an gegeben Stellen Nachdenklichkeit aufblitzen lässt, kurz genug um Spannung aufzubauen. Begeistert buchen viele Direktorinnen und Direktoren in Kärnten das Tournee-Stück, um das ewig aktuelle Thema Ausgrenzung in ihrer Schule zu diskutieren. Das Kinderstück eignet sich ideal dazu als Basismaterial zu dienen. Damit hat Michael Weger, Intendant der neuebuehnevillach und Auftraggeber zum Stück wieder ein Händchen für brennende Themen gezeigt.
Auszug 1:
Lukas: Wieso sollte dann jemand Brillenschlange zu Dir sagen?
Sie kramt eine Brille aus ihrer Tasche und setzt sie auf.
Lukas: Schaut aus als wärest Du gut in der Schule.
Lena: Hm. Geht so, ja.
Lukas nimmt ihr die Brille ab und setzt sie selber auf. Lena muss lachen.
Lukas: Was stört Dich dann an ihr?
Lena: Du schaust aus wie eine ... Brillenschlange!
Lukas: Brillenschlange? ... Sie nennen Dich Brillenschlange?
Lena: War schon fast mein zweiter Vorname.
Lukas gibt ihr die Brille wieder. Er tanzt um Lena herum und deklamiert.
Lukas: Brillenschlange, Brillenschlange, brauchst zu lange, viel zu lange – kannst nix sehen, bleibst blöd stehen...
Lena (schubst Lukas wütend): Möchtest Du vielleicht, dass alle zu Dir ... mhhh ... Rüsselkäfer ... oder vielleicht Nashornbaby sagen? (Sie unterstreicht das Gesagte mit einer Geste an der Nase)
Lukas: Nein. Sagt aber auch niemand.
Lena: Da hast Du Glück gehabt.
Er befühlt seine Nase.
Lukas: Die Brillenschlange ist doch ein ganz gefährliches, giftiges Tier.
Lena: Ich will aber weder gefährlich noch giftig sein. Kapiert!
Lukas: Schon, ja. Klar. ... Stell Dir doch trotzdem einfach vor, dass die alle Angst vor Dir haben.
Lena: Angst? Vor mir? Tsss ...
Lukas: Oder sie sind neidisch, weil sie selber nicht so intelligent aussehen.
Lena (ironisch): Genau.
Lukas: Sie wollen, dass Du die Brille weggibst, damit Du nicht so überlegen ausschaust, gescheiter als sie, ja. Das ist es.
Lena: Ich glaub ich träume. Sind hier alle so wie Du?
Lukas: Wie?
Lena: So cool und trotzdem freundlich, so ...
Auszug 2:
Lukas: Ich sehe, dass Du mit diesen Schuhen niemals Fußballspielen kannst.
Lena: Ich sehe, dass Du einen Gang wie eine Watschelente hast.
Er schaut groß. Umkreist sie. Mehrmals. Er bemüht sich sichtlich um einen geraden Gang.
Lukas: Was hast Du gesagt? Spinnst Du?
Sie zuckt zusammen.
Lena: Entschuldige, aber ...
Lukas: Was heißt hier entschuldige. Ich dachte wir sind Freunde!
Lena: Ja. Ich ...
Er übertreibt einen Watschelgang.
Lukas: Es ist doch ochsenegal und kuhwurscht wie ich geh!
Lena: Ja, klar, ich wollte Dich nicht ...
Lukas: Ja! Ich hab Plattfüße. Und?
Er zieht seinen Turnschuh aus und hält ihn ihr vors Gesicht. Sie hält sich demonstrativ die Nase zu.
Lukas: Ich tu wenigstens was dagegen! Einlagen! Blöde Einlagen. Ja und? Geh Du mal mit so blöden Einlagen in den Schuhen! Da probier ruhig.
Sie nimmt zögernd seine Schuhe und probiert sie. Die Schuhe sind ihr zu groß. Sie watschelt unelegant.
