Im Internet kann man sich ein Bild machen: Hier wird geschildert, dass ein Kind sein Zeugnis nicht ausgehändigt bekommt, weil es der Schule noch Bücher schuldet. Anderswo hat ein Schüler so oft im Uterricht eines Faches gefehlt, dass er in speziell diesem Fach nicht benotet werden kann. Die Schulleitung scheint zu stützen, dass in diesem Fall gleich das ganze Zeugnis einbehalten wird. In Kommentaren dazu liest man dann häufig: Die Schulen wissen, was sie tun. Sie machen nichts Ungesetzliches. Oder: Wenn der Schüler nicht seine Disziplinarstrafe (Fegen) ableistet, soll er sich nicht wundern, ist doch nur fair, wenn dann eine Strafe wie Zeugnis-Einbehaltung folgt. Aber: Ist das wirklich rechtens?

Verschaffen Sie sich einen Überblick über Ihr Recht

Die Zeugnisvergabe wird nicht vom Bund, sondern vom Land geregelt. Das heißt: Jedes Bundesland hat ein eigenes Schulrecht, in dem in einem gesonderten Paragraphen die Zeugnisvergabe geregelt ist. In NRW zum Beispiel regelt dies das Schulgesetz, § 49. In Baden-Würtemberg wiederum ist es das Schulrecht, speziell die Notenverordnung, §3. In keinem Bundesland werden Sie einen Passus finden, der besagt, dass Schulen ein Zeugnis einbehalten dürfen. Ein Auszug aus dem Baden-Würtembergischen Gesetz, hier als Beispiel, §3 (3) bis (4) besagt eindeutig:

  • "3) Das erste Schulhalbjahr dauert bis zum 31. Januar, das zweite Schulhalbjahr bis zum 31. Juli.
  • 4) Die Zeugnisse sind in der Regel auszugeben:
  • 1. das Halbjahreszeugnis in der Zeit vom 1. bis 10. Februar,
  • 2. das Jahreszeugnis an einem der letzten sieben Unterrichtstage.
  • Die für die Ausgabe der Abgangs-, Abschluss- und Prüfungszeugnisse geltenden Bestimmungen bleiben unberührt. Dasselbe gilt, wenn in Prüfungsordnungen Sonderbestimmungen für das Halbjahreszeugnis getroffen sind."
So oder ähnlich regeln es die anderen Länder ebenfalls.

Wenn das Gesetz nicht geachtet wird

... muss nicht sofort ein Anwalt eingeschaltet werden. Zum einen kann dies ja recht kostspielig sein. Zum anderen muss hier erst einmal ein so genannter "Verwaltungsakt" vorliegen, damit ein Anwalt tätig werden kann. Aber wenn kein Anwalt, was dann? Zuständig für Ihre berechtigten Fragen ist in jedem Fall die Schulaufsichtsbehörde Ihres Landes. Googeln Sie ruhig unter Schulaufsicht + Ihr Land (also Bayern, Bremen etc.), die Schulaufsichtsbehörden haben eigens für Sie und Ihre Fragen ein Portal. Hier kostet die Email-Anfrage nichts, Sie bekommen Antwort, Tipps und Hilfen. Auch ist es hilfreich, eine Zeugnisverweigerung unter dem Aspekt der "Gleichbehandlung" zu betrachten.

Diese ist sogar ein Grundrecht Ihres Kindes. Wenn alle Kinder ihr Zeugnis bekommen - dann hat auch Ihr Kind ein Recht darauf! "Der Gleichheitssatz ius respicit aequitatem, „Das Recht achtet auf Gleichheit“, ist ein Grundsatz im Verfassungsrecht. Allgemeiner Gleichheitssatz: Gleich-/ Ungleichbehandlung. Der allgemeine Gleichheitssatz (Art. 3 Abs. 1 GG) ist einschlägig in Fällen der Gleich- oder Ungleichbehandlung von Sachverhalten oder von Personen(gruppen). Sie liegt vor, wenn die öffentliche Gewalt miteinander vergleichbare Fälle nach unterschiedlichen Grundsätzen behandelt."

Keine Schule darf ihren Schülern die Zeugnisse vorenthalten

Manchmal irren eben auch die Lehrer und Direktoren. Lassen Sie sich also nicht irritieren: Ihr Kind muss und soll wissen, wie seine Leistungen bewertet wurden. Recht bleibt Recht. Für nicht zurück gegebene Bücher, nicht zu bewertende Fächer und dergleichen gibt es eigene Regelungen und Gesetze.

http://www.suite101.de/content/10-uebungen-die-dem-lispeln-entgegenwirken-a102420

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Juristen - nicht ersetzen kann.

Quellen: Schulrecht Baden-Würtemberg, Notenverordnung; Schulministerium.NRW.de