
- Grunerstraße, Tempo 30-Bereich - Jörg Tilmes
Sechs Menschen sind es, die sich zum Zeitpunkt der ersten öffentlichen Versammlung der IG Gruner Straße als Initiatoren derselben vorgestellt haben. Die Interessengemeinschaft traf sich am Abend des 02. November 2010 im Restaurant Bossa Nova; der brasilianisch ausgerichteten Gaststätte, die sich direkt an der Kreuzung Brehm- / Grunerstraße und somit an der Straße befindet, um die es in der Versammlung ging. Und eines konnte als Fazit von den Gästen mit nach Hause genommen werden: Die Ellenbogengesellschaft hat nun eine feste Anschrift: Grunerstraße in 40239 Düsseldorf, dem Zooviertel, direkt am Zoopark gelegen.
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Der Veranstaltungsführer und Mitbegründer der Interessengemeinschaft, der den Autor dieses Artikel schriftlich darum gebeten hat, im Internet namentlich nicht genannt zu werden, brachte schon zu Beginn der Veranstaltung gegen 19:30 Uhr auf den Punkt, um was es geht: Der Verkehr soll raus aus der Gruner Straße. Die Gruner Straße liegt unter anderem an der Nordseite des beliebten Zooparks und verbindet andererseits die Stadtteile Pempelfort und Düsseltal miteinander. Die Initiatoren der Interessengemeinschaft wohnen im Haus Grunerstr. 52, also in dem Teil, der direkt am Zoopark vorbeiführt: Und zwar ohne bauliches Gegenüber; mit unverbaubarem Grünblick.
Doch diese an für sich schon privilegierte Wohnsituation ist den Versammlungsinitiatoren nicht gut genug. Sie befürchten, dass sich der Verkehr des zweispurigen Teils der Straße – also von Brehmstraße zur Heinrichstraße – noch weiter verstärken würde, wenn die neue Entlastungsstraße fertig wird, die aus der City kommend an der Jülicher Straße andockt. Die Jülicher Straße wird in Richtung Düsseltal / Zoopark zur Gruner Straße. Doch auch die Wohngebiete Gartenstadt Reitzenstein, ein Projekt der Aengevelt Immobilien sowie die künftigen Nutzer des Wohn- und Bürogebietes Le Quartier Central (ehemaliger Güterbahnhof) bereiten der IG Sorgen.
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Falsche Zahlen wurden genannt
Rund 5.000 bis 9.000 Autos zusätzlich zu den 8.000 bis 10.000 angeblich täglich bereits durchfahrenden Fahrzeugen befürchtet die Interessengemeinschaft. Und das, so die IG, ginge nicht. Basisverkehr, also Anwohnerverkehr, ja, doch alle anderen sollen draußenbleiben. Die sollen eben woanders herfahren; nur nicht durch die Grunerstraße. Mit dieser öffentlich geäußerten, egoistischen Haltung setzt die Gruner Straße tatsächlich Maßstäbe. Aber da auch auf der eigenen Website der Initiative schon geschrieben stand, dass man um den Wert der Immobilien fürchte, war klar, um was es wirklich geht: Um Geld; um den Erhalt der Chance, möglichst hohe Mieten erzielen zu können.
Auf der Versammlung im Bossa Nova wurde deutlich, dass die Interessengemeinschaft dazu dramatisch überzieht. Der Verkehr der Gruner Straße wurde auch auf dem Treffen als dermaßen heftig beschrieben, dass ein uninformierterer Zuhörer glauben musste, dass es um eine Autobahn ging. Zwar ist es richtig, dass dort nicht wenig Autos fahren; aber eben auch nicht soviel, dass man dort nicht ruhig über die Straße gehen könnte. Die Zählung des Amtes für Verkehrsmanagement aus 2006 nennt für die Gruner Straße 5.467 Fahrzeuge aller Art in beide Richtungen; die Zählung erstreckte sich nach den für alle Straßen identischen Vorgaben über 16 Stunden. Nur 1,2 Prozent davon waren Lastwagen.
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Zum Vergleich: Die Bewohner des benachbarten Lastrings Brehmstraße müssen nach vergleichbaren Angaben aus 2007 mit 36.272 Fahrzeugen leben. Mit höherem Anteil an Lastwagen natürlich. Nach Wunsch einer resoluten Anwohnerin – die in einer der teuersten Wohnanlagen der Gruner Straße lebt und davon zu erzählen wusste, dass sie ängstlichen Senioren über die Straße helfen musste – müssen LKWs ganz von der Gruner Straße verschwinden. Dass die IG "Gruner gegen Raser" mit einer Verdopplung der Zahlen arbeitet, erweckt nicht den Anschein von seriösem Argumentieren. Und ein Kind oder ein alter Mensch kann auch in anderen, ruhigeren Lagen immer mal unsicher werden.
Eine Ampel vor jedes Haus?
Auch wurde dargestellt, dass der Fußgängerüberweg und die Ampelanlage an der Kreuzung Brehm- / Gruner Straße nicht ausreichend seien. Der Versammlungsführer meinte, weder seiner sechs- noch neunjährigen Tochter erklären zu können, 150 Meter zu der Ampel zu laufen, wenn die Mädchen in den gegenüberliegenden Zoopark wollen. Da fiel es leichter, die Versammlung mit einer ellenlangen Vorrede zur Situation und zu Lösungsideen zu beginnen; unterlegt mit einem selbstgedrehten Video, Stadtplänen und Lärmkartenauszügen. Zu diesem Treffen erschienen auch die Bezirksvorsteherin Annelies Böcker sowie Ratsmitglied Dr. Alexander Fils und Vertreter dreier weiterer Parteien.
Nicht alle Anwesenden vertraten die Ansicht der IG-Führung
Zwar wurde auf der Versammlung – zu der etwa 50 Interessierte erschienen – wie auch auf der Website betont, dass die IG "Gruner gegen Raser“ nichts gegen die Entwicklung von Boomtown Düsseldorf habe, doch dies solle nicht mit Nachteilen für die Gruner Straße verbunden sein. Eine egoistischere Haltung, so eine Dame in Schwarz zum Autor dieses Artikels, gäbe es ja wohl nicht. Auch sie hatte die Website gelesen und den Werterhalt der Immobilien als Hauptmotiv der Initiative ausgemacht: Von „von Amts wegen schleichender Enteignung“ ist dort die Rede, weil die Stadt nicht gegen zunehmenden Verkehr vorgehe. Obwohl auf 460 Metern davon schon Tempo 30 gilt.
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Und dazu wurde die tatsächliche Verkehrssituation maßlos überspitzt dargestellt. Denn der Autor dieses Artikels nutzt die Straße dreimal täglich – als Gassigänger. Beobachtungen, die die IG in Bezug auf das Rasen durch die Gruner Straße anführt, kann dieser nicht teilen. Es herrscht durchweg zivilisiertes Verhalten der Autofahrer dort; Kinder und Senioren haben definitiv ausreichend freies Blickfeld und Ruhe, um ungefährdet die Gruner Straße zum Zoopark hin zu überqueren. Dies outet die angestrebten Lösungen – wie beispielsweise das Abbiegeverbot von der Bundesstraße (B8, Heinrichstraße) in die Gruner Straße – als reinen Versuch, die Gruner Straße zur Privatstraße abzuschotten.
Egoismus und Ellenbogenverhalten haben jetzt eine feste Anschrift
Doch mit welchem Recht sich die Anwohner der durch den Zoopark als Gegenüber sowieso schon privilegierten Gruner Straße auch noch gegen den Verkehr neu hinzuziehender Menschen in neu entstehenden Wohngebieten sperren wollen – zu Lasten anderer Straßen und deren Anwohner – wurde im Laufe der Versammlung nicht ersichtlich. Vielmehr aber entstand der Eindruck, dass man mit allen anderen Menschen nichts zu tun haben und sich eine eigene, kleine Welt schaffen wolle: Fernab jeden Gemeinsinns, den das Zusammenleben in der Großstadt nun einmal erfordert. So bleibt festzustellen, dass Egoismus und Ellenbogengehabe („dann sollen die eben woanders herfahren“) offenbar im Zooviertel wohnen. Das nächste Treffen am gleichen Ort wurde für den 15. Dezember 2010 avisiert.
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