
- Radarkontrolle Grunerstraße, 16.11.2010 - Jörg Tilmes
Vetternwirtschaft, Freundschaftsdienste oder einfach nur Beharrlichkeit? Anwohner des Bereiches Brehm-, Hompesch- und Grunerstraße fragen sich, wieso die Polizei nur zwei Wochen nach der ersten Bürgerversammlung der Interessengemeinschaft "Gruner gegen Raser“ bereits Radarkontrollen an der Grunerstraße vornahm. Am Morgen des 16. November 2010 waren gegen 9:00 Uhr zwei Beamte vor dem Haus der Initiatoren der Interessengemeinschaft anzutreffen, die mit einer Radarpistole Tempomessungen durchgeführt haben. Dies, obwohl die Grunerstraße kein Unfallschwerpunkt ist.
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Die Grunerstraße ist eine normal ausgebaute Straße, an deren nördlicher Seite Luxuseigentumswohnungen gebaut worden sind. Darin wohnen auch die Initiatoren der Interessengemeinschaft, die den Autor dieses Artikels schriftlich gebeten haben, sie namentlich nicht im Internet zu nennen. Den Wohnungen gegenüber liegt der Zoopark, eines der beliebtesten Naherholungsgebiete des Stadtviertels Düsseltal, auch Zooviertel genannt. Eine Wohnidylle, die in einer Großstadt wie Düsseldorf selten anzutreffen ist. Der Verkehr hält sich – wie bereits im über vorstehenden Link erreichbaren Artikel geschildert – in Grenzen.
Dennoch erklärte die Interessengemeinschaft eingangs der Bürgerversammlung, den Verkehr am liebsten ganz aus der Straße verbannen zu wollen. Als Begründung wurden Gefahren für Senioren und Kinder angeführt, die die Grunerstraße nicht sicher überqueren können. Dies ist völliger Blödsinn, weil an der Kreuzung Gruner- Ecke Brehmstraße eine Ampel sowie an der Kreuzung Gruner- Ecke Mathildenstraße ein Zebrastreifen vorhanden ist. Dass Kinder solche Möglichkeiten oftmals nicht nutzen und es zu Unfällen kommt, ist nicht neu; allerdings birgt die Grunerstraße diesbezüglich geringeres Gefahrenpotenzial, als beispielsweise eine Hauptstraße.
Denn die schnurgerade Straße ist übersichtlich, frei von sichtbeeinträchtigenden Hindernissen und auch frei von Autos auf Bürgersteigen. Fazit: Es gibt auf den ersten Blick keinen Grund, hier eine Tempo-30-Zone einzurichten, Geschwindigkeiten zu messen oder gar Verkehrsberuhigungsmaßnahmen durchzuführen. Auch die beiden Beamten wussten auf die Frage des Autors nach dem Grund für die Messung vom 16. November 2010 nichts zu sagen außer, dass angeblich Kinder geschädigt würden. Was aber sicher auch für viele, viele weitaus befahrenere Straßen als die Grunerstraße gilt und nur als schwache Ausrede zu werten ist, denn schwere Unfälle mit Kindern dort sind nicht bekannt.
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Aber ein Blick auf die Website der Interessengemeinschaft "Gruner gegen Raser“ offenbart, um was es wirklich geht. Dort wird unter der Rubrik Wohnwert ausgeführt, dass durch das Verkehrsaufkommen die Nachbarschaft um das Prädikat gute Wohnlage gebracht wird. Wörtlich heißt es: „Durch die Förderung des ständig zunehmenden Durchgangsverkehrs durch bauliche Schildbürgerstreiche der Stadtverwaltung (siehe Amtliche Raserei) und Unterstützung bzw. Tolerierung durch die Kommunalpolitik wird die Grunerstraße und alle Straßen der angrenzenden Nachbarschaft peu a peu um das Prädikat gute Wohnlage gebracht.“
Weiterhin führt die Interessengemeinschaft aus: „Anwohner, die bereit waren, einen hohen (Miet-) oder Kaufpreis für das Wohnen in gutem Wohnumfeld zu zahlen, haben dies bislang zu akzeptieren und werden so von Amts wegen schleichend enteignet.“ Ein Blick auf die Bebauung der Grunerstraße zeigt, dass sich einige Häuser gegenüber dem Zoopark sogar mit Mauern abgeschottet haben. So etwas sagt viel über die Mentalität von Menschen aus. Offensichtlich wollen diese ihr Paradies noch um die Grunerstraße selbst erweitern und diese auch aus Gründen des Erhaltens der Wertes ihrer Immobilien für Dritte sperren.
Ein Überangebot von freien Wohnungen: Grundlage der IG "Gruner gegen Raser"?
Denn eine Tatsache wird von einem Immobilienfachmann bestätigt: Eigentumswohnungen in einer Parklage, die zudem noch verkehrsberuhigt ist, lassen sich besser vermieten und verkaufen. Und die Klientel von Wohnungen in gehobenen Lagen ist anspruchsvoll; vor allem, wenn sie viel bezahlt: Zum Zeitpunkt des Entstehens dieses Artikels wurde auf der Grunerstraße 64 eine 3 ½-Zimmer Wohnung mit 112 Quadratmetern für 1.008 Euro Kaltmiete angeboten. Im gleichen Haus war über lange Zeit eine Zweizimmerwohnung im Hochparterre mit 64 Quadratmetern für 580 Euro im Angebot. Für 144 Quadratmeter, vier Zimmer und 1.540 Euro sucht eine Wohnung Ecke Grunerstraße einen Mieter.
Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen, denn wer über Immoscout24.de die Grunerstraße 64 als Ausgangspunkt einer Suche im Umkreis von einem Kilometer nach einer Mietwohnung eingibt, erhält am Morgen des 16. November 2010 insgesamt 174 Angebote. Eine starke Konkurrenzsituation herrscht also auf dem Markt für Mietwohnungen dort; wenn ein Eigentümer vermieten will, dann werden Schlagworte wie verkehrsberuhigt und Anliegerverkehr zu vertragsabschlussfördernden Faktoren. Ganz offensichtlich also ist diese Marktlage die Existenzgrundlage für die Interessengemeinschaft "Gruner gegen Raser“, was sie auf der Website ja auch zugibt.
Keine Antwort auf die Frage nach der Dringlichkeit
Die Frage ist nur, wieso sich die Bezirksvertretung der CDU dermaßen stark vor den Karren dieser Interessen spannen lässt: Bezirksvorsteherin Annelies Böcker sowie Ratsmitglied Dr. Alexander Fils waren bei der ersten Bürgerversammlung am 02. November 2010 im Restaurant Bossa Nova zugegen und sprachen davon, dass viele Anregungen der Interessengemeinschaft in Bezug auf die Verkehrsberuhigung Sinn machen würden; doch die Frage, wieso eine im Grunde unauffällige Straße beruhigt werden müsse, stellten sie nicht. Lassen sie sich von wohnwirtschaftlichen Interessen vor den Karren spannen?
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Anders ist die schnelle Einrichtung der Tempo-30-Zone sowie das Ansetzen von Geschwindigskeitsmessungen nur zwei Wochen nach der Versammlung nicht zu erklären. Und auch die am Morgen des 16. November 2010 befragten Polizisten schienen es nicht zu verstehen; so verhalten, wie sie sich nach einer Antwort auf die Frage nach dem Grund gegeben haben. Somit bleibt nachzudenken, wer hier wen kennt und wer wem einen Gefallen tut, damit die Wohnungen auf der Grunerstraße sich besser vermarkten lassen. Interessant auch für die Anwohner anderer Straßen in Düsseldorf – gleiches Recht für alle heißt es doch, oder?
Zum Titelbild: Die Radarpistole versteckte sich hinter dem roten VW Bus
