
- Hinweis auf die Schließung: Post Rethelstr. 100, 30.01.2012 - Jörg Tilmes
Arroganz und eine Unfreundlichkeit, wie es sich kein anderes Unternehmen in Deutschland den Kunden gegenüber leisten kann: Dieses Gesicht zeigte die Postbank und die Deutsche Post AG ihren Kunden am 30. Januar 2012 in Düsseldorf. Die zur Postbank Filial GmbH gehörende Geschäftsstelle Rethelstraße 100 hatte zur normalen Öffnungszeit geschlossen. Als Begründung bekamen diejenigen Kunden, die per Zufall auf das kleine DIN-A4-Schild am Rand der Eingangstüre stießen, technische Gründe genannt. Etwa 20 Kunden mit Paketen, Briefumschlägen, aufzugebenden Einschreiben, Buchsendungen, Schecks zum Einreichen und mit dem Wunsch nach Beratung standen in klirrender Kälte – gemessen wurden drei Grad über dem Gefrierpunkt – vor der Tür und waren ratlos, denn dass eine Postbank montagnachmittags nicht öffnete, war für die Menschen nicht nachvollziehbar. Suite101.de – zufällig vor Ort – wollte der Frage nach dem Grund nachgehen, wurde aber von den befragten Postmitarbeitern in Düsseldorf und der Hotline barsch und arrogant abgewiesen. Woran die Postbank ganz gut verdient, denn Rückfragen waren und sind nur über kostenpflichtige Rufnummern möglich. Allein ein Paketfahrer war zugänglich und deutete an, dass kriminelles Handeln für die Sperre der Filiale verantwortlich sein könne. Keine Rückfrage brachte wirklich Licht ins Dunkel: Ein Zeichen dafür, dass da mehr sein muss, als eine defekte Tür.
Postfiliale Rethelstraße 100 in Düsseldorf dicht
Montagmittag, 14:00 Uhr: Diejenigen der Kunden der Post und der Postbank, die mitten am Tag und wie üblich ihre Postangelegenheiten erledigen wollten, wurden von der Filiale Rethelstraße in Düsseldorfs Stadtteil Düsseltal enttäuscht. „Wegen einer technischen Störung vorübergehend geschlossen“ stand auf einem kleinen, nur bei genauestem Hinsehen erkennbaren Schild als Begründung geschrieben. Die allerwenigsten der zehn bis dreißig Kunden, die im Laufe der halben Stunde, die Suite101.de vor Ort war, dort warteten, haben diese Notiz zur Kenntnis genommen. Bargeldautomat und Kontoauszugsdrucker funktionierten, Strom war erkennbar auch da und das Gewusel der Filialmitarbeiter unüberhörbar. Die wartenden Kunden riefen, klopften, standen ratlos da und niemand kümmerte sich um sie, obwohl Angestellte anwesend waren.
Kriminelle Handlungen als Grund für die Schließung?
Dennoch blieben die Türen geschlossen. Auf das Klingeln am Personaleingang wurde nicht reagiert. Doch die Paketpost wurde abgeholt. An der Laderampe von Suite101.de zur Rede gestellt erklärte Filialleiter Klaus Tewocht, dass er zur Schließung nichts sagen wolle, nicht müsse und auch nicht sagen könne, wie lange sie dauere. Ein Paketfahrer wurde deutlicher und erwähnte Suite101.de gegenüber, dass solche Schließungen von "ganz oben“ verfügt würden, wenn kriminelle Machenschaften wie das Wegnehmen von Geld per Angriff auf die Datenleitungen registriert würden. Die Kunden müssten dann eben drunter leiden. Wahrheit oder Fiktion? Haben die Postbeamten zuviel "24“, zuviel von der Agentenserie um Special Agent Jack Bauer zugesehen? Oder gibt es Sicherheitslecks bei der Postbank, die nicht publik werden dürfen?
Ein Anruf bei der Betreiberin der Filiale – der Postbank Filial GmbH auf der Friedrich-Ebert-Allee 114/126 in 53113 Bonn – sollte Klarheit bringen. Die am Hinweisschild angegebene Nummer 0180.3003008 war eine gebührenpflichtige Hotline. Neun Eurocent zockt die Filialbetreiberin ihren Kunden ab: Somit wurde deutlich, dass auch ein Monopolist wie die Post noch an Reklamationen verdient. „Unglaublich, dieses Verhalten!“ so eine Kundin. „Eine Faulheit legen diese Leute an den Tag, wie keine Firma sonst“ so ein Anderer, der die ständigen Betriebsversammlungen, wegen denen diese Postfiliale mehrfach im Jahr geschlossen bleibe, ins Feld der Diskussionen führte. Dass auch nicht auf Klopfen und Klingeln reagiert wurde, bewerteten die Anwesenden als arrogant. Ein Paketkunde: „Asoziales Verhalten. Die wissen, dass man die braucht. Wer geht schon zu Ups?“
Arroganz bei der Hotline: Hotline da nur um abzuzocken?
Auch mit Agnes Lang war nicht zur reden: Die Mitarbeiterin der Hotline verwies auf andere Filialen, wollte oder konnte zum Grund der Schließung ihres Betriebes nichts sagen und legte einfach auf, nachdem der Autor dieses Artikel vertrauliche Fragen nach Kontodaten nicht beantworten wollte: Wieso ein Pressevertreter, der sich als solcher vorstellte, Kontoangaben machen soll, um Gründe für die Schließung eines Betriebes zu ermitteln, blieb als offene Frage somit im Raume stehen. Ein weiterer Anrufversuch brachte eine weitere gebührenpflichtige Nummer (0180.30405700), aber keine gewünschte Verbindung zur Pressestelle oder aber eine gebührenfreie Rufnummer. Wozu auch eine solche, wenn sich per 0180 viel Geld verdienen lässt? Die im Netz angegebene Nummer der Pressestelle – immerhin gebührenfrei – brachte den Kontakt zu Ralf Palm.
Die Postbank Filial GmbH zur der Situation in Düsseldorf auf der Rethelstraße
Ralf Palm arbeitet bei der Pressestelle der Filiale in Bonn und betreut seinen Angaben zufolge rund 1.100 Filialen. Zu der Situation in Düsseldorf konnte er im ersten Anlauf nichts sagen. Er versprach, sich per E-Mail zu melden. Tat er auch. Seine Antwort im Wortlaut: „Das o.g. Finanzcenter war heute von 14:00 bis 15:00 Uhr aufgrund einer technischen Störung der Eingangstür geschlossen.“ Eine Filiale bleibt wegen eines Türdefekts zu? Wenn das so gewesen wäre, wieso wurde die Tür nicht manuell geöffnet? Die Kälte hätte die Post mittels der Haupteingangstüre am Bürgersteig, also vor Kontoauszugsdrucker und Postfächern, aussperren können. Palm auf die Worte des Paketfahrers hin befragt: "Es gibt vielfältige Gründe, weshalb eine Filiale geschlossen werden muss.“
Keine klare Antwort von der Pressestelle
Palm weiter: „Einer davon ist der, den ich Ihnen vorhin geschildert habe. Wir gehen von einer sachlichen Berichterstattung aus.“ Diesem Wunsch wurde in diesem Artikel entsprochen. Doch mit seiner Antwort räumte der Pressesprecher ein, dass der Defekt der Eingangstüre wohl kaum der Grund für die Schließung gewesen sein kann: „Derzeit ist die Filiale wieder geöffnet, Techniker sind angefordert. Erneute kurzfristige Schließungen sind nicht ausgeschlossen.“ Neuerliche Schließungen einer ganzen Filiale wegen einer Türe? Eine unglaubwürdige Auskunft.
Ein älterer Herr wusste noch etwas Interessantes zu erzählen: „Wenn ich hier eine Überweisung einwerfe (Anm.: in den dafür vorgesehenen blauen Kasten) wird die erst am übernächsten Tag ausgeführt. Grundsätzlich. Werfe ich den Überweisungsträger in der Westfalenstraße ein, am nächsten Tag. Wie kann das?“ So sachlich Suite101.de diesen Artikel verfasst hat, so wenig ist er dazu geeignet, diese Frage zu beantworten. Und was den Grund der Schließung angeht: Vielleicht sollte die Filialbetreiberin mit der Lösung Special Agent Jack Bauer beauftragen.
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