Duisburg: LehmbruckMuseum mit Kunst der klassischen Moderne

Hans- Peter Feldmann: David, Lehmbruckmuseum, Duisburg - Vera Kriebel, 8.11.2011
Hans- Peter Feldmann: David, Lehmbruckmuseum, Duisburg - Vera Kriebel, 8.11.2011
Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts in Duisburg: Das LehmbruckMuseum in der Duisburger Innenstadt bietet eine herausragende Sammlung von Skulpturen.

Duisburg hat sich - von der Öffentlichkeit fast unbemerkt - zu einer echten Kunststadt mit den Schwerpunkten moderne und aktuelle Kunst gemausert.

Kunstmuseen in Duisburg: Exzellenz in moderner Kunst

Drei Museen bieten in Duisburg exzellente Sammlungen und Ausstellungen in außergewöhnlicher Architektur und mit bemerkenswerten Konzepten: das Wilhelm Lehmbruck Museum (hauptsächlich klassische Moderne/erste Hälfte des 20. Jahrhunderts), das Museum Küppersmühle (vornehmlich Malerei, deutsche Nachkriegskunst/Informel) und das Museum DKM (aktuelle Avantgarde).

Geschichte des LehmbruckMuseum und Kantpark

Nach dem Vorbild des Folkwang-Museums in Hagen (heute Essen) wurde in Duisburg mit großzügiger Unterstützung privater Mäzene 1925 das Lehmbruck-Museum gegründet. Wie das Folkwang-Museum in Essen blutete auch das Duisburger Museum während der Nazizeit aus (Zerstörung oder Verkauf der entarteten Kunst). 1964 wird der heutige Hauptbau des Museums im Kantpark errichtet, 1987 der Anbau eröffnet, 1990 der Skulpturenpark im Kant-Park. Der Kant-Park hat einen alten Baumbestand, Wiesenflächen und Spielplätze - ist also ein ganz normaler großstädtischer Park, der auch entsprechend intensiv genutzt wird.

David ist Duisburger: Großskulptur

Eine neun Meter hohe, quietschend kitschig in Schweinchenrosa durch Hans-Dieter Feldmann kolorierte Kopie von Michelangelos David ist seit 2006 an der Ecke Friedrich-Wilhelm- und Düsseldorfer Straße ein werbeträchtiges Entrée für Kant-Park und Museum.

Kunst im LehmbruckMuseum: Von Naturalismus bis Objektkunst

Wilhelm Lehmbruck (1881-1919) gehört mit Ernst Barlach zu den bedeutendsten deutschen Bildhauern des frühen 20. Jahrhunderts. Lehmbrucks Werk, in dem Einflüsse des Naturalismus wie auch des Expressionismus und die unmittelbare Wirkung Rodins spürbar sind, ist der Ausgangspunkt der Duisburger Sammlung (Lehmbruck-Trakt, siehe Foto unten), die damit stark dem früheren Folkwang-Museums mit Werken der Worpsweder Künstlergemeinde, der Brücke-Künstler Kirchner, Nolde und so weiter ähnelt.

Anders als das Folkwang-Museum, das sich in den 1920er Jahren nicht mehr substanziell entwickelte und dessen Kunstverständnis damals beim Expressionismus endete, setzt sich die Sammlung des LehmbruckMuseum auch über Kubismus, Neue Sachlichkeit und Surrealismus bis in die Postmoderne mit Werken von Tinguely oder Beuys fort.

LehmbruckMuseum: Aufbau und Architektur

Das Museum wirkt auf den ersten Blick recht klein - dies täuscht jedoch, obwohl außen nur einstöckig, setzt sich die Ausstellung in den Keller fort und verfügen die Räumlichkeiten innen über mehrere Ebenen. Die Sammlung ist in jedem Fall etwas für einen Tagesausflug; wer sich etwas intensiver mit den Kunstwerken auseinandersetzen will, kann gut mehrfach hineingehen.

Das Gebäude atmet unverkennbar den Charme der 60er/70er Jahre - gerade am Haupteingang bemerkt man dies mit Schrecken und findet seine Vorstellung vom hässlichen Duisburg bestätigt. Auf den zweiten Blick und im Inneren ist es immer noch ein 50 Jahre altes Gebäude, aber ein interessantes, mit großzügigen Glasfronten und ungewöhnlichen Raumformen mit Zwischenstockwerken oder sich scheinbar in den Park nach draußen öffnenden Terrassen und Ebenen. Die meisten Räume bieten den Kunstwerken mit ihren anthrazitfarbenen Wänden ein zunächst ungewohnt feierliches Ambiente, in denen sie geradezu zu leuchten scheinen.

Das Museum besteht unter anderem aus dem Lehmbruck-Trakt, dem großen Ausstellungsraum mit abstrakten Werken, der Beuys-Galerie. Es gibt eine Cafeteria mit Shop, die aber mehr die Atmosphäre eines Studierraums hat. Ein Gang beherbergt die Sammlung von Portrait-Plastik. Jean Tinguely ist mit zwei großen mobilen verspielten Maschinen vertreten, die beide jedoch nicht ständig laufen (Tipp: Aufsichtsperson setzt sie auf Anfrage sehr gerne in Gang!). In der Nordhalle gibt es Wechselausstellungen, 2010 beispielsweise eine Ausstellung mit 120 Exponaten von Giacometti.

Museumsspaß: Kunst für Kinder und Jugendliche

Das LehmbruckMuseum bietet in den Sommerferien zusammen mit dem Zoo Duisburg den "TeilchenZOO" für Kinder zwischen 6 und 14 Jahren an, bei dem unter anderem ein Zoo aus Beton im Kleinformat hergestellt wird.

Kunstvermittlung im LehmbruckMuseum heißt abgesehen davon Führungen, Klassentreffen, Geburtstags- und Jubiläumsfeiern und ist daher lückenhaft. Was fehlt, sind zum Beispiel durchdachte ganzjährige Kinder-Programme und Kunst-Events, um Kinder und eine breitere Masse als Insider oder Oberstudienrätinnen für Kunst zu begeistern.

Kunstvermittlung im LehmbruckMuseum

Abseits von Aufteilungsplan, Katalog oder Führung gibt es bedauerlicherweise für Besucher kaum Informationen. In der Eingangshalle werden beispielsweise verfremdete Kopien von Kunstklassikern wie die zart bewölkte hellblaue Napoleon-Totenmaske von Magritte (L'avenir des statues) ausgestellt. Das Museumskonzept erlaubt zwar als Hilfe ein halb durchsichtiges Bild des Originals an der Glasfront des Eingangs - darauf hinzuweisen aber nicht.

Infoblätter zum besseren Verständnis wären hier sicher ein guter und auch bei klammen Kassen bezahlbarer Weg. Das gilt gerade für ein Museum im nicht sonderlich kunstinteressierten oder gar avantgarde-freundlichen Ruhrgebiet. Anregung könnte man sich beim Museum für Moderne Kunst in Frankfurt holen: Dort hat man eine sehr pragmatische Lösung gefunden und legt in den Ausstellungsräumen schlichte Laserausdrucke mit Erläuterungen (einfacher Text ohne Fotos) zum Mitnehmen aus.

Kunst für alle, Schüler und Jugendliche

Das Lehmbruck-Museum bemüht sich aber um eine breitere Basis für die Kunst mit zahlreichen Vermittlungs- und Unterhaltungs-Angeboten. Die Programme, die das LehmbruckMuseum unter dem Motto "Kunst ist für alle da!" anbietet, sind aber recht teuer: Natürlich ist es schön, wenn in "spannenden, lustigen, ungewöhnlichen" Führungen mehr über einen Künstler oder "alles" über ein Thema in der Kunst behandelt wird - nur ein so unpräzises Angebot zu buchen, kostet Überwindung seitens des Publikums.

Was den Draht zu Jugendlichen angeht, so scheint dieser auch nicht gerade bunt zu sein. Auf der Website "Jugend trifft Kunst" schreiben Jugendliche über solche unerhört spannenden Ereignisse wie die künstlerische Ausgestaltung der Schule. Auch hier lohnt sich ein Blick auf das MMK in Frankfurt: "Kunst entdecken" ist das ambitionierte museumspädagogische Programm des MMK, bei dem ab Juni 2010 die durch Schüler kuratierte Ausstellung Boys/Girls stattfand.

Vor allem aber ist das Kulturzentrum Dortmunder U mit dem Museum am Ostwall und den HMKV-Medienkunst-Ausstellungen leuchtendes Vorbild - was sie dort an Kunstdidaktik bieten, ist beispielhaft fürs Revier.

RUHR.2010: RuhrKunstMuseen

Wie das Folkwang-Museum und das Museum Küppersmühle ist das Duisburger LehmbruckMuseum Mitglied der RuhrKunstMuseen, ein Netzwerk von Kunstmuseen des Ruhrgebiets, das unter anderem Themen-Bustouren und kostenlose Schülerfahrten anbietet (Collection Tours). RuhrKunstMuseen wurde durch RUHR.2010, dem Marketingnamen der europäischen Kulturhauptstadt 2010, initiiert.

Infos zum LehmbruckMuseum

Lehmbruck Museum, Friedrich-Wilhelm-Straße 40 (wenige Meter von der Fußgängerzone und 500 Meter vom Hbf. entfernt). Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 11:00 - 17:00h, Sonntag 10:00 - 18:00h; Montag geschlossen. Eintritt: Einzelbesucher: 8 / 5 Euro, Familien: 15 Euro, Kinder in Begleitung von Angehörigen kostenlos. Museumsspaß für Kinder: Kosten ab 50 Euro (zum Beispiel vom 24.-27.8.2010).

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