
- Jurte statt Hotel - Pat Brooke
Pat Brooke(58) ist halb Engländerin halb Deutsche, geboren in Frankfurt, hat lange Jahre in Zentralafrika gelebt und ist seit 1986 Besitzerin einer andalusischen Finca in der Nähe von Gibraltar mit 16 Pferden, Ferienwohnungen und einer Hundepension. Mit Doris de Monchy (69), geboren in Rotterdam, dann lange gelebt in Bremen, verbindet sie eine leidenschaftliche Liebe zu Pferden und eine lebenslange Reiter-Erfahrung.
suite101: Wie kommt man überhaupt auf die Idee, ausgerechnet in der Mongolei zu reiten ?
Doris de Monchy: Mein Sohn Laurenz leitet seit 1998 die Mercedes-Vertretung in Ulan Bator –
suite101: Verzeihung: Mercedes’ hinten’ in der Mongolei?!
Doris: Ja klar - dort werden die LKW hauptsächlich gebraucht beim Abbau der Goldminen. Wer weiß schon, dass die Mongolei die größten Goldvorkommen hat? 2004 besuchten wir meinen Sohn das erste Mal, nach einer langen Anreise über Moskau und Peking und von dort in einer der zwei einzigen Maschinen der mongolischen Airline nach Ulan Bator.
Pat Brooke: Dort machten wir einen Tagesausflug auf Dromedaren in die Wüste Gobi. Danach hat uns diese einsame und unglaublich schöne Landschaft so fasziniert, dass wir uns vornahmen, eine ausgedehntere Reiter-Reise durch die Gobi zumachen, was wir auch letztes Jahr taten.
suite101: Und wie hat man sich so einen Wander-Ritt in der Mongolei konkret vorzustellen – da gibt es ja wohl keine Hotels oder Pensionen?
Pat: Also für uns beide gab es sechs Leute Begleitpersonal, eine mongolische Führerin, in Deutschland ausgebildete Gynäkologin übrigens, eine Köchin, drei weitere Begleiter für und mit Pferden und die Essens-Versorgung, ein Chauffeur vom Begleitfahrzeug unter anderem mit dem 500-Liter-Wassertank. Unser Hotel war eine typische Jurte, die täglich abends für uns auf - und am nächsten Morgen wieder abgebaut wurde.
Doris: Vergiss nicht das extra kleine Zelt für die mitgeschleppte Camping-Toilette! Übrigens ist es in der Jurte wunderbar gemütlich, da wird ein Ofen aufgestellt abends und eingeheizt, denn nachts kann es bis zu 30 Grad kalt werden! Nur die Betten waren viel zu kurz für uns, ich schlief da lieber auf dem Boden.
Pat: Und ich hatte bei der Länge meiner Beine Schwierigkeiten, ein passendes Pferdchen für mich zu finden.
suite 101: Welche Pferde reiten denn die Mongolen?
Doris: Das sind die Nachfahren des Ur-Pferdes des Przewalski-Pferdes, also russischen Ursprungs. Die leben im Herden-Verbund, unsere Pferde wurden früh aus der Herde geholt und kamen abends wieder zurück zur Herde. Das sind keine schluffigen Schulpferde!
Pat: Wir ritten sieben bis neun Stunden am Tag und gingen mit dem Sonnenuntergang müde aber glücklich schlafen.
Doris: Nach herrlichen Tagen in diesem wunderschönen Land. Man begegnet durchziehenden wilden Kamel-Herden, die Pferde-Herden müssen gegen Wölfe bewacht werden. 33 Millionen Tiere gibt es in der Mongolei. Die Mongolen sind nach wie vor Nomaden mit viel Respekt vor der Natur.
Pat: Ich vergesse nie den Morgen, als ich das Zelt öffnete und direkt vor meiner Nase eine Herde von circa 300 Yaks weidete.Und die Vögel zwitscherten.
Doris: Man muss so viel aufsaugen von dieser Landschaft. Und man wird ganz klein in dieser Weite. Es ist auch ganz trocken und windstill mit einer so klaren Luft, dass man einen Reiter in weiter Ferne sehen kann.
suite101: Sie müssen doch aber ganz schön abgehärtet sein?
Pat: Wir sind zäh !Aber die russischen Militärsättel, die wir hatten, kann ich nicht empfehlen. Doch wir hatten ja die Aloe-Creme von Doris dabei.
Doris: Ja, ohne die und meinen Lippenstift gehe ich nirgendwo hin ! Und Du hast immer Dein Augen-Make-Up und Deinen Tee dabei!
Pat: Und Whisky, um das schwere Essen gut zu verdauen.
suite101: Was gab es denn zu essen?
Doris: Das ist ganz faszinierend: der mongolische Hotpot. Unsere Begleiter schlachteten dazu eine Ziege, darauf kommt eine Lage Steine, die heiß aus dem Feuer kommen, dann wieder eine Lage Fleisch, Gemüse und wieder Steine, bis zum Topf-Rand so abwechselnd. Also das Essen ist eine Bombe! Dann gibt es noch Stutenmilch und Eier in Öl- alles sehr fett. Du würgst das eben runter. Denn die Einheimischen geben einem immer das Beste, das sie haben.
Pat: Aber bei der Anstrengung und Kälte in der Wüste braucht man das Fett. Doch abgenommen haben wir trotz der Anstrengung nicht.
suite 101: Was kann denn nach diesem Superlativ noch kommen – gibt es Pläne für die Zukunft?
Doris: Also wir möchten unbedingt noch über das hohe Altai-Gebirge reiten, da ist es noch wilder und dort wird mit Adlern statt Falken gejagt.
