Durch Köln und seine Geschichte entlang der Stadtmauer

Relief an der Ulrepforte - Susanne Hinrichs
Relief an der Ulrepforte - Susanne Hinrichs
Machen Sie sich auf zu einem Streifzug durch Köln und seine Geschichte entlang der alten Stadtbefestigung.

Ulrepforte, Hahnentor und Stapelhaus. Begriffe die jedem Kölner etwas sagen und in jedem Touristenguide auftauchen. Zusammengenommen sind sie Teile der alten Stadtbefestigung und Zeugen der Geschichte Kölns. Sie erzählen einzeln für sich etwas über die Vergangenheit und wenn man sich die Zeit nimmt die einzelnen Monumente zu ergründen begibt man sich auf einen historischen Spaziergang; nicht nur durch Kölns Geschichte, sondern durch die ganze Stadt selbst und entdeckt vielleicht sogar Ecken, die einem sonst verborgen geblieben wären.

Anders als bei anderen Stadtbefestigungen wurde die der Kölner nicht von Herrschern in Auftrag gegeben. Wie der Kölner halt ist und damals auch schon war, nahmen die Bürger diese Aufgabe selbst in die Hand und erkämpften sich das Recht auf die Befestigung und Wehrhoheit der Stadt. Dies wurde durch den damaligen Kaiser Friedrich Barbarossa sogar im Jahre 1180 urkundlich beglaubigt. In einer Zeitspanne von ca. 100 Jahren wurde die Mauer vom Rheinufer aus in einer halbkreisförmigen Anordnung errichtet. Mit insgesamt 12 mächtigen Torburgen und 52 Wehrtürmen war den Kölnern ein prächtiger Bau von repräsentativem Wert gelungen; der damals größten Stadtbefestigung in Europa.

Und auch wenn die meisten Teile der Mauer dem wachsenden Bevölkerungszugang im 19. Jahrhundert mit ihrem Einriss zum Opfer fielen, entschied man sich die schönsten Bauten stehen zu lassen; quasi als Monumente von Kölns Geschichte.

Wenn man sich nun an Hand der Überreste durch die Stadt begeben möchte, fängt man am besten im Kölner Süden am Rheinufer an. Dort befindet sich der Bayenturm. Auf diesen floh der damalige Erzbischof vor dem erzürnten Kölner Bürgertum, das den verhassten Herrscher aus der Stadt treiben wollte.

Weiter geht es durch Köln entlang der Stadtmauer und seiner Geschichte, wenn man sich zum Chlodwigplatz begibt und dort den Blick in Richtung Severinstorburg richtet. Hier soll einer Legende nach früher das Backhaus Schmitz gestanden haben, welches eine wichtige Rolle in der Bestrafungspraxis Kölns gespielt haben soll. Denn verurteilte Verbrecher wurden damals vom Gefängnis im Frankenturm die Severinsstraße hinabgetrieben, dessen schmerzhafte Bestrafung genau an der Backstube geendet haben soll. Hatte der Übeltäter diese Hetzjagd bis dahin lebendig überstanden erreichte er durch das Severinstor die Freiheit. Auch heute noch befindet sich an dieser Stelle eine Bäckerei, wenn Sie diese finden können sie sicher sein; wenn nicht, sind sie noch nicht außer Gefahr oder wie ein Kölner Sprichwort sagt „Do bes och noch nit an Schmitz-Backes verbei“!

Also am besten schnell weiter in Richtung dem nächsten Monument Kölner Stadtgeschichte; der Ulrepforte, welche sich nur ein Stückchen weiter stadteinwärts befindet. Wendet man den Blick von diesem Turmbau ab, blickt man auf den wohl noch intaktesten Rest der Kölner Mauer. Wenn man hier entlang geht bekommt man eine Vorstellung wie die einstige Befestigung auf die Besucher gewirkt haben muss! Ihrer Verteidigung durch die Kölner ist hier zudem noch ein Denkmal gesetzt. Ein Relief stellt den erbitterlichen Kampf der Bürger gegen den wohl impertinentesten Feind, dem Erzbischof, dar. Dieser versuchte immer wieder die Macht über die Stadt wieder zu erlangen, welche er im Kampf um den Bayenturm, von dem Sie anfangs gehört haben, verloren hatte. So zum Beispiel in der Schlacht an der Ulrepforte, die in dem Relief dargestellt ist und zugleich das wohl älteste profane Denkmal Deutschlands nach der Antike ist.

Die nächste Station durch die Geschichte Kölns entlang der Stadtmauer befindet sich am Rudolfplatz. Hier steht die Hahnentorburg. Man kann sie durch ihre imposante Größe gar nicht verfehlen! Die architektonische Auszeichnung der Hahnentorburg galt in erster Linie für den Betrachter, der sich der Stadt näherte. Das Tor befriedigte ein Repräsentationsbedürfnis, um den Außenstehenden einen Eindruck von der Größe und Bedeutung der Stadt zu vermitteln. Bis heute ist diese Funktion am Hahnentor ablesbar. Dass das Hahnentor in Hinsicht auf den Kaiser abhob, der nach der Krönung in Aachen meist von dort nach Köln zog, gehört fast schon zur gesicherten Erkenntnis der Kölner Geschichte. Denn im Mittelalter war es üblich, dass die Könige nach ihrer Krönung in Aachen nach Köln kamen, um am Schrein der heiligen drei Könige zu beten. Sie zogen dann durch das Hahnentor in die Stadt ein.

Ziehen Sie doch auch einmal durch das Tor in die Stadt ein, wie einst die bedeutenden Könige und machen sie sich auf in nördlicher Richtung zur letzten noch erhaltenen Torburg am Eigelstein. Hier wurde jedoch nicht den Herrschern ein Denkmal gesetzt, sondern im Gegensatz dazu dem Bauern, welcher durch eine Steinfigur repräsentiert in einer Nische der Mauer eingelassen wurde. Der Bauer geht historisch auf die vier konstituierenden Elemente des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation zurück. Köln vertrat mit anderen Städten den Bauernstand. Das Denkmal sollte die Verbundenheit mit dem Reich darstellen. Deutlich wird das bei dem darunter eingemeißelten Spruch „Halt fass do Kölscher Boor. Bliev beim Rich et fall sös ov sor“.

Als letzte Bastion der Kölner Mauer bleibt das Stapelhaus, welches sich in der Kölner Altstadt befindet. Das Stapelhaus gilt heute als Symbol der Handelsmetropole Köln. Grundlage der bürgerlichen Emanzipation war die auf besonders günstigen Handelsbedingungen fußende Wirtschaftskraft der am Übergang von Mittel- zum Niederrhein gelegenen Rheinmetropole. Nur bis hier kamen seetüchtige Schiffe auf Grund ihres Tiefgangs. Wer ins Mittelrheintal einfahren wollte, musste in Köln seine Waren auf flachere Schiffe umladen. Den Standortvorteil schrieben die Kölner, gewitzt wie sie waren und noch immer sind, im sogenannten Stapelrecht fest. Es sah vor das auswärtige Kaufleute ihre Waren drei Tage auf den Kölner Märkten anbieten mussten, bevor sie diese mit dem Gütesiegel „Kölner Ware“ versehen, wieder verschiffen konnten. Dieses Gesetzt ließ, wie man sich vorstellen kann, die Kölner Wirtschaft aufblühen. Alle Waren mussten in Köln aufgrund des Stapelrechts zum Kauf und Verarbeitung freigegeben werden. Zur Begutachtung lagerte man die Ware in den Stapelhäusern, wie diesem in der Altstadt, bis sie ihr Gütesiegel bekamen.

Die verbliebenen Überreste der Stadtmauer bestehen also aus kleinen Türmen, alten Handelshäusern und imposanten Torburgen. Sie erzählen von Königen, Bauern und Straftätern. Zugleich führen sie einmal durch die ganze Stadt. Machen Sie sich doch nun auch einmal auf zu einem Spaziergang durch Köln und seine Geschichte entlang der alten Befestigungsanlage und behalten Sie die dazu passenden Geschichten, Sagen und Legenden im Hinterkopf.