Die Arbeitsbelastung von Krankenhauspflegern ist einer Studie zufolge deutlich gestiegen. Damit verknüpft sind zunehmende Mängel bei der Patientenversorgung, so das Ergebnis des "Pflege-Thermometer 2009" des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung (dip) in Köln. Die Wissenschaftler hatten dafür mehr als 10.600 Pfleger in allgemeinen Krankenhäusern befragt.
Massiver Stellenabbau in der Krankenhauspflege
Ein Grund für deren steigende Arbeitsbelastung sei der massive Stellenabbau der jüngeren Vergangenheit: von 1996 bis 2008 fielen laut dip rund 50.000 Vollzeitstellen in der Krankenhauspflege weg - das war rund jede siebte Stelle. Im gleichen Zeitraum sei die Zahl der Klinikärzte um erstaunliche 26 Prozent erhöht worden. Erst im Verlauf des Jahres 2008 habe sich die Anzahl an Pflegekräften wieder erhöht, wenn auch nur um 0,7 Prozent oder 1.840 Vollzeitkräfte. Das von der großen Koalition noch unter Federführung der damaligen Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt gestartete Sonderprogramm mit geplanten 17.000 neuen Pflegestellen zeige bis dato noch keine Wirkung. Kurzfristig sei der Mangel an Pflegepersonal kaum zu beheben, so das dip. Der Arbeitsmarkt sei leergefegt und es werde noch zu wenig ausgebildet.
Bedenklich ist, dass diametral entgegengesetzt zum Stellenabbau die Zahl der behandelten Patienten aufgrund der Alterung der Bevölkerung ("demografische Entwicklung") kontinuierlich gestiegen ist: von 15,6 Millionen Fällen im Jahr 1995 auf 17,5 Millionen in 2008.
Mehr als zwei Drittel der Befragten mussten im vergangenen Jahr mehr Patienten als vorher betreuen, in jedem zweiten Fall aufgrund von Stellenabbau bei Kollegen. Lediglich 5,6 Prozent der Befragten gaben an, in den vergangenen sechs Monaten keine Überstunden geleistet zu haben.
Pflegerische Mängel bei Lagerung, Nahrungsaufnahme, Medikamentenabgabe und Hygiene
Mit der Arbeitsbelastung gingen bedenkliche Mängel in der pflegerischen Versorgung einher. Probleme gebe es vor allem bei der Sicherstellung der Überwachung von verwirrten Patienten sowie bei der Mobilisierung und der fachgerechten Lagerung von Patienten. Gespräche mit Patienten (für deren Psyche oft wichtig), die Betreuung Schwerstkranker und die Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme kämen auch zu kurz. Ganze vier Fünftel der befragten Pflegekräfte erklärten, dass sie in den vergangenen sieben Tagen in diesen Bereichen Mängel nicht ausschließen könnten. Bei solch sensiblen Bereichen wie der Medikamentenabgabe, beim Verbandswechseln und bei Hygienemaßnahmen waren es mehr als die Hälfte der Befragten. Hier erkennt man die Ausprägungen und strukturellen Ursachen von sogenannten Pflegeskandalen.
Blutvergiftungen und Infektionen durch mangelhafte Reinigung
Zeitdruck und Arbeitsüberlastung dürften zu Mängeln in diesen zentralen Bereichen der Krankenhauspflege geführt haben. Dazu passen immer mal wieder Meldungen, dass Krankenhäuser aufgrund von Kostendruck festangestellte Reinigungskräfte entließen und diesen Bereich outsourcten. Dadurch ist nicht auszuschließen, dass nicht auf Kliniken spezialisierten Reinigungsdiensten aus Unwissenheit oder Fahrlässigkeit Hygienemängel unterlaufen, so dass Keime überleben können, die entweder resistent werden oder bei geschwächten Patienten zu Blutvergiftungen und Infektionen und im schlimmsten Falle zu Todesfällen führen können. Immerhin versuchen gegen diese lebensgefährlichen Fehlentwicklungen Ärzteorganisationen durch so löbliche Gegenaktionen wie die "Aktion saubere Hände" oder ähnlichem entgegenzusteuern.
Laut der Umfrage des dip gehe lediglich jede dritte Pflegekraft uneingeschränkt davon aus, dass notwendige pflegerische Arbeiten sich in der Regel auch ausführen lassen. Jedoch kämpfen die allermeisten Krankenhauspfleger ihren einsamen Kampf für den Patienten engagiert weiter: mehr als 80 Prozent der Befragten erklärten, dass sie trotz der schwierigen Personalsituation die Versorgung weitgehend aufrechterhalten können - in welcher Qualität sagten sie jedoch nicht.
Psychische Erkrankungen und Burnout bei Pflegern
Pflegearbeit ist somit ein Knochenjob, psychisch und physisch, wie die weit über dem Durchschnitt liegende Anzahl von Arbeitsunfähigkeitstagen im Gesundheitswesen, insbesondere durch psychische Erkrankungen wie Burnout, zeigt. Dies belegen zahlreiche Krankenkassenreports der letzten Jahre. So suchten nicht umsonst ein Viertel der Befragten der dip-Studie den Absprung aus ihrer derzeitigen Pflegetätigkeit und nur die Hälfte geht davon aus, bis zum Rentenalter durchzuhalten.
Fazit: Alarmierende Nachrichten für insbesondere ältere, geschwächte Patienten, die sich in die Obhut einer Klinik begeben. Die Probleme liegen offen zu Tage, jetzt müssen die richtigen Konsequenzen zur Lösung gezogen werden.
