
- EPEC (Entero-Pathogene E. coli) erregen Durchfälle bei Säuglingen - CDC: Charles Farmer (1965)
Das gramnegative Bakterium Escherichia coli (E. coli) wirkt sich normalerweise positiv in unserer Darmflora aus – genießen wir chinesische oder thailändische Gerichte mit Messer und Gabel, verdauen wir das Essen dank der Stäbchenbakterien in unserem Magen-Darm-Trakt problemlos: Mit unseren Nahrungsmitteln decken wir den Tischgenossen oder Kommensalen unserer Darmflora reichlich den Tisch. Verborgen unterstützen uns unsere Tischgenossen in der Dunkelheit des deutschen Darms (griechisch enteron) bei der Verdauung. Doch sechs coliforme Bakterien-Gruppen (Pathogruppen) verzetteln sich mit ihren krankmachenden Bakterien-Stämmen in heftige Fehden mit unseren Darmzotten – die pathogenen Bakterien-Stämme haben das Kriegsbeil gegen unseren Magen-Darm-Trakt ausgegraben: Dies führt zur Darm-Entzündung (Enteritis) oder Magen-Darm-Entzündung (Gastroenteritis).
DAEC – Diffus-Adhärente E. coli
Die Bakterien-Gruppe DAEC (Diffus-Adhärente E. coli) benannte man nach dem so genannten Adhäsionsmuster: DAEC heften sich mit diffuser Adhärenz an unsere Epithelzellen oder Zellen von HeP-2-Zellkulturen – das lateinische Wort "adhaerere" bedeutet so viel wie anheften. In Deutschland verursachten DAEC im Jahr 2010 weniger als ein Prozent aller Durchfälle – beim Robert Koch-Institut (RKI) werden DAEC unter den E. coli-Enteritiden geführt (siehe Grafik). DAEC verursachen nicht nur Entzündungen im Magen-Darm-Trakt, die Bakterien führen auch im Urogenital-Trakt zu Infektionen des Harnwegs.
EAEC – Entero-Aggregative E. coli
Auch Entero-Aggregative E. coli (EAEC oder EAggEC) zeigen ein charakteristisches Adhäsionsmuster, Prof. Dr. Helge Karch erklärte dazu während der EHEC-Epidemie im Juni 2011: "Bei ihrer Interaktion mit Darmzellen zeigen alle Stämme das für enteroaggregative E. coli (EAEC) typische Anheftungsmuster, das einer „Mauer aus Backsteinen“ gleicht." In Deutschland verursachen EAEC etwa zwei Prozent aller Durchfälle (E. coli-Enteritis), bei Kindern und Erwachsenen lösen EAEC sowohl akute als auch chronische Durchfälle aus. Als kriegerische Bakterien-Stämme bilden manche EAEC Giftstoffe – so genannte Enterotoxine und Zytotoxine.
EHEC – Entero-Hämorrhagische E. coli
Auch die in Deutschland wohlbekannte Bakterien-Gruppe EHEC (Entero-Hämorrhagische E. coli) bildet Giftstoffe, man nennt sie deshalb international auch Verotoxinogene oder Shigatoxin-bildende E. coli (VTEC oder STEC): Allerdings ist der die EHEC-Epidemie verursachende Bakterien-Stamm HUSEC041 (O104:H4) vielmehr eine verhängnisvolle Kreuzung aus EAEC und EHEC. Durch die Shigatoxine kommt es bei Patienten öfters zu schweren Krankheitssymptomen – der Durchfall kann blutig (hämorrhagisch) werden. Als Komplikation entsteht manchmal das Hämolytisch-Urämische Syndrom (HUS).
EIEC – Entero-Invasive E. coli
EIEC (Entero-Invasive E. coli) sollen zusammen mit EPEC weltweit jährlich über 150 Millionen Durchfallerkrankungen (Diarrhoen) verursachen – etwa eine Million Todesfälle gehen wohl pro Jahr auf das Konto der beiden Darmerreger. Bei EIEC ist der Name Infektionsprogramm: Wie bei Shigella-Bakterien sind EIEC zur Invasion unseres Darmepithels fähig – darüber hinaus bilden sie noch Enterotoxine. In Deutschland verursachen EIEC weniger als ein Prozent aller Durchfälle (E. coli-Enteritis).
EPEC – Entero-Pathogene E. coli
Die Bakterien-Gruppe EPEC (Entero-Pathogene E. coli) ist weltweit als Erreger von Durchfällen bei Säuglingen bekannt: Innerhalb der RKI-Klassifikation "E. coli-Enteritis" machen durch EPEC verursachte Durchfälle in Deutschland momentan ungefähr 80 Prozent aller Durchfallerkrankungen aus – besonders Kleinkinder und Säuglinge bis zu einem Jahr sind bei uns betroffen. EPEC verletzen die Darmzellen durch so genannte AE-Läsionen (vom englischen "attaching and effacing": EPEC-Bakterien heften sich dicht an das Darmepithel (attaching) und zerstören so lokal die Mikrovillis des Bürstensaums unserer Darmschleimhaut (effacing).
ETEC – Entero-Toxische E. coli
Die Bakterien-Gruppe ETEC (Entero-Toxische E. coli) reist in Deutschland oft mit der Menschen-Gruppe "Urlauber" ein: ETEC verursachen vor allem in Entwicklungsländern und tropischen Reiseländern Durchfall bei Kindern – der Durchfall kann wie bei EHEC blutig werden. ETEC sind für etwa 70 Prozent aller cholera-ähnlichen Reisediarrhoen verantwortlich. "Montezumas Rache" holt man sich besonders häufig bei Reisen nach Afrika, Asien und Lateinamerika. Als Enterotoxine produzieren ETEC so genannte hitzelabile und hitzestabile Toxine. In Deutschland verursachen ETEC etwa sechs Prozent aller Durchfälle (E. coli-Enteritis).
Symptomatische Therapie und Antibiotika-Therapie
Die Basis jeder Therapie ist der Ersatz von verlorenen Flüssigkeiten und Elektrolyten durch eine symptomatische Behandlung mit oralen Rehydationsslösungen (ORL): Diese enthalten zur Regeneration der Darmzellen (Enterozyten) Glucose, Kalium, Natrium und Zitronensäure. Durchfallerkrankungen durch E. coli verlaufen so bei normal gesunden Menschen ohne Grunderkrankungen meist ohne Komplikationen. Bei schweren Krankheitsbildern werden zur Behandlung auch Sekretionshemmer oder Antibiotika eingesetzt, zum Beispiel Ampicilline oder Fluorchinolone. Bei der EHEC-Komplikation HUS ist eine neue Immunadsorption-Therapie vielversprechend.
Weitere Informationen & Literatur
- James P. Nataro und James B. Kaper (1998): Diarrheagenic Escherichia coli. Clinical Microbiology Reviews, January 1998, Volume 11, Nummer 1, Seite 142 bis 201.
- Prof. Wolfgang F. Caspary, Prof. Manfred Kist, Prof. Jürgen Stein (Herausgeber, 2006): Infektiologie des Gastrointestinaltraktes. Springer Medizin Verlag, Heidelberg.
- Sibylle Koletzko und Stephanie Osterrieder (2009): Akute infektiöse Durchfallerkrankung im Kindesalter. Deutsches Ärzteblatt, Jahrgang 106, Heft 33 vom 14. August 2009 auf Seite 539 bis 548.
- Weiter Daten zu Infektionskrankheiten finden Sie auf der Homepage des Robert Koch-Instituts (RKI) in der Datenbank SurvStat.
Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat – zum Beispiel durch einen Arzt oder Apotheker – nicht ersetzen kann!
