Durchgänger und Raser - schwierige Pferde im Gelände

Renngalopp - Sonja Köhler
Renngalopp - Sonja Köhler
Durchgehende Pferde bringen Reiter zur Verzweiflung. Die möglichen Ursachen zu erkennen und mit Übungen und Verhaltensänderung dagegen vorgehen kann helfen.

Der Fall ins kalte Wasser kommt nach einem Pferdekauf oft im Gelände, wenn das Pferd kaum zu bremsen ist, durchgeht, buckelt oder total verkrampft und hektisch läuft. Natürlich kann man sich auch bewusst sein, solch ein Pferd zu kaufen und versucht dann, das Problem in den Griff zu bekommen – manchmal fängt diese Macke bei Pferden auch erst später an. Hier die Ursachen und Unternehmungen dagegen.

Das Können des Reiters

Pferde, die durchgängerisch und unberechenbar sind, sollten nur von erfahrenen und guten Reitern geritten werden, die einen guten Sitz haben und Schenkel- sowie Zügelhilfen richtig geben können. Pferdebesitzer, deren Pferd eine solche Gewohnheit erst mit der Zeit annehmen, sich dieser Aufgabe aber nicht gewachsen fühlen oder nicht sicher im Sattel sind, sollten professionelle Hilfe nehmen.

Der größte Fehler, der nur zu oft begangen wird, ist, dem Pferd ohne weitere Maßnahmen ein schärferes Gebiss zu geben und dann zu erwarten, dass sich die Probleme von selbst lösen. Das Pferd wird dann vielleicht für kurze Zeit das tun, was sein Reiter von ihm zu erlangt – durch Schmerzen und Angst vor dem Gebiss. Mit der Zeit gewöhnt sich das Tier allerdings an das scharfe Gebiss und das Durchgehen beginnt von vorne. Die Reaktion des Reiters darauf ist eine noch schärferes Gebiss. Dies ist jedoch nicht sinnvoll und praktisch nie erfolgreich! Um das Pferd unter Kontrolle zu bekommen erfordert es ein gegenseitiges Voneinanderlernen und Zusammenarbeiten, kein Zufügen von Gewalt oder Schmerz.

Das Pferd wehrt sich gegen den Sattel

Ein falsch sitzender Sattel ist dem Pferd unangenehm und verursacht meist Schmerzen, bei dauerhaften Tragen Rückenschmerzen. Das Pferd reagiert auf diesen Schmerz unterschiedlich, was man vor allem im Gelände feststellt. Dies zeigt sich dadurch, dass es steif und verkrampft läuft, es entspannt sich nicht, sondern macht einen Hirschhals, das heißt es streckt den Hals in unnatürlichem Winkel nach oben, was den Rückenschmerz allerdings noch verstärkt. Andere Versuche seitens dem Pferd, dem Schmerz zu entkommen sind das Buckeln oder das Durchgehen, also davonlaufen vor den Schmerzen. Das erste was man bei einem schwierigen Pferd im Gelände also feststellen sollte ist das Passen des Sattels.

Wehrt sich das Pferd gegen das Gebiss, zum Beispiel in dem es darauf beißt und so das Lenken behindert, ist eine Möglichkeit eine gebisslose Trense auszuprobieren.

Eine gute Zusammenarbeit auf dem Platz

Die Grundlage für Ausritte im Gelände, vor allem, wenn diese nicht nach Vorstellungen des Reiters verlaufen, ist das Reiten auf dem Platz. Stimmt hier die Kommunikation und die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Pferd, funktionieren Ausritte im Gelände gleich leichter. Seien Sie ehrlich und beurteilen Sie: Geht ihr Pferd problemlos durchs Genick ohne nur abzuknicken, tritt es mit der Hinterhand unter? Lässt es sich ohne Schwierigkeiten auf dem Platz in allen Gangarten lenken, anhalten und läuft es los, wenn Sie das wollen? Funktionieren Schenkel- Zügel- und Gewichtshilfen? Wenn nicht, dann arbeiten sie mit ihrem Pferd, bis sie Fortschritte machen. Wenn Sie ihr Pferd auf dem Platz ohne Gewalt unter Kontrolle haben, fällt es auch im Gelände leichter.

Temperamentvoll und feurig

Nachdem Sie alle bereits genannten Vorsichtsmaßnahmen und das Üben auf dem Platz mit ihrem Pferd bereits hinter sich haben, sich im Gelände jedoch nicht das geringste ändert, liegt es wohl an dem stürmischen Temperament ihres Pferdes, das nichts anderes will, als die Weite von Wiesen und Stoppelfeldern im (unkontrollierten Renn-) Galopp auszukosten.

Es gibt verschiedene Wege, das Vorwärtsdrängen dem Pferd abzugewöhnen, auch wenn solche Pferde selten zu braven Lämmern werden.

Zuerst einmal kommt es ganz auf das einzelne Pferd an. Manchen Pferden kann man das Rennen dadurch abgewöhnen, indem man es solange (im Renngalopp) galoppieren lässt, bis es von selbst nicht mehr weitergaloppieren würde und es dennoch weitertreibt. Natürlich nicht bis zur völligen Erschöpfung, sondern nur etwa 500 m weiter. Dadurch wird der Galopp vom Reiter bestimmt und nicht vom Pferd. Bei Pferden mit einer ungewöhnlich guten Ausdauer oder Tieren mit Atembeschwerden ist dies jedoch keine gute Methode und ist eher selten von Nutzen.

Eine genau gegenteilige Methode sind lange gedehnte Ausritte – allerdings nur im Schritt und einem leichten, lockeren Trab. Es gilt, das Pferd völlig zu entspannen. Nachdem man solche ruhigen Ausritte öfters gemacht hat. kann man anfangen aus einem langsamen Trab heraus angaloppieren. Allerdings sollte man für so eine (kurze!) Galoppstrecke keine lange Wiese mit freiem Blick auf den Horizont wählen – das Pferd wird vor Begeisterung sprühen und Vollgas geben. Suchen Sie sich ein Waldstück, einen Dorfrand oder einen Stadel, auf den Sie von nicht allzu großer Entfernung zugaloppieren können. Ist dieser erste Galopp auch ein Erfolgserlebnis, haben Sie gute Chancen, dass diese Methode funktioniert. Dehnen Sie den Galopp pro Ausritt immer etwas aus, jedoch nie auf freien Strecken und immer gemächlich. Klappt das gut, können Sie nach langem Erproben auch eine gewöhnliche Galoppstrecke wählen. Lassen Sie das Pferd erst wieder rennen, wenn Sie das Gefühl haben, dass es die Lektion verstanden hat. Eine Hilfe sind für Sie - und für das Pferd - verständnisvolle Reiter, die Sie unterstützen wollen. Allerdings nur, wenn deren Pferde ein ruhiges Wesen haben und von ihren Reitern unter Kontrolle gehalten werden können. Hat man eine solche Gelegenheit, ist dies oft von großem Vorteil, denn ein häufiger Grund des Rennens im Gelände ist das gegenseitige Anstacheln, Aufhetzen und Wettrennen von zwei oder mehreren Pferden, teilweise auch von den Reitern verursacht. Kommt es dennoch zum Durchgehen des Pferdes: das Pferd in einen Kreis lenken oder es mit einer engen Volte zum Stehen bekommen (nur bei gutem Sitz!), das hilft immer.

Ein letzter wichtiger Hinweis: Pferde (vor allem "Problempferde"), die ausreichend Auslauf auf der Weide haben und ihre ganze überschüssige Energie beim Herumtoben loswerden können sind glücklicher – und braver im Gelände.

Sonja Köhler, Sonja Köhler

Sonja Köhler - Liebe Leser und Leserinnen, Da ich noch zur Schule gehe, konnte ich bis jetzt keine berufliche Erfahrung als Journalistin oder ...

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