
- Radpause am See in Sahanlahti - Judith Weibrecht
Die Radtour durch Saimaa ab Mikkeli bis Anttola führt nun weiter von Anttola nach Kukkapää.
Weiße Schäfchenwolken, hellblauer Himmel über dunkelblauen Seen neben tief grünem Tann. Das ist das Klischee, aber es ist auch die Realität. Ochsenblutfarbene Mökki, finnische Ferienhäuser aus Holz, vervollständigen das Ganze. Radfahren führt hier zu meditativer Versenkung: Ein Wald, ein See, ein Mökki. Ein Mökki, ein See, ein Wald. Keine Kuh, kein Schaf, kein Pferd. Wolf und Bär spielen verstecken, Gott sei Dank. Nur Schnaken, Mücken und Bremsen sind zum Angriff bereit, die „Finnish Air Force“, wie sie scherzhaft genannt wird. Nach kilometerlangem Nichts kommt man schließlich an einem „Kioski“ am Lietvesi-See vorbei. Simo vom Rennradclub Pellossalon Nousu, der ein Stück weit des Wegs begleitet, zieht sofort die Bremsen. Er weiß, dass so schnell keiner mehr kommen wird, und beklagt, dass in Finnland Tourenradeln noch nicht allzu sehr verbreitet ist. Doch das könnte sich ändern: Beschilderung und Kartenmaterial sind vorhanden. Meist fährt man auf Straßen, ab und zu auf Feldwegen und in Orten auf extra angelegten Rad-/Gehwegen. Und von wegen keine Kneipen: Ein paar Kilometer weiter lockt ein Tanssilava, hölzerner Tanzboden, für Tanzveranstaltungen. Eine finnische Passion, die sogleich angepriesen wird. Leider ist gerade geschlossen. Insider wissen, wann das Tanzbein wieder geschwungen werden kann.
Auf dem Radweg nach Sahanlahti in Saimaa
Auch in Sahanlahti, wo die Radfahrer übernachten, gibt es neben hübschen Zimmern, Häuschen, die man mieten kann, und diversen Saunen eine Kneipe direkt am See in einer ehemaligen Sägemühle und am Bootshaus direkt über dem Wasser. Spezialität ist hier der Fisch in Roggenbrotteig, Kalakukko, nicht zu vergessen die verschiedenen Beeren: Blaubeeren, Himbeeren, Preisselbeeren satt gibt es auf Kuchen, der mit Vanillesoße übergossen wird, in Joghurt oder einfach pur. Vorsicht, Suchtgefahr! Auch die karelischen Piroggen aus Roggenteig mit Reisbrei sollten unbedingt probiert werden und natürlich Lörtsyt, Teigtaschen gefüllt mit Apfelmus oder Reis und Fleisch. Dazu schütten Finnen literweise Kaffee in sich hinein.
Welcome to Sulkava City per Fahrrad
Die Seenlandschaft von oben kann man in Puumala bewundern: Zuerst geht es in einem Aufzug mit den Fahrrädern hinauf auf die weit gespannte Brücke, dann tun sich weite Ausblicke aus auf Hobbykapitäne, Seenlandschaft und Fähren. Auch Fahrradfahrer benutzen auf dem Weg nach Sulkava eine Fähre, die problemlos Fahrräder mitnimmt und ständig hin- und herpendelt, gewissermaßen eine Verlängerung der Straße. Ein Schild warnt davor, am Kai nicht in den See zu rasen. „Welcome to Sulkava City!“, meint ein Mann am Wegesrand, doch er ist kein Scherzkeks, er meint es tatsächlich so. Sulkava „City“ habe etwa 3.000 Einwohner, sagt er, und letzte Woche zur Zeit des Ruderbootfestivals seien sogar über 10.000 Ruderer in der Stadt gewesen. Für hiesige Verhältnisse mag sich das anfühlen wie eine Million. Kurz hinter dieser Großstadt findet man Kukkapää, wo Radfahrer auch für nur eine Nacht gerne aufgenommen werden und ein Ferienhaus mieten können. Oder aber man bleibt länger: Rudern, schwimmen, Tagestouren per Rad, alles ist möglich. Und was soll schon diese ewige Hast.
Weiter radeln nach Punkaharju und Varkaus kann man auch morgen.
