
- Lleju Production "Cat Run" - Eagle Film Distribution
Es ist Sonntag und man weiß nicht, nach was für einer Art Film einem die Laune steht. Da ist „Cat Run“ die Wahl, es hat von allem etwas.- so Scott Mechlowicz (Anthony) über den Film- treffender könnte man ihn nicht beschreiben.
Wäre "Cat Run" ein Getränk, dann handle es sich mit Sicherheit um einen Cocktail und die Antwort darauf, zu welchem Genre der Film zusammengemixt wurde, dürfte niemand so genau kennen. So ist das "Cat Run"-Getränk ein delikater Mix aus allem, was man sich wünscht und noch ein paar Liter mehr, weil Regisseur John Stockwell als sinnbildlicher Bartender zu mehr als 10 Flaschen gegriffen hat- einem halben Glas starker Action hat er einen guten Schluck Humor zugerührt, das Ganze mit einem Schuss purer Liebe richtig geschüttelt und mit einem Hauch Horror gespritzt. Und dazu hat er den Glasrand optisch ansprechend mit den verschiedensten Früchten aus saftigen Smash Cuts, erfrischenden Comicscheibchen und einem leckeren Cast verziert. Da kann man doch nur zugreifen. Aber- kein Verkauf von alkoholischen Getränken an Minderjährige! Und weil die wirklich starke Mischung „Cat Run“ mehr als nur beschwipsend wirkt und einen auch als gestandenen Filmfreak so berauscht, dass man ins Lallen und Taumeln gerät, dürfte klar sein, dass der Streifen der FSK 18 unterliegt.
Weder reiner Thriller noch wirklich Horror noch Komödie oder Action- das filmerische Alles und das Nichts und dabei lässt "Cat Run" sich nicht einmal jenen zuordnen, die vor ihm weder Fleisch noch Fisch sein wollten und in 1 1/2 Stunden von allem ein seichtes bisschen packten, sodass sie am Ende meist nicht mehr waren als eine verwirrende, überladene, übel schmeckende graue Brühe. Das ist nun wirklich nicht, was 102 Minuten "Cat Run" meinen- viel eher ist der Streifen ein unterhaltsames, ausgewogenes, bekömmliches und farbenfrohes Hausmittelchen für jeden, der von der Tristheit des Mainstreamfilms geheilt werden will. Könnten Zweifler denken- Wie soll in 102 Minuten genug von allem passen, wenn es die meisten Genrefilme nicht schaffen, ihr eigenes Genre voll zu vertreten? Ganz offensichtlich gibt es einen Weg und "Cat Run" ist ihn gegangen.
Der Plot- Action + Comedy + Liebesfilm + Horror + Thriller
Dabei ist es nicht der Plot selbst, der den Film so besonders macht- die Jugendfreunde Julian (Alphonso McAuley) und Anthony (Scott Mechlowicz) treffen sich weit von ihrer amerikanischen Heimat in Montenegro wieder. Schnell stellen beide fest, dass keiner von ihnen das erreicht hat, was er erreichen wollte, weil das Leben immer eigene Wege geht. Genau diese Feststellung ist es, was sich immer deutlicher verfestigen soll- als die beiden eine Privatdetektei gründen, geraten sie ungewollt und vollkommen unerfahren in ein lebensbedrohliches Abenteuer- im Zuge ihres ersten Falls machen sie sich auf die Suche nach der verschwundenen Prostituierten Catalina (Paz Vega), die durch einen unglücklichen Umstand nun nicht nur von Anthony und Julian, sondern vor allem von Mafia und Geheimdienst gesucht wird. Während die Jungs der Meinung sind, einfach nur die Spuren eines verschwundenen Mädchens zurückzuverfolgen, bemerken auch alle anderen auf der Suche nach Cat, dass da 2 ahnungslose Privatdetektive in ihren Weg geraten und setzen sich zum Ziel, die beiden aus dem Weg zu räumen. Doch die sind mehr als hartgnäckig und finden nicht nur Catalina, sondern stellen sich ihres ersten Falls und der Liebe Willen der folterspezialisierten Killerin Helen (Janet McTeer), um Cats Leben zu retten. Und dieser Vorgang bringt für jeden Beteiligten die ein oder andere Überraschung mit sich.
Das Cast- der Einzelgänger+der Extrovertierte+die Exhibitionistin+die bewährte Killerin
Vor allem die Darbietung von englischer Laurence-Oliver-Theatre-Award-Gewinnerin Janet McTeer ist es dabei, was "Cat Run" zum Filmerlebnis macht. So stellt sie sich durch souveräne Gefühlskälte und Ausdruckslosigkeit als perfekte Besetzung für die foltererfahrene Helen heraus, während sie dennoch einen gewissen Grad Sympathie in ihrer Darstellung wahrt. Daneben glänzt Paz Vegas ("Spanglish") als emotionsgeladenes, sexy Sinnbild einer unabhängigen, hochverzweifelten Mutter. Was "Cat Run" dabei die besondere Dosis Humor liefert, dürfte schließlich vor allem die perfekt satirische Darbietung des komödienerfahrene Alphonso McAuley (Nim's Island) als Julian sein. Dass Scott Mechlowicz als Anthony sich weder mit situativer Komik noch mit der fortschreitenden Entwicklung seines Charakters schwer tun sollte, dürfte er durch Projekte wie "Eurotrip" klar gemacht haben. So zweifelt man keinen Moment, dass er "der Einzelgänger" ist, der nach Europa kam, um seiner Familie zu entfliehen. Doch ist "Cat Run" nicht das Projekt seiner Karriere, in dem er sich am meisten beweisen durfte-vielleicht deswegen, weil durch straffe Handlung und Einführung von etlichen Charakteren ein Stückchen Platz fehlte, um die eigentlich geplanten, teils dramatischen Hintergründe seines Charakters im Plot zu entfalten und ihn die Vollen seines Könnens ausspielen zu lassen. Dennoch liefert Mechlowicz am Ende treffsicher genau das, was "Cat Run" noch fehlte und von ihm verlangte zu sein.
Die filmerische Umsetzung- Comicelemente + Smash Cuts + Splitscreens + Freeze Frames
Dass die Lleju-Produktion als besonderes Projekt eine dementsprechend differnzierte Umsetzung auf filmerischer Seite verlangte, versteht sich von selbst. Gerade durch die Vielzahl an Charakteren und mit ihnen Einzelhandlungssträngen dürfte die Gefahr hoch sein, den Zuschauer mit der Story zu verwirren und aus einer guten Idee ein chaotisches, unverständliches Endprodukt zu kreieren. Doch das Gegenteil ist der Fall. So helfen Splitscreen und Freeze Elemente, den Faden zu halten und nicht den Überblick zu verlieren. Zudem ermöglicht die comichafte Einführung der Charaktere ein leichteres Kennenlernen von Personen und Hintergründen, während der gesamte Film dabei gleichzeitig in einen Hauch Street und Satire getunkt wird. Die Eigendynamik des Plots und die sich überschlagenden Ereignisse spitzen sich in schnellen Smash Cuts und aufstachelnden Inter Cuts zu, sodass der Zuschauer versteht, was er sieht und trotzdem keinen Augenblick ruhig sitzt, weil er nicht nur durch Plot sondern zeitgleich durch Schnitttechnik mit in die Energetik des Streifens gerissen wird.
So ist "Cat Run" eine rasante, mitreißende und adrenalingeladene Erfahrung. In diesem Sinne- „Wünschen Sie noch einen stillen Moment?“ – dann sollte der lieber eingeplant werden, bevor der Film startet, weil "Cat Run" von Minute 1 bis Minute 102 einem ruhe-, end- und schirmlosen Fallschirmsprung gleicht.
Quellen
http://www.catrunmovie.com/#/home
