DVD-Kritik: JUNO

Von Sodbrennen und Erwachsen werden

Preisgekrönte Filmkomödie über ein 16-jähriges Mädchen, das trotz ungewollter Schwangerschaft die richtige Entscheidung trifft und einen mutigen Weg einschlägt.

Abgegriffene Teenie-Komödien mit matt aufgebrezelten Stories gibt es massenhaft. Mit “Juno” beweisen Drehbuch-Debütantin Diablo Cody und Jung-Regisseur Jason Reitman, der zuletzt mit der Raucher-Satire „Thank You For Smoking“ auf sich aufmerksam machte, dass ein Coming-Of-Age-Film auch originell und geistreich sein kann.

Das Drehbuch zu "Juno" hat voll eingeschlagen

Während Diabolo Cody ihr Erstlingsdrehbuch “Juno” schrieb, verdiente sie ihr Geld mit Telefonsex und als Schadensreguliererin bei einer Versicherung. Seitdem hat sie weitere Drehbücher zu Papier gebracht und vermutlich wird sie noch einige mehr ihn ihrer noch jungen Autorenlaufbahn verfassen. Doch da sich “Juno” allein schon in den USA zu einem Kassenknüller gemausert hat und sogar mit einem Oscar für das beste Drehbuch geadelt wurde, bleibt ihr erstes Werk sicher immer etwas besonderes für Diabolo Cody. Und genau darin liegt die Gemeinsamkeit der Autorin mit ihrer Titelheldin. Auch bei der 16-jährigen Juno McGuff hat nämlich das “erste Mal” voll eingeschlagen. Nach dem spontanen ersten Sex mit ihrem gleichaltrigen Kumpel Paulie Bleeker, diagnostizieren ihr zahlreiche Tests einen für sie denkbar ungünstigen Befund: schwanger!

Die Suche nach Lösungen: Die erst 16-jährige Juno ist schwanger

Geschockt von dieser Feststellung führt der erste Weg gleich in die Abtreibungsklinik. Doch als sie von einer protestierenden Abtreibungsgegnerin darüber belehrt wird, dass so ein Fötus bereits über Fingernägel verfügt, beschließt Juno das Kind doch auszutragen. Nur aufziehen möchte sie das Baby nicht und so macht sich der pragmatische Teenager fortan auf die Suche nach geeigneten Adoptiveltern.

Durch eine Zeitungsanzeige in einem lokalen Anzeigenblatt wird sie auf das charmante Yuppie-Ehepaar Mark und Vanessa aufmerksam. Die beiden sind reich und schön, sie bewohnen ein schickes Haus in der Vorstadt, sind sympathisch und wünschen sich nichts sehnlicher als ein Kind zu adoptieren. Sie scheinen das perfekte Elternpaar für Junos ungeborenes Baby zu sein. Doch bald zeigen sich Risse in der allzu makellosen Familienidylle...

Authentisches Züge verleihen dem Film Glaubwürdigkeit

Diabolo Cody hat als Jugendliche erlebt, wie eine Mitschülerin an der Highschool schwanger wurde und sich dazu entschloss, das Kind auszutragen und zur Adoption freizugeben. Jason Reitman wurde als Zwölfjähriger mit der Entscheidung seiner Eltern konfrontiert, ein Kind adoptieren zu wollen. Vielleicht sind diese persönlichen Erfahrungen der Grund dafür, dass “Juno” in jeder Sekunde absolut glaubwürdig wirkt. Einen ebenso erheblichen Anteil an der Authentizität des Films, tragen zweifelsohne die durchweg hervorragenden Schauspieler. Vor allem die hinreißende Hauptdarstellerin Ellen Page besticht mit außergewöhnlicher Präsenz und Natürlichkeit, wofür sie auch mit einer Oscar-Nominierung bedacht wurde.

Alles in allem ist “Juno” eine unterhaltsame, mit scharfzüngigen Dialogen und geistreichen Humor gespickte Komödie, die auch viel Tiefe an den Tag legt. Intelligent und einfühlsam, eingebettet in einen chilligen Soundtrack, wird der Weg eines Teenagers zu innerem Wachstum und persönlicher Reife nachgezeichnet.

COB, Christine Satzl

Christine Satzl - Christine Satzl ist Wirtschaftsfachwirtin und Fachjournalistin in München. Hauptsächlich schreibt sie über Kunst & Kultur, ...

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