E-Books ohne Reader lesen - aber wie?

Bequemes Lesen: E-Book auf dem iPad - Wilhelm Ruprecht Frieling
Bequemes Lesen: E-Book auf dem iPad - Wilhelm Ruprecht Frieling
Das Interesse an E-Books wächst, und überall taucht die Frage auf, wie Elektro-Bücher überhaupt gelesen werden können. Das ist tatsächlich kinderleicht.

Die Vorgänger der heutigen E-Books wurden im PDF-Format abgelegt. Dieses Format (PDF = Portable Document Format, auf deutsch etwa transportables Dokumentenformat) wurde 1993 in den Markt eingeführt und gilt weltweit als Standard. PDFs können plattformunabhängig mit dem Acrobat-Reader gelesen werden, den es kostenfrei im Netz gibt und der sich inzwischen wohl als Grundausstattung auf jedem Computer findet.

Lesekomfort durch dynamischen Umbruch

Größter Nachteil des PDF ist, dass die einmal gespeicherten Seiten starr sind. Für das komfortable Lesen umfangreicher Texte, also von Büchern, Broschüren und Zeitschriften, ist hingegen ein dynamischer Seitenumbruch erforderlich. Dynamischer Umbruch bedeutet, dass die Textzeilen abhängig von einer individuell eingestellten Schriftgröße jeweils neu umbrochen werden. Damit können Texte ohne umständliches Hin- und Herschieben (Scrollen) auf unterschiedlich großen Bildschirmen gelesen werden.

Größtmöglichen Lesekomfort bieten Reader genannte Lesegeräte. Amazon veröffentlichte Ende 2007 mit dem Kindle den ersten kommerziell durchsetzbaren Reader. Dieser bietet neben dem dynamischen Umbruch der Texte den Vorteil der direkten Internetanbindung an den Amazon-Shop, den inzwischen größten Buchladen der Welt. Anno 2009 brachten weitere Großkonzerne wie Sony eigene E-Book-Reader auf den Markt. Jeder dieser Lesegeräte favorisiert andere Formate, um Kunden zu binden.

Amazons Kindle-Reader

Marktführer Amazons Kindle-Reader ist ein Gerät in Buchform, das inzwischen in dritter Generation als Kindle 3 erhältlich ist. Das Lesegerät basiert auf elektronischem „Papier“, das ohne Hintergrundbeleuchtung auch bei Lichteinfall gut gelesen werden kann. Die Schriftgrößen sind veränderbar, die jeweiligen Layouts der Bücher und Zeitschriften passen sich dynamisch dem Schriftgrad an. Bilder sind in 16 Graustufen darstellbar, es können auch Audio-Files gehört werden. „Zugeklappte“ Bücher werden automatisch an der zuletzt geöffneten Stelle wieder geöffnet. Es ist möglich, Lesezeichen zu setzen, Notizen hinzuzufügen und unbekannte Worte sofort im Duden oder anderen Wörterbüchern nachzuschlagen

Beim nur 8,5 Millimeter dicken und 241 Gramm leichten Kindle 3 besticht neben dem Display vor allem die enorme Akku-Laufzeit. Es können laut Hersteller rund zehntausend Buchseiten gelesen werden, bevor eine Aufladung erforderlich ist. Viele Nutzer sind nach eigenem Bekunden noch nie bis zum Akku-Ende gekommen und wissen nicht, dass irgendwann einmal eine Aufladung erforderlich ist.

Platz für eine riesige Bibliothek

Im internen 4GB-Flash-Speicher können bis zu 3.500 Bücher abgelegt und an jedem Ort der Welt netzunabhängig gelesen werden. Der Nutzer verfügt damit auf kleinstem Raum über genügend Platz für eine riesige Bibliothek. Ob im Flugzeug, in der Bahn, im Hotel, am Strand, daheim, am Arbeitsplatz oder wo auch immer: Alle Bücher, die interessieren, sind stets griffbereit. Über eine eigene drahtlose Schnittstelle können zudem neue Bücher oder Updates per WLAN ohne zusätzliche Verbindungskosten auf den Kindle geladen werden.

Der Kindle 3 wird von Amazon aktuell ab € 139 angeboten. Geplant ist eine Geräteversion für den deutschen Markt, die deutlich unter 100 Euro liegen dürfte, sofern der User gelegentliche Werbeeinblendungen akzeptiert. Die Senkung des Preises der Hardware und der daraus resultierende Umsatzsprung wird wesentlich das Tempo der Akzeptanz von E-Books mitbestimmen.

Über die Verbreitung des Kindle gibt es höchst unterschiedliche Schätzungen. Nachdem 2009 etwa 2,4 Millionen Kindle verkauft wurden, war 2010 das bisher erfolgreichste Jahr im Hardwareverkauf. Die Zahl dürfte also wesentlich höher liegen. Seit dem Kindle 3 sind die Verkäufe weiter nach oben geschnellt. Bloomberg hält es für möglich, dass allein im Jahre 2010 rund acht Millionen Lesegeräte verkauft wurden. Geht man vorsichtig von rund 6.000.000 Kindle-Readern aus, ist Amazon weltweit ganz weit vorn bei den Lesegeräten und hat den Wettbewerb um Längen abgehängt.

E-Books ohne Reader lesen

Die tatsächliche Zahl der Kindle-Lesegeräte ist allerdings nur noch marginal interessant. Um E-Books lesen zu können, ist nämlich überhaupt kein Kindle mehr erforderlich. Mittels einer kostenlosen Kindle-App sind die elektronischen Bücher ebenso auf allen anderen Plattformen lesbar. Dazu zählen Mac- und Windows-Computer, Android, iPhone, iPad und iPod touch, Blackberry sowie Windows Phone 7. Der zusätzliche Nutzen der Gratis-App liegt darin, dass Bilder (etwa beim iPad) auch farbig dargestellt werden (sofern der Herausgeber sie farbig angelegt hat) und eingebaute Links direkt angeklickt werden können. Geladen wird die kostenlose Anwendung über Amazon.

Selbst auf Linux lässt sich über einen Umweg die Kindle-App nutzen: Zuerst wird die Windows-App WINE installiert, danach die Kindle-App für Windows. Mac-User mit Linux gehen den Umweg über das Programm DARWINE und erhalten damit den kostenlosen Zugriff. Im Netz finden sich genaue Anleitungen für die Vorgehensweise.

E-Books sind Entdeckungsreisen

Amazon bietet derzeit mit rund einer Million verschiedener Titel den weltweit umfangreichsten E-Book-Bestand. Neben tausenden Gratis-Büchern aus verschiedenen Projekten gibt es inzwischen bereits mehr als 25.000 deutschsprachige Titel, darunter internationale Bestseller-Romane, Fachbücher und Ratgeber. Besonders spannend am E-Book-Markt sind Bücher neuer Autoren, um die sich sonst niemand im Verlagswesen kümmert. Hier können die Stars am Bücherhimmel von morgen zum Schnäppchenpreis entdeckt werden.

Andere Anbieter, wie Apples iBook-Store, halten ebenfalls eigene kostenlose Lese-Apps zum kostenlosen Download bereit. Allerdings besteht noch keine Möglichkeit, ein erworbenes Buch des einen Anbieters auch mit der Lese-App des anderen Anbieters zu betrachten. Jeder hat sein eigenes Format und versucht damit, Kundenbindung (sprich: Abhängigkeit) zu erzeugen. Für Verlage bedeutet dies, alle Bücher in unterschiedlichen Formaten für jeden Anbieter bereitstellen zu müssen. Es dürfte dabei nur eine Frage der Zeit sein, bis sich unter dem Druck von Verlagen, Autoren und Lesern E-Book-Standards vereinheitlichen. Dabei hat derzeit der offene Standard EPUB die besten Chancen, sich durchzusetzen.

Vom Autor gibt es zahlreiche E-Books, darunter auch den Ratgeber „Wie veröffentliche ich ein Buch auf Amazon.de? Oder: Kindle für Autoren“

Wilhelm Ruprecht Frieling, © Wilhelm Ruprecht Frieling

Wilhelm Ruprecht Frieling - Wilhelm Ruprecht Frieling aka Prinz Rupi ist seit 40 Jahren als Autor und Verleger aktiv. Er veröffentlichte in deutschen und ...

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