E. coli-Symptome: Magen-Darm-Infektion mit Durchfall am 26.9.2011

E. coli (2010 und 2011): In Deutschland insgesamt 5.293 Fälle - Dr. Gerald Albach
E. coli (2010 und 2011): In Deutschland insgesamt 5.293 Fälle - Dr. Gerald Albach
Nicht nur EHEC verursacht Magen-Darm-Entzündungen mit Bauchweh und Übelkeit. Für fünf weitere E. coli-Stämme meldet das RKI 193 neue Fälle für die KW 35.

Ein Escherichia coli-Stamm namens EHEC ist im Jahr 2011 in aller Munde und Medien, doch Jahr für Jahr erkrankten in Deutschland bisher wesentlich mehr Menschen an fünf weiteren krankmachenden Kolibakterien-Stämmen: Das Robert Koch-Institut (RKI) fasst diese Darmerreger unter dem Namen E. coli-Enteritis (Darmentzündung) zusammen und meldete am 26. September 2011 im Epidemiologischen Bulletin Nummer 38 ganze 193 Neuerkrankungen für die Kalenderwoche (KW) 35. Dies sind gegenüber der Kalenderwoche 34 zwei E. coli-Fälle weniger. Die ostdeutschen Flächenbundesländer liegen klar an der Spitze der Neuerkrankungen in Deutschland (siehe Inzidenz-Grafik).

Sechs E. coli-Stämme sind im Magen-Darm-Trakt auf Kriegspfad

Das gramnegative Bakterium Escherichia coli (E. coli) ist bei uns Menschen normalerweise ein harmloser und wichtiger Bewohner unserer Darmflora, doch einige coliforme Bakterien-Stämme haben als krankmachende Pathogene das Kriegsbeil gegen unseren Magen-Darm-Trakt ausgegraben: Das RKI unterscheidet dabei den coliformen Bakterien-Stamm EHEC (Entero-Hämorrhagische Escherichia coli) von fünf weiteren Bakterien-Stämmen: Hier gibt es diffus-adhärente E. coli (DAEC), enteroaggregative E. coli (EAggEC), enteroinvasive E. coli (EIEC), enteropathogene E. coli (EPEC) und enterotoxische E. coli (ETEC).

Mittlerweile 5.293 Magen-Darm-Erkrankungen durch E. coli in Deutschland

Seit Anfang des Jahres 2011 infizierten sich 5.293 Menschen in Deutschland mit den krankmachenden E. coli-Stämmen, gegenüber dem Jahr 2010 werden dem RKI deutlich mehr Neuerkrankungen gemeldet. Allerdings gab es im gleichen Zeitabschnitt zum Vergleich 4.331 EHEC-Fälle, aber 49.181 gemeldete Campylobacteriosen und 15.764 Salmonellosen. Die Gesundheitsbehörden der Bundesländer übermittelten dem RKI für die KW 35 folgende diagnostisch bestätigte E. coli-Erkrankungen: In Baden-Württemberg 10 neue E. coli-Fälle, in Bayern 13 E. coli-Fälle, in Berlin und Brandenburg je 10 E. coli-Fälle, in Bremen keinen E. coli-Fall, in Hamburg 2 E. coli-Fälle, in Hessen 9 E. coli-Fälle, in Mecklenburg-Vorpommern 20 E. coli-Fälle, in Niedersachsen 23 E. coli-Fälle, in Nordrhein-Westfalen 20 E. coli-Fälle, in Rheinland-Pfalz 9 E. coli-Fälle, im Saarland 2 E. coli-Fälle, in Sachsen 29 E. coli-Fälle, in Sachsen-Anhalt 22 E. coli-Fälle, in Schleswig-Holstein 2 E. coli-Fälle, sowie in Thüringen 12 E. coli-Fälle.

In Ostdeutschland sind E. coli-Entzündungen am häufigsten

Die kumulative Inzidenz beschreibt als epidemiologische Maßzahl, wie viele Neuerkrankungsfälle durch E. coli pro 100.000 Einwohner auftreten (siehe Inzidenz-Grafik): In Baden-Württemberg gibt es 2 E. coli-Krankheitsfälle pro 100.000 Einwohner, in Bayern 5 E. coli-Fälle, in Berlin 11 E. coli-Fälle, in Brandenburg 9 E. coli-Fälle, in Bremen einen E. coli-Fall, in Hamburg 7 E. coli-Fälle, in Hessen 2 E. coli-Fälle, in Mecklenburg-Vorpommern 22 E. coli-Fälle, in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen jeweils 6 E. coli-Fälle, in Rheinland-Pfalz und im Saarland je 4 E. coli-Fälle, in Sachsen 13 E. coli-Fälle, in Sachsen-Anhalt 18 E. coli-Fälle, in Schleswig-Holstein 3 E. coli-Fälle, sowie in Thüringen 17 E. coli-Fälle pro 100.000 Einwohner.

E. coli-Symptome – Bauchschmerzen, Durchfall und Übelkeit

Die E. coli-Stämme werden vor allem durch verunreinigte Lebensmittel übertragen: Besonders betroffen sind in Deutschland Säuglinge und Kinder bis zum Alter von 10 Jahren. Nach einer Inkubationszeit von etwa 12 bis 72 Stunden treten die typischen Symptome einer Magen-Darm-Erkrankung auf – die großen und kleinen Patienten erleiden krampfartige Bauchschmerzen, meist aber nur einen breiigen bis wässrigen Durchfall und Übelkeit. ETEC-Erreger können bei einer Reisediarrhoe allerdings auch einen wässrig-blutigen Durchfall auslösen.

Symptomatische Therapie und Antibiotika-Therapie

Normalerweise verläuft eine E. coli-Erkrankung ohne Komplikationen, bei Durchfall wird bei gesunden Menschen ohne Grunderkrankungen der Flüssigkeits- und Elektrolytverlust durch eine symptomatische Therapie ausgeglichen: Hier gibt es so genannte orale Rehydrierungsslösungen (ORL) mit Kalium, Natrium, Traubenzucker und Zitronensäure. Bei schweren Erkrankungsverläufen werden zur Therapie auch Antibiotika eingesetzt, zum Beispiel Ampicillin oder Fluorchinolon.

Weitere Informationen & Literatur

Das Epidemiologische Bulletin (Epid. Bull.) Nummer 38 vom 26. September 2011 finden Sie auf der Homepage des Robert Koch-Instituts (RKI), dort ist auch die Datenbank SurvStat mit den Daten aller Kalenderwochen.

Prof. Dr. med. Wolfgang F. Caspary, Prof. Dr. med. Manfred Kist, Prof. Dr. oec. Dr. med. Jürgen Stein (Herausgeber, 2006): Infektiologie des Gastrointestinaltraktes. Springer Medizin Verlag, Heidelberg.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat – zum Beispiel durch einen Arzt oder Apotheker – nicht ersetzen kann!

Dr. Gerald Albach, Dr. Gerald Albach

Dr. Gerald Albach - Schreiben macht Spaß: mit Licht und mit Worten! Damit ich weiß, worüber ich schreibe, habe ich als Diplom-Biologe in der ...

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