
- Rapsfeld an der Straße - Monika Hermeling
Nach den Osterfeiertagen 20011 kam es zu Engpässen beim Tanken, weil viele Autofahrer in Deutschland den Biotreibstoff E10 boykottieren und Superbenzin an zahlreichen Tankstellen ausverkauft ist. Die Debatte um die Einführung des Biokraftstoffes E10 ist vom April 2011 bis zum Dezember, emotionsgeladen. Der Biowissenschaftler Prof. Eckhard Boles von der Goethe Universität Frankfurt bezeichnet die Diskussion sogar als irrational. Er gibt die Schuld an den Fehlern bei der Einführung von E10 Anfang des Jahres 2011 der Automobilindustrie und der Politik. Die Weitergabe der Informationen, was der Biokraftstoff ist und warum seine Verwendung günstig für das Ökosystem und die Verbraucher ist, war lückenhaft und unsensibel. Auch die sensationslüsterne Panikmache in den deutschen Medien wird von ihm angeprangert. Die Methode des Wissenschaftlers Boles, Biosprit aus Pflanzenabfällen zu gewinnen, hat den Vorteil, dass sie nicht in Konkurrenz zur Produktion hochwertiger Nahrungsmittel, wie Mais oder Zuckerrohr, tritt. Damit die Gewinnung von Biosprit aus Pflanzenabfällen im industriellen Maßstab weiter entwickeln werden kann, hat Prof. Boles zusammen mit Dr. Gunter Festel die privat finanzierte Firma Butalco gegründet. Interessant sind auch Untersuchungen darüber, ob Biodiesel, Benzin oder Urin Kraftstoff der Zukunft ist.
Professor Boles nennt fünf Gründe zur Einführung von Super E10
- Bioethanol hat eine positive Klimabilanz, weil in Deutschland Bioethanol nach den EU-Nachhaltigkeitsvorschriften zertifiziert sein muss und gegenüber Benzin etwa 50 Prozent des klimaschädlichen Gases CO2 eingespart werden. Die Einsparung könnte sich auf bis zu 90 Prozent steigern.
- Die Gewinnung von Bioethanol ist ökologisch vertretbar, weil die dafür erforderlichen Pflanzen auf überschüssigen Ackerflächen wachsen.
- Bioethanol macht unabhängig von fossilen Brennstoffen. Angesichts politischer Unruhen in den Öl produzierenden Staaten geben lokale und dezentralisierte Produktionsstätten von Kraftstoffen eine größere Planungssicherheit und Preisstabilität.
- Die Produktion von Bioethanol nützt Bauern in Deutschland und schafft Arbeitsplätze.
- Bioethanol schont die Reserven fossiler Brennstoffe
Boles tankt nach eigenen Angaben in seinem eigenen Wagen seit Jahren Biosprit mit einem Bioethanolanteil von über zehn Prozent. Er verweist auf die guten Erfahrungen die in Brasilien, den USA und in Schweden mit Biosprit, dass eine höhere Beimischung von Ethanol im Benzin hat, hin. In Brasilien, so Boles, ist die Beimischung höher als zehn Prozent und Schäden an Motoren oder Dichtungen wurden nicht festgestellt. In den USA beträgt der Ethanolanteil seit Anfang 2011 schon 15 Prozent und die Autos, die mit den gleichen Motoren wie deutsche Autos fahren und E15 tanken, haben keine Probleme. Aus diesen Gründen führt Professor Boles die Reaktion der Verbraucher in Deutschland auf eine Fehlinformation zurück. Verärgerte Verbraucher fordern für E5 einen Bestandsschutz.
Professor Boles macht Vorschläge zur Einführung von Biosprit
Bis zum Jahr 2018 will Schweden vom Mineralöl unabhängig sein. Dort wird der Treibstoff E 85 von den Verbrauchern gut angenommen und der Vertrieb vom vom Staat gefördert. Professor Boles ist davon überzeugt, dass auch in Deutschland, wenn Biosprit auch hier staatlich effektiver gefördert würde, in fast allen Autos gefahren werden könnte. Es wären bei E 85 nur geringe Umrüstmaßnahmen zu erbringen. Um den Entscheidungsdruck von den Autofahrern zu nehmen, müsste, so Boles, die Wahl zwischen normalem Benzin oder E85 bleiben und der Mehrverbrauch von zehn Prozent bei E10, das eine geringere Energiedichte als Benzin hat, von den Mineralölgesellschaften ausgeglichen werden. Hier eine Liste des ADAC welche Autos Biosprit vertragen und warum er teurer ist. Autofahrer können, so der ADAC, im Zusammenspiel von Biodiesel und Leichtlaufmotoröl, Geld sparen.
Quelle: Prof. Eckhard Boles, von der Goethe-Universität Frankfurt am Main
im Dezember 2011 neu überarbeitet.
