EA Sports FIFA 10

Spieltest: Das neueste EA-Fußballspiel für PS3, Xbox360 und PC

FIFA 10 Packshot - Matthias Sandlos
FIFA 10 Packshot - Matthias Sandlos
Über 1,7 Millionen verkaufte Exemplare in der ersten Woche. Wir klären auf, ob der Hype um FIFA 10 berechtigt ist.

Unter tosendem Applaus läuft der Spieler auf das Tor zu, schlägt einen Haken, lässt den Verteidiger ins Leere laufen und zieht ab. Der Ball fliegt einen Bogen wie eine Zugschwalbe im Sommer, dreht sich vom Torwart weg und schlägt im Winkel ein. Die Menge explodiert, schwenkt farbenfrohe Fahnen und wirbelt Konfetti durch die Luft. FIFA 10 sieht beeindruckend aus. Aber kann das Spiel auch spielerisch an den hochgelobten Vorgänger anschließen?

Die Wiedergeburt der FIFA-Serie

Seit 1993 ist die FIFA-Serie auf dem Markt und damit eine der langlebigsten und konstantesten im Computer- und Videospielezirkus. Über die Jahre brachte der jährliche Update-Zyklus und das Bestreben, mit der neuesten Computertechnologie mitzuhalten, nicht nur Spieleperlen hervor. Vor allem der 2007er Teil der Serie sah sich massiver Kritik ausgesetzt. Zu sehr hatte sich das Spiel von der Unberechenbarkeit eines echten Fußballmatchs entfernt. Vorberechnete Aktionen, immer gleiche Flugbahnen des Balls und ausrechenbare Torhüter hinterließen bei den Spielern den Eindruck, als würde das Geschehen auf Schienen ablaufen. EA musste sich etwas Neues überlegen und präsentierte mit FIFA 08 und FIFA 09 zwei rundum überarbeitete Sequel, die die Kritiker mit offenen Mündern zurückließen.

FIFA 10 setzt Maßstäbe in Sachen Realismus

In Sachen Spielmodi schließt FIFA 10 nahtlos an die beiden Vorgänger an. Dabei halten sich echte Neuerungen in Grenzen: Video-Tutorials im Hauptmenü, ein aufgemotzter Trainings- und Managermodus sowie die Möglichkeit, seinem Lieblingsspieler ein virtuelles Abbild aufs Gesicht zu tapezieren. Besonders hervorzuheben ist der bärenstarke Managermodus, in dem man seine Lieblingsmannschaft durch eine komplette Saison begleitet. Finanzen im Auge behalten, Talente suchen und auf dem Feld die Punkte einheimsen. Das verbesserte Transfer- und Gehaltssystem von FIFA 10 sorgt dafür, dass Spielerverkäufe sich an der Realität orientieren. So wird z.B. ein 100 Millionen Euro Spieler wie Ronaldo nicht zu Hoffenheim wechseln, was im 09er Teil durchaus an der Tagesordnung war.

Online eine Macht mit dem Virtual Pro Modus

Wer lieber online spielen möchte, findet auch hier eine Spielwiese voller Betätigungsmöglichkeiten. Freunde aus der PS3-Buddy-List herausfordern oder in der Liga gegen Spieler aus der ganzen Welt antreten – Spieler mit einer DSL-Leitung kommen voll auf ihre Kosten. Als besonderes Schmankerl wartet zudem noch der Virtual Pro-Modus auf angehende Ballkünstler. Hier steuert man nicht die ganze Mannschaft auf dem Feld, sondern nur einen Spieler. Einfach die Lieblingsposition auswählen und ein Match herauspicken. Das Spielgefühl, als Libero, Rechtsaußen oder Stürmer über den Platz zu traben ist vor allem mit Freunden ein echter Knaller.

Ribery & Co. sehen aus wie echt

Grafisch hat sich im Vergleich zu FIFA 09 nicht allzu viel getan. Hier ein paar Animationsphasen mehr, dort ein plastischerer Schattenwurf. Nach wie vor sieht das Spiel jedoch vor allem in der Nahaufnahme famos aus. Der Detailgrad geht soweit, dass sogar Muskelstränge an den Oberschenkeln und Knitterfalten in den Trikots sichtbar werden. Und dass Tonis gegeelte Haare genauso zur Geltung kommen wie die blonde Strohmähne eines Timoschtschuks ist selbstverständlich. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings. Der Rasen sieht in einigen Stadien aus wie ein unscharf geratener Riesenteppich und die dümmlichen Sprüche des Kommentatoren-Duos sorgen dafür, dass man diese schon nach kurzer Spielzeit im Optionsmenü auf stumm schaltet.

Spielerisch Pro Evolution Soccer ebenbürtig

Im spielerischen Bereich hat sich FIFA 10 wie schon die Vorgänger viel von seinem ewigen Konkurrenten Pro Evolution Soccer abgeschaut. Der Ball springt, wie man es sich von einem echten Ball erwartet, Pässe in die Spitze gehen leicht von der Hand und in der Abwehr benötigt man kein Glück mehr, um die Bälle abzuwehren, sondern Fingerspitzengefühl und gutes Timing. Neu ist das 360° Dribbling-System, mit dem man seine Spieler noch besser im Griff hat und mit den Analogsticks geschmeidig durch die gegnerischen Abwehrreihen navigiert. Negativ fällt schon nach wenigen Partien auf, dass Steilpässe fast immer ankommen und somit unverhältnismäßig viele 1:1 Situationen entstehen. Dass hierbei zudem der Torhüter fast immer mit einem Lupfer überlistet werden kann, ist nicht wirklich realistisch. Zudem sieht die Flugkurve von Flanken immer noch aus, als würde man eine Angelschnur mit einem Backstein in den Strafraum auswerfen. Solche Flugkurven hätte nicht mal Pierre Littbarski in seinen Fußball-Jubeljahren hinbekommen. Trotz aller Kritik: Wer ein starkes Fußballspiel mit Top-Präsentation, echten Lizenzen und einer Fülle von Spielmodi sucht, wird mit FIFA 10 glücklich werden.