1351 v. Chr. wurde er etwa im Alter von 22 Jahren als Pharao auf den ägyptischen Thron gesetzt: Amunhotep IV., besser bekannt unter dem griechischen Namen Amenophis IV., noch besser bekannt unter dem Namen Echnaton. Als 10. König der 18. Dynastie brach er mit den alten Traditionen und setzte nach und nach den bestehenden Glauben außer Kraft und ersetzte ihn durch eine völlig neue Art von Glauben - dem Glauben an nur einen einzigen Gott.
Der Weg auf den Thron
Unter dem ehemaligen Pharao Amenophis III. entfaltete sich der königliche Hof in Theben zu seiner stärksten Pracht. In diplomatischen Angelegenheiten bemühte der Herrscher sich um friedliche Lösungen mit den Nachbarvölkern. Als Bauherr war er neben anderen großen Bauwerken für den berühmten Tempel von Luxor verantwortlich. Noch während seiner Regierungszeit starb sein ältester Sohn und eigentlicher Thronfolger Thutmosis. So wurde der jüngere Sohn Amenophis mit etwa 15 Jahren zum Kronprinzen ernannt. Aus der Zeit vor seiner Krönung ist kaum etwas von Amenophis IV. überliefert, allerdings ist die Forschung sich einig, dass er bereits mit Nofretete verheiratet war, da das erste Kind der beiden bereits im ersten Regierungsjahr geboren wurde.
Noch wurden viele Götter verehrt
Ähnlich wie in den griechischen und römischen Kulturkreisen verehrten die Ägypter ein Vielzahl von Göttern. Große Gottheiten waren unter anderen der Sonnengott Re und Osiris, der Herrscher des Totenreichs. Seit Beginn des 2. Jahrhunderts v. Chr. stand an der Spitze der Reichsgott Amun. Sein Name bedeutet "der Unsichtbare" oder "der Verborgene", er war der Herr des Lebensodems und wurde auch als "Mächtigster der Mächtigen" bezeichnet. Götter konnten Verbindungen mit anderen Göttern eingehen, die auf bestimmte oder unbestimmte Zeit bestanden. Dabei wurden die Namen der Götter aneinandergereiht, so beispielsweise Amun-Re. Unter Amenophis III. zeigte sich eine vermehrte Verehrung für die göttliche Verbindung des Amun-Re, wobei die anderen Götter aber nicht vernachlässigt wurden. Die Verehrung vieler Götter - der Polytheismus - hatte eine tief verwurzelte Tradition in der ägyptischen Gesellschaft.
Die erste Regierungszeit von Amenophis IV.
Der Regierungswechsel vollzog nach den üblichen Traditionen, Amenophis IV. wählte ähnliche Regierungsnamen wie sein Vater, so zum Beispiel "Sohn des Re". Obwohl er anfänglich alles beim Alten beließ, wurde schon sehr früh eine Distanz zu Amun spürbar: Seine Tochter, die im 1. Regierungsjahr geboren wurde, nannte er "Meritaton" - "Liebling des Aton", das erste Bauwerk seiner Regierungszeit war ein Tempel in Karnak, welcher der Verehrung von "Re-Harachte-Aton" als Erscheinungsform der Tagessonne dienen sollte. Die Bezeichnung "Aton" existierte schon seit etwa 2000 v. Chr. und meinte die Sonne als Himmelskörper, als Sonnenscheibe.
Hinwendung zu einem einzigen Gott
Besonders hervorzuheben ist, dass Aton als Gott vorher nicht bekannt war, als solcher wurde er erst von Amenophis IV. ins Leben gerufen. Für ihn war Aton das Licht, als Schein der Sonne war er der Herrscher über die Welt und brauchte dabei weder Freunde noch Feinde. Aton sprach zu den Menschen allein durch seinen Verkünder und Propheten Amenophis IV. Im 3. und 4. Regierungsjahr entstand der damals größte sakrale Bau der Welt: "Per-Aton" - "das Haus des Aton" hatte keinerlei dunkle Räume, wie es in Tempeln üblich war, stattdessen war überall Licht, Aton sollte allgegenwärtig sein. Die Dekoration des Tempels zeigte eine völlig neue Kunstrichtung, die Figuren waren seltsam geschwungen und verzerrt. Die Selbstdarstellung des Herrschers hob sich extrem von den vorangehenden ab: Nicht stark und kräftig, sondern in beinahe weiblicher Form zeigte sich Amenophis IV. durch die Strahlen der Sonne stets in direkter Verbindung zu Aton. Aus dieser Zeit sind Anordnungen wie: "Achte auf Gottesopfer des Aton" überliefert. Aton wurde den anderen Göttern vorgezogen, was aber noch nicht weiter ungewöhnlich war.
Radikale Veränderungen
Im 4. oder 5. Regierungsjahr plante der Herrscher eine neue Hauptstadt zu bauen. In dem unbebauten Wüstengebiet Tell-el-Armana zwischen Kairo und Luxor entstand so innerhalb kürzester Zeit die riesige Stadt "Achetaton" - "Horizont des Aton". Wie viele Arbeiter bei sengender Hitze ihr Leben lassen mussten, um die zahlreichen Tempel und den überdimensionalen königlichen Palast auf dem weiten Areal fertigzustellen, ist nicht überliefert, aber es werden unzählige gewesen sein. Amenophis IV. vollzog nun einen in der Geschichte bisher einzigartigen Schritt: Er änderte seinen Geburtsnamen von Amunhotep - "Amun ist gnädig" - in Echnaton - "Strahl des Aton". Fortan sollte die neue Hauptstadt Achetaton das heilige Zentrum der Welt sein und das gesamte ägyptische Volk sollte ausschließlich Aton dienen.
Echnaton ließ verkünden: "Es gibt keinen außer Aton". Tempel im ganzen Land wurden geschlossen, die Namen der Götter wurden entfernt. Um den Namen des Amun auszulöschen, wurden ganze Kolonnen von Steinmetzen durch das Land geschickt, sogar in Keilschriftbriefen wurde dessen Name ausgetilgt. Den Totengott Osiris schaffte Echnaton kurzerhand ab und setzte sich selbst an dessen Position - nur durch seine Gnade wurde ein Weiterleben nach dem Tod gewährleistet. Schließlich verbot Echnaton sogar die Pluralform "die Götter". Für die Bevölkerung bedeutete dies ein Bruch mit allem Bekannten, der neue, aufgezwungene Glaube schuf große Unsicherheit unter den Menschen.
Nach Echnatons Tod
Echnaton starb 1335 im 16. Regierungsjahr und wurde im königlichen Felsgrab von Achetaton beigesetzt. Er schaffte es nicht, über seinen Tod hinaus zu wirken: Der Atonkult klang ab, die Menschen kehrten zurück zu ihren vertrauten Göttern. Der Sohn und Nachfolger Echnatons änderte seinen Namen später von Tutanchaton in Tutanchamun und führte das Werk seines Vaters nicht fort. Die Stadt Achetaton wurde verlassen, Jahrtausende später wurde hier die berühmte Büste der Nofretete gefunden.
Quellen:
- Reeves, Nicholas: Echnaton. Ägyptens falscher Prophet. Mainz 2002.
- Schlögl, Hermann A.: Echnaton. München 2008.
