
- Echt skandinavisch? Lars Bolander erklärt es - Gerstenberg-Verlag
Was ist eigentlich "echt skandinavisch"? Dänische Stühle von Arne Jacobsen, schwedische Sommerhäuser in Falunrot, niedrige finnische Katen, rustikale, schiffsähnliche norwegische Blockhäuser – typische Beispiele skandinavischer Architektur und Wohnstile, die ihre Nachahmer und Freunde in der ganzen Welt haben. Das Wohndesign des hohen europäischen Nordens ist jedoch vielfältiger, bunter, älter und dementsprechend anregender, als man zunächst vermuten würde.
Ex-Chefin von House & Gardens schrieb Texte für Lars Bolander
Der international renommierte schwedische Wohndesigner Lars Bolander widmete dem Wohndesign aus Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland ein wunderschönes und zugleich informatives Fotobuch. Unterstützt wurde er bei diesem Projekt von Heather Smith Macisaac, früher Herausgeberin der Zeitschrift "House & Gardens", sie schrieb erläuternde Texte mit historischen und technischen Erklärungen zu den großformatigen Aufnahmen verschiedener Fotografen.
Typisch skandinavisch wohnen
Die Elemente der Natur – Kälte und Feuer, Dunkelheit und Licht, Wald und Wasser, Schnee, Eis und Sommerwiesen – prägen die Lebensweise der nordischen Völker südlich und nördlich des Polarkreises in besonderer Weise. Ihre Art zu bauen, zu wohnen, sich einzurichten wird davon seit Jahrhunderten beeinflusst. "Das Klima bestimmte das Design." Die Einleitung des Buches vermittelt einen Überblick über die Geschichte der pragmatisch handwerklichen und der gestalterisch raffinierten Architektur Skandinaviens seit ihren bäuerlichen Anfängen bis heute. Interessant ist dabei besonders die Frage, woher die Ästhetik der Nordmänner sich speist. Denn die isolierte Lage im Norden Europas mit den strengen, dunklen Wintern verdammte die Skandinavier keineswegs zu einsiedlerischer Nabelschau.
Chippendale und Chinoiserien
Bereits die Wikinger holten sich auf ihren Beutezügen Anregungen aus fernen Gebieten. Die Möbeltischler früherer Zeiten ließen sich durch Gestaltungsbeispiele von England bis China inspirieren, ohne ihr bodenständiges Selbstbewusstsein aufzugeben. "Bei aller Eleganz ist der gustavianische Raum doch bodenständig." Gold und Glitzer als Stilelemente überließ man lieber den Franzosen.
Alvar Aalto oder Marcel Breuer?
Auch im 20. Jahrhundert konnten neue Materialien wie Metall und Plastik dänische Designer und schwedische Gestalter nicht in der Ansicht beirren, dass Naturstoffe aus Holz in Wohnräumen dominieren sollten. Während die Bauhausdesigner Marcel Breuer und Ludwig Mies van der Rohe Freischwinger-Stühle aus Stahlrohr entwickelten, stellte der Finne Alvar Aalto eine eigene Variante aus Birken-Bugholz her, "eine weit größere technische Herausforderung", meint das Autorenteam Bolander und Smith Macisaak.
Organisch oder Bauhaus?
Die dänische Moderne blieb ihrem Prinzip, Gegensätze zu verbinden, bis heute treu. "In einem nordischen Haus fühlt man sich niemals durch Größe überwältigt, durch Überflüssiges bedrängt oder durch klinischen Minimalismus abgeschreckt." Die schrillen und die sanften Farben der nordischen Wohnstile ziehen sich als visuelle und thematische Richtschnur durch die Kapitel des Bildbandes von Lars Bolander und Heather Smith Macisaak über Außenarchitektur, Dielen und Treppenhäuser, Wohn- und Esszimmer, Küchen, Bade- und Schlafzimmer. Eingeschoben wurden informative Doppelseiten über besondere skandinavische Gestaltungselemente: Holzöfen, Stühle, Leuchten, Möbelanstrich, Standuhren aus der schwedischen Stadt Mora, Tellerregale und nordische Textilien.
Lars Bolander / Heather Smith Macisaac: Echt skandinavisch. Das Wohndesign des Nordens. Aus dem Englischen von Brigitte Beier. Mit mehr als 300 Fotografien. Gerstenberg Verlag 2010. Bildband, gebunden, 192 Seiten. 29,95 Euro
Über Lars Bolander selbst verfasst seine Co-Autorin ein eigenes Buch (nur in englischer Sprache, aber auch im deutschen Buchhandel erhältlich):
Heather Smith Macisaac: Lars Bolander's scandinavian Design. Vendome PR 2010. Gebunden. 191 Seiten. 29,35 Euro
