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Echte Männer stehen auf starke Mädchen auf dem Weg in die Technik

Starke Produktionstechnikerin im Ybbstal  - Wolfgang Strohmayer
Starke Produktionstechnikerin im Ybbstal - Wolfgang Strohmayer
Typische Berufe für Geschlechter gibt es nicht. Frau kann in der Werkstatt genauso gut ihren Mann stellen wie der Koch am Herd. Nur Machos sehen das anders.

„Trümmerfrauen“ – so nannte man die Frauen, die nach dem Zweiten Weltkrieg den Schutt der zerbombten Häuser wegräumten. Da die Männer vom Krieg nicht zurückgekehrt waren oder sich in Gefangenschaft befanden, waren Frauen LKW-Fahrerinnen, Kranführerinnen, als Schiffsbesatzung und sogar im Bergbau tätig. Mit der Rückkehr der Männer wurden sie aus dem Arbeitsleben in den Haushalt verdrängt – oder in typische „Frauenberufe“.

Barbara ist Automechanikerlehrling. Sie will ihr eigenes Geld verdienen, auch wenn sie einmal verheiratet ist. Ihr Chef ist nicht nur von ihrer Geschicklichkeit begeistert. „Mädchen bringen Schwung in die Arbeit“, sagt er, „weil die Burschen den Mädchen um nichts nachstehen wollen“.

Mädchen haben falsche Vorstellungen von technischen Berufen

Sarah hat als Produktionstechnikerin schon manchem männlichen Lehrling gezeigt, wie eine Arbeit zu erledigen ist. Einmal hätten zwei Burschen ein Rad von einem Stapler abmontieren sollen. Nach einer Stunde hatten sie es immer noch nicht geschafft: „Da bin ich hingegangen, und in fünf Minuten war die Arbeit erledigt.“ Die Burschen seien danach mit hochrotem Kopf dagestanden. „Mädchen haben falsche Vorstellungen von technischen Berufen, etwa dass man viel Kraft braucht“, meint Sarah. „Wenn ich eine schwere Kiste zu transportieren habe, nehme ich einen Kran.“

Auf die Frage, ob er weibliche Auszubildende habe, sagte ein Firmenchef entrüstet: „Aber wir sind doch ein Elektroinstallationsbetrieb!“ Das Argument, man könne schließlich alles lernen, ließ er nicht gelten. „Und wer trägt auf der Baustelle die Kabelrollen in den vierten Stock?“ Könnten dabei nicht einfach die starken Burschen helfen? „Nein, unser Beruf ist nichts für Mädchen.“ Basta.

Männliche Kunden reagieren positiv auf technisch versierte Mädchen

Marion Böheim ist Chefsekretärin in einem Handelsbetrieb für Autoersatzteile. „Bei uns werden keine Unterschiede zwischen Mann und Frau gemacht“, erzählt sie. Derzeit sind in ihrem Betrieb sieben Lehrlinge angestellt, fünf davon sind Mädchen. Sie müssen über tausende Teile verschiedener Automarken Bescheid wissen und sie aus endlosen Computerlisten heraussuchen – von der kleinsten Schraube bis zur Batterie. „Die vielen männlichen Kunden reagieren positiv auf unsere Mädchen, weil sie sofort merken, dass sie sich überall auskennen!“, sagt Frau Böheim stolz. Einige der Bewerberinnen hätten Mechanikerin werden wollen, aber die Eltern seien dagegen gewesen. Andreas Geierlehner von der Wirtschaftskammer Niederösterreich bestätigt: „Die Jugendlichen werden in ihren Vorstellungen von der Arbeit sehr stark von den Eltern geprägt, die oftmals an alten Rollenbildern von Mann und Frau festhalten.“

Eine Schuldirektorin ermutigt Mädchen zur Technik

Das heißt: Die verheiratete Frau arbeitet nur am häuslichen Herd, umsorgt die an der Schürze hängenden Kinder und wartet auf den Gatten, der das Geld heimbringt und seinerseits auf das warme Essen und die liebevolle, von der Plackerei im Haushalt gar nicht müde zärtliche Geliebte wartet. Wenn es hoch hergeht, darf die Tochter Frisörin, Verkäuferin oder Floristin werden. Mutter zu sein ist wichtig, Floristin ist sicher ein schöner Beruf – aber Mädchen können mehr!

Die Direktorin der Polytechnischen Schule Amstetten, Ulrike Schelberger, ermutigt ihre Schülerinnen und Schüler, einen anderen Weg zu gehen: „Die Kinder sollen sich nicht nur fragen ‚Was soll ich werden?’, sondern auch ‚Warum soll ich nicht als Bursche Frisör oder als Mädchen Schlosserin werden?’“ Dass die engagierte Direktorin damit Recht hat, zeigen die einstimmigen Aussagen ihrer Schülerinnen und Schüler: „Mädchen können Technik lernen, Burschen das Kochen!“ So tischlern die Mädchen im Praxisunterricht mit Begeisterung, während einige Jungen mit Nadel und Zwirn an einem Zierpolster nähen.

Lehrherren sollen den Jugendlichen mehr Chancen geben

Es fehle auch beiden Geschlechtern noch an Vorbildern in Berufen, die als „nicht typisch“ für ein Geschlecht gelten, meint Frau Direktor Schelberger. Es gibt eben immer noch viel zu wenige Mädchen als Automechanikerin oder Burschen als Schneider: „Die den Mut zu diesem Schritt gehabt haben, sollten viel mehr darüber reden.“ Die Lehrherren sollten den Jugendlichen ebenfalls mehr Chancen geben – anders als im vorhin erwähnten Elektroinstallationsbetrieb. Aber was heißt schon „nicht typisch“? Krankenpfleger Wolfgang vom Krankenhaus Waidhofen/Ybbs hat viele Kollegen, die aus technischen Berufen in den Pflegeberuf umgestiegen sind. Er selbst hat an der Fachschule Hallstatt Drechsler gelernt und ist heute im Pflegeberuf bereits doppelt diplomiert. Dabei sind die „pflegenden Hände“ noch immer überwiegend weiblich.

Nachwuchs-Modeschöpfer und Ingenieurinnen gesucht

Männer in „typischen Frauenberufen“ kann man aber leider immer noch an einer Hand abzählen. An der Privaten Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik in Salzburg gab es vor kurzem noch sieben Burschen neben 299 Schülerinnen. Ganz ähnlich sah es an der Höheren Lehranstalt für Mode in Hallein aus: sieben Nachwuchs-Modeschöpfer neben 235 jungen Designerinnen. Kein Wunder, dass diese Pioniere immer noch bestaunt werden wie exotische Vögel. Dabei gibt es laut einer Umfrage in Wien einen starken Wunsch nach einer Abkehr von „typischen“ Berufen für Frauen und Männer: Jeder zweite Befragte fände es gut, wenn in jedem Beruf gleich viele Männer wie Frauen arbeiten würden. Die meisten begrüßen männliche Kindergärtner und können sich gut Maschinenbau-Ingenieurinnen vorstellen. Es geht also nur mehr darum, dass sich die Jugend auf den Weg macht.

Wolfgang Strohmayer, Wolfgang Strohmayer

Wolfgang Strohmayer - Ich bin 1951 im Mostviertel im westlichen Niederösterreich geboren. Nach dem Besuch der Volks- und Hauptschule, wo Deutsch und ...

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