Eckhart Tolle, Vertreter des Buddhismus?

Eckhart Tolle - Liverquest.Blogspot-com
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Eckhart Tolle, einer der wichtigsten spirituellen Lehrer der Gegenwart, betont die Bedeutung von Präsenz und das Sein im Jetzt. Ist Eckhart Tolle Buddhist?

Geboren wurde Eckhart Tolle in Deutschland. Sein Studium hat er in London und Cambridge absolviert. Im Alter von 29 Jahren hat Tolle einen Zustand der spirituellen Transformation und absoluten Gegenwärtigkeit erreicht. Seitdem beschäftigt er sich mit Einzel- und Gruppenteachings und der Publikation seiner Erkenntnisse. Sein wesentlichstes Bestreben ist es, diese Inhalte zu verbreiten, um eine „neue Erde“ zu erschaffen.

Der Identifikation mit dem Verstand als „Hürde“

Die Identifikation mit dem Verstand ist für Tolle einer der wesentlichsten Gründe für Leidhaftigkeit, da durch kontinuierliches Denken vom tatsächlichen Ich abgelenkt wird. Das Kontrollieren der Gedanken und das Annehmen der Emotionen kann nur durch das Annehmen des Ich erreicht werden. Innere Zwiegespräche, ständiges Gedankenkreisen oder Zweifeln sind Produkte des Ego, das letzten Endes nichts mit dem Ich zu tun hat. Der Mensch ist laut Meinung von Tolle zu sehr mit seinem Denken identifiziert und erkennt nicht, dass er mehr ist als seine Gedanken und Emotionen.

Dieser Ansatz findet sich in der buddhistischen Lehre im Aspekt der Verblendung wieder. Das Nicht-Erkennen der Realität, nämlich dass Inhalte und Bewertungen letztlich nur Zuschreibungen sind, die jeder selber selektiert, ist in der buddhistischen Lehre Ausgangspunkt für das Leid. Das Ego, wie es Eckhart Tolle betont, ist dementsprechend nichts weiter als der Aspekt der Verblendung, der sich der Person bemächtigt.

Transformation durch Sein im Jetzt

Tolle erklärt in seinen Schriften und CDs, dass der Weg der Befreiung nur über die Beobachtung dessen, was gerade passiert, möglich ist. Die Transformationskraft liegt im Aspekt der Gegenwärtigkeit, dem Sein im Jetzt. Das Wahrnehmen und Registrieren von Gedanken ist nichts anderes als Vipassana, Klarsicht, die im (Theravada-)Buddhismus angestrebt wird.

Durch das Wahrnehmen von Stille durch das pure präsent Sein in diesem Moment wird aus dem Kreislauf des bewusstlosen Agierens ausgetreten. Wach und gegenwärtig zu sein wird vorwiegend durch den Gedankenfluss beeinträchtigt. Durch das Erkennen, dass dies schwierig ist und dass immer wieder beeinträchtigende oder sich wiederholende Gedanken auftreten, ist bereits ein wesentlicher Schritt getan. Jeglicher Automatismus oder jegliches Funktionieren auf Knopfdruck hat nichts mit dem puren Erleben des jetzigen Moments zu tun.

Das Nicht-Wollen der jetzigen Situation bringt Schmerz und Leid

Ausgehend von der Tatsache, dass jeder Kampf und das Negieren der bestehenden Situation Kräfte zehrt und Aufmerksamkeit bindet, plädiert Tolle für ein Annehmen vom dem, was ist. Je mehr Widerstand besteht, umso schmerzlicher wird die Situation wahrgenommen. Der Wunsch, dass die Situation nicht besteht, ändert nichts an der Tatsache, dass sie da ist. Hassgefühle oder andere negative Emotionen sollten dementsprechend als Teil der momentanen Ausgangslage akzeptiert werden.

Tolle betont die prinzipielle menschliche Ablehnung der Gegenwart. Alles, das nicht den persönlichen Wünschen entspricht, wird bekämpft oder mittels Ablenkung in den Hintergrund gedrängt. Beliebte Aktivitäten, um das zu erreichen sind der Konsum von Alkohol oder das Inszenieren von Zukunftswünschen zur Ablenkung von der unangenehmen Situation im Jetzt.

Auch hier fällt auf, dass Tolle auf das buddhistische Konzept zurückgreift: Die drei Geistesgifte sind Begierde, Hass und Verblendung. Der Wunsch nach einem glücklichen Leben ist ein jeglichem Wesen immanenter Wunsch, wird dieser jedoch nicht erfüllt, kommt es zu Hassgefühlen auf sich selbst, eine andere Person oder die Welt beziehungsweise das Universum im Gesamtzusammenhang. Tolle versucht dahingehend zu motivieren, dass nicht unmittelbar bewertet wird, um dadurch mehr Spielraum zu bekommen. Durch diese Entspannung, das Annehmen der derzeitigen Situation, kann Angst nicht bestehen bleiben, sondern wird sich diese auflösen.

Erleuchtete Beziehungen bei Tolle

Einen großen Raum nehmen die Beziehungen in Tolles Ausführungen ein. Er betont, dass Beziehungen üblicherweise früher oder später in Hass-Liebe-Beziehungen münden, da es genaue Vorstellungen gibt, wie etwas oder jemand zu sein hat. Tolle erklärt jedoch, dass Hass und Liebe immer beide da sind und auf eine Dysfunktionalität hinweisen.

Durch das Gefühl der anfänglichen Verliebtheit entsteht letztlich eine Abhängigkeit, dass diese Person für das persönliche Glücksgefühl notwendig geworden ist und damit einhergehend die Angst, diese Person auch wieder zu verlieren. Tolle weist darauf hin, dass Glück niemals in einer Beziehung gefunden werden kann, sondern dass der dadurch zwangsläufig erlebte Schmerz dazu dient, eine Verwandlung zu erreichen und ein Beenden des Dramas zur Folge haben sollte. Jede Person hat einen Schmerz, der ihr innewohnt, zum einen aus der persönlichen Geschichte, zum anderen auch aus einem gesellschaftlichen oder historischen Kontext heraus, gilt es den inneren eigenen Schmerz wahrzunehmen und zuzulassen, wodurch er letztlich heilen kann.

Fazit

Die Ideen und Ansätze Tolles sind ein probates Mittel buddhistische Ansatzpunkte lebenspraktisch anzugehen. Inhalte, die in buddhistischen Traditionen zu finden sind, hat Eckhart Tolle in einem sehr schlüssigen Konzept zusammengetragen und in eine gut lesbare und anwendbare Form gebracht. Die Bücher als auch Audio-Hörbücher ermöglichen es stetig, sich auch zum wiederholten Male mit den Themen zu befassen, die jeglichen Menschen berühren, ohne davon gelangweilt zu werden. Tendenzen, sich dem Lebensstrom zu widersetzen, werden aufgegriffen und für jeden Lebensbereich in gut verständlichen Worten erklärt. Es steht ohne Zweifel, dass Eckhart Tolle als einer der wesentlichsten spirituellen Lehrer der Gegenwart bezeichnet werden kann und soll.

Quellen:

Butler-Bowdon, Tom: Klassiker der Spiritualität. mvg Verlag. Heidelberg, 2006.

Stenek, Sonja Eliane: Das Prinzip der Leerheit im Buddhismus.

Stenek, Sonja Eliane: Der Theravada-Buddhismus – die Lehre der Älteren

Stenek, Sonja Eliane: Präsenz als Heilmittel – Glückseligkeit durch Sein im Jetzt

Stenek, Sonja Eliane: Vipassana-Meditation – ankommen im Jetzt

Tolle Eckhart

Tolle, Eckhart: Eine neue Erde. Bewusstseinssprung anstelle von Selbstzerstörung. Goldmann Arkana Verlag. München, 2005. 9. Auflage.

Mag. Sonja Eliane Stenek, Mag. Sonja Eliane Stenek

Sonja Eliane Stenek - Psychotherapeutin mit Schwerpunkt Psychosomatik, depressive Erkrankungen, Angststörungen, Begleitung in Krisen insbesondere bei ...

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