
- Filmplakat Eclipse - Concorde Filmverleih
Ach, wäre sie doch bei ihrer Mutter in Florida geblieben, „wo man das Vitamin D über die Haut aufsaugt“, wie diese meint. Aber das ist kein Ort für Vampire. Deswegen zieht es Bella Swan (Kristen Stewart), deren Eltern geschieden sind, auch bald zurück zu ihrem Vater: Der wohnt im Städtchen Forks im Staat Washington, also in der diametral entgegengesetzten Ecke des Landes, wo die regenfeuchten Wälder der Umgebung eine wahre Brutstätte für Blutsauger darstellen – und zwar nicht nur für die nette Sorte, zu der Bellas Beau Edward gehört. Edward Cullen (Robert Pattinson), der die zweite Folge „New Moon“ mit dem Satz „Heirate mich!“ beschloss, setzt in „Eclipse“ sein Werben um Bella unverdrossen fort. Wann wird sie ihn erhören?
Sie will, er nicht: Bellas Vampir hat immer noch Beißhemmungen
Nicht so schnell. Erst möchte Bella den Schulabschluss in der Tasche haben, und mit dem Heiraten hat sie es sowieso nicht eilig. Vielmehr möchte sie ihrem geliebten Vampir näher kommen, indem sie selbst einer wird. Oder wenigstens mit ihm ins Bett gehen. Aber Edward, der keusche Blutsauger, will den Akt partout erst nach der Hochzeit vollziehen und zubeißen. Edward sei „alte Schule“, beruhigt Bella den um ihre Tugend besorgten Papa, und im Übrigen sei sie noch Jungfrau. Schön, dass wir darüber geredet haben. Somit kann sich Charlie (Billy Burke) – so nennt ihn auch seine Tochter – wieder ganz seinem Job widmen: Er ist Polizist in Forks.
Charlie muss sich gerade mit einem mysteriösen Vermisstenfall beschäftigen: Vor einem Jahr verschwand der Sohn eines Forkser Ehepaars in Seattle. Spurlos. Die verzweifelten Eltern überziehen nun die Großstadt mit Flugblättern, aber es hilft alles nichts. Die Zuschauer wissen, warum: Riley Biers (Xavier Samuel), so der Name des unglücklichen jungen Mannes, treibt längst als Vampir sein Unwesen. Sein Schicksal ereilte ihn bereits in der Einstiegsszene des Films. Aber was da genau passiert und warum, das wird für das Publikum nur verständlich, wenn es die ersten beiden Folgen „Twilight“-Serie kennt. Die Verfilmung der Buchvorlage von Stephenie Meyer bedient ganz klar eine Fangemeinde; ein Quereinsteiger fühlt sich hier fehl am Platz.
In der fernen Metropole Seattle – im Film „Eclipse“ eine seltsam düstere Stadtlandschaft, aus der die Space Needle bedrohlich herausragt – braut sich etwas zusammen. Es geschehen serienweise Gewaltverbrechen einer Art, die beim Cullen-Clan äußerste Besorgnis auslöst. Das erkennt man etwa daran, dass die Vampire ihre buschigen Augenbrauen unablässig in die Höhe ziehen. Bedeutet es doch, dass Bella in Gefahr ist. Das lässt auch die lokalen Werwölfe nicht kalt.
Robert Pattinson und Taylor Lautner sind wieder Rivalen in „Eclipse“
Die Westküste bei Forks – die Landschaftsaufnahmen im Film entstanden allerdings weiter nördlich im Raum Vancouver – ist nicht nur ein Tummelplatz für Vampire, wie alle „Twilight“-Fans wissen, sondern auch das Revier von indianischen Werwölfen. Vampire und Wölfe sind einander seit vielen Generationen in inniger Feindschaft verbunden, rotten sich aber schon einmal gegen gemeinsame Gegner zusammen. Und die alte Rivalität bricht wieder aus, wenn Edward und Jacob um Bella buhlen.
Denn Teil der Meute ist der junge Jacob Black (Taylor Lautner), der seit „New Moon“ den Sixpack eines Bodybuilders vorzeigen kann und deswegen praktisch nie ein Hemd anhat. Sehr zum Verdruss des 104-jährigen Edward, der immer noch im Körper von Robert Pattinson steckt, was man diesmal aber nicht so genau sieht.
Auch Jacob liebt Bella, und obwohl sie allem Anschein nach nur Augen für Edward hat, ist er davon überzeugt, dass sie ihn ebenfalls liebt oder wenigstens ein bisschen. Dass die Schöne von einer Zukunft mit einem blässlichen Untoten träumt, macht ihn fassungslos. In der Brust des Vampirs schlägt nicht bloß ein kaltes Herz, muss dieser sich sagen lassen: „Gib’s doch zu, ich bin einfach heißer als du!“ Jacobs Heißblütigkeit hat zudem praktische Seiten, denn er eignet sich hervorragend als Wärmflasche mit Ohren. Und in Wolfsgestalt besitzt er ein kuscheliges Fell, das apart mit Bellas Haarfarbe harmoniert.
„Team Edward“ oder „Team Jacob“? Selbst Fans sind gespalten
Wenn sich die beiden Rivalen gegenüberstehen, bekommen die Zuschauer jedenfalls eine Ahnung davon, dass es im Leben zugehen könnte wie im richtigen Film, dazu muss man nicht einmal die einschlägigen Gazetten lesen. Aber wem immer Bella (oder Kristen Stewart) am Ende ihre Gunst schenkt – auch Jacob hat seine Fans, jedenfalls im Publikum. In amerikanischen Kinos hängen T-Shirts mit der Aufschrift „Team Edward“ und „Team Jacob“, und auf US-Websites können Fans darüber abstimmen, auf welche Seite sie sich schlagen.
Wenn es darum geht, Bella zu beschützen, machen Edward und Jacob indessen gemeinsame Sache. Denn aus Seattle nähert sich eine bedrohliche Armee von „Neugeborenen“, rekrutiert von der rotgelockten Vampirin Viktoria, die den Tod ihres Gefährten rächen will: In der ersten Folge von „Twilight“ unterlag er im Kampf gegen Edward. Nun hat sie es auf Bella abgesehen, und nebenbei möchte sie mit ihrer Armee von Vampir-Frischlingen den ganzen Cullen-Clan auslöschen. Da kommt Freude auf: Endlich passiert etwas!
Eine Armee von Vampir-Frischlingen bringt dann den Showdown
Wenn sich der Erzählbogen eines Filmes von einem (mehrfach wiederholten) Heiratsantrag bis zum erlösenden „Ja“ spannt, ist ein wenig Kampfgetümmel als Intermezzo jederzeit willkommen. Die Armee der Vampire sorgt dafür, dass man nicht zwei Stunden lang Edward und Bella in Großaufnahme dabei zusehen muss, wie sie sich anschmachten. Wobei Kristen Stewart wirklich sehr schöne Augenaufschläge kann. Aber wo waren wir stehen geblieben? Richtig, die Vampire kommen. Insbesondere Regisseur David Slade, seit dem Vampirthriller „30 Days of Night“ für den Job einschlägig qualifiziert, dürfte für die Actionszenen dankbar gewesen sein.
Bevor es zur Sache geht, muss aber noch der Schulabschluss gebührend gefeiert werden. Bellas altkluge Freundin Jessica darf eine erfrischende Rede halten; verkörpert wird sie von Anna Kendrick, die zwischen zwei Vampirstreifen als George Clooneys Reisebegleiterin in „Up in the Air“ zu größerem Ruhm kam und diesmal wirkt, als sei sie im falschen Film.
Dank der gemeinsamen Trainingseinheit, welche die Vampire mit den Werwölfen absolvierten, geht alles gut aus, und Bella und Edward können Zukunftspläne schmieden. Die Fortsetzung ist bereits in Arbeit; insgesamt soll es fünf „Twilight“-Folgen geben.
"Eclipse – Biss zum Abendrot" (USA 2010)
Kinostart in Deutschland: 15. Juli 2010
Originaltitel: "The Twilight Saga: Eclipse"
Regie: David Slade
Verleih: Concorde
Laufzeit: 124 Minuten
