Edita Gruberova kommt wieder nach München

Ein Porträt einer der größten Opernsängerinnen der Welt

Auch in der Spielzeit 2010/2011 tritt Edita Gruberova an der Bayerischen Staatsoper auf. Seit 1977 ist die weltweit gefeierte Sopranistin ein regelmäßiger Gast in Münche

"Edita Gruberova gehört zu den größten Phänomenen in der Weltgeschichte des Operngesanges". Diese Worte stammen von keinem Geringeren als Marcel Prawy (1911-2003), dem Wiener "Opernführer", der über sieben Jahrzehnte die Gelegenheit hatte, alle großen Opernsänger der Welt zu hören.

Von Banská Bystrica an die Weltspitze

Edita Gruberova wurde am 23. Dezember 1946 in Raca, einem Vorort der slowakischen Stadt Bratislava, als einziges Kind einer einfachen Familie geboren. Nach ihrer eigenen Aussage gibt es keine Zeit in ihrem Leben, in der sie nicht gesungen hat. Schon als kleines Mädchen unterhielt sie ihre Mutter und ihre Nachbarinnen bei der Feldarbeit mit den Volksliedern ihrer Heimat und liebte es außerdem, vor ihren Klassenkameraden ihre neu erlernten Lieder vorzutragen. Doch den eigentlichen Beginn ihres musikalischen Werdegangs sieht Edita Gruberova in ihrem Eintritt in den Kinderchor des slowakischen Rundfunks 1959.

Zu der Entscheidung, ihre Stimme professionell ausbilden zu lassen, kam die Familie auf Anraten von Dr. Julius Janko, dem örtlichen Pfarrer, der die Stimme der 15-jährigen Edita während des Konfirmandenunterrichts entdeckte und für sie ein zweiter Vater wurde. Für Edita Gruberova war der Gedanke an eine Sängerkarriere zunächst allerdings ein Schock, da sie eigentlich Krankenschwester werden wollte.

Bereits ein Jahr später bestand Edita Gruberova die Aufnahmeprüfung am Konservatorium, noch während ihres letzten Studienjahres debütierte sie am 18. Februar 1968 als Rosina in Gioacchino Rossinis "Barbier von Sevilla" an der Preßburger Oper. Trotz des großen Erfolges erhielt sie hier jedoch kein weiteres Engagement und entschied sich schließlich für einen Zweijahresvertrag in der kleinen mittelslowakischen Stadt Banská Bystrica, wo sie von Anfang an verschiedene große Rollen ihres Faches (Rosina, Violetta in "La Traviata", Gilda in "Rigoletto", die drei Frauenrollen in "Hoffmanns Erzählungen") übertragen bekam.

1970 erhielt Edita Gruberova dann ihr erstes Engagement an der Wiener Staatsoper. Obgleich sie bereits mit der Königin der Nacht in Mozarts "Zauberflöte" debütierte und auch in den folgenden Jahren neben Ensembleauftritten verschiedene große Rollen – auch ihr erster Auftritt als Zerbinetta in "Ariadne auf Naxos" fiel in diese Zeit – übernahm, war sie zunächst jedoch kaum mehr als ein Geheimtipp unter Opernfans.

"Die Gruberova" ist sie erst seit der Wiener Premiere von Richard Strauss' "Ariadne auf Naxos" unter Karl Böhm im Jahr 1976, mit der sie weltweit Aufsehen erregte. Seitdem war ihr Triumphzug durch die Opernhäuser dieser Welt nicht mehr aufzuhalten.

Die "Königin des Belcanto"Trotz ihrer sensationellen Erfolge in Opern von Mozart ("Die Zauberflöte", "Die Entführung aus dem Serail", "Don Giovanni", "Lucio Silla"), Richard Strauss oder Giuseppe Verdi zeigte sich schon bald die Affinität der Gruberova zu den Werken des Belcanto, denen sie neben ihrer makellosen Virtuosität gleichzeitig eine Beseeltheit der Interpretation verlieh, die von Beginn an ihresgleichen suchte.

Die Opern Vincenzo Bellinis und Gaetano Donizettis sind mittlerweile zum Markenzeichen der Gruberova geworden, die auch großteils auf Schallplatte, CD oder auch als DVD, meist als Live-Mitschnitte, aufgezeichnet wurden.

Edita Gruberova in München

Die Bayerische Staatsoper in München ist neben der Wiener Staatsoper eines der wichtigsten Opernhäuser in der Laufbahn der Sopranistin, dem sie bis heute treu geblieben ist. 1977 wurde sie von Wolfgang Sawallisch erstmals nach München geholt, wiederum in ihrer Paraderolle, der Strauss´schen Zerbinetta. Auftritte als Königin der Nacht, Sophie ("Der Rosenkavalier"), Konstanze ("Die Entführung aus dem Serail"), Donna Anna ("Don Giovanni"), Rosina, Massenets Manon und sogar eine konzertante "Semiramis" sollten folgen.

1985/86 hatte dann das Münchner Publikum die Gelegenheit, einen weiteren Höhepunkt ihrer Karriere zu erleben: die "Traviata" unter Carlos Kleiber, die auch von der Presse als "musikalisches Wunder" gefeiert wurde.

Seitdem ist die Gruberova der gefeierte Star vieler weiterer Opern an der Bayerischen Staatsoper gewesen, die teilweise eigens für sie inszeniert wurden: "Lucia di Lammermoor", "Anna Bolena", "I Puritani" und zuletzt in drei weiteren Höhepunkten ihrer Karriere, "Roberto Devereux" (2004), "Norma" (2006) und "Lucrezia Borgia" (2009).

Edita Gruberova singt auch 2009/2010 an der Bayerischen Staatsoper

Auch in der kommenden Spielzeit haben die Münchner Opernfans zehn Mal die Gelegenheit, die große Sopranistin auf der Bühne des Nationaltheaters zu erleben. Vier Mal singt sie die Titelpartie der Donizetti-Oper "Lucrezia Borgia", in der sie im vergangenen Februar am selben Haus eine umjubelte Premiere feierte und in dieser Rolle erstmals auf der Bühne zu erleben war (20. und 25. September sowie 1. und 6. Oktober 2009). In den übrigen sechs Vorstellungen verkörpert sie in Donizettis "Roberto Devereux" die englische Königin Elisabeth I. Die unglücklich liebende, alternde Königin ist eines der berührendsten Rollenporträts der Gruberova, in dem sie einmal mehr ihre unvergleichlichen Koloraturen bei aller Virtuosität ganz in den Dienst von Ausdruck und Emphase stellt (21. und 26. Februar, 3. und 8. März sowie 30. Juni und 4. Juli 2010).

Die Termine 2010/2011

In der Spielzeit 2010/11 kommt Edita Gruberova erst im März wieder an das Münchner Nationaltheater und ist dort zunächst vier Mal als Lucrezia Borgia zu erleben (18., 23., 28. März und 2. April 2011). Direkt im Anschluss folgen drei Aufführungen von Bellinis "Norma" (10., 15. und 20. April 2011). Zwei weitere Vorstellungen von "Lucrezia Borgia" gibt es während der Münchner Opernfestspiele (21. und 25. Juli 2011). Zusätzlich singt sie außerdem bereits im Dezember 2010 zwei konzertante Vorstellungen von "La Traviata" in der Philharmonie im Gasteig.

2012: Edita Gruberova debütiert in Vincenzo Bellinis "La Straniera" am Münchner Nationaltheater

Auch für die Spielzeit 2011/2012 sind bereits Aufführungen mit Edita Gruberova an der Bayerischen Staatsoper geplant. Im Februar 2012 kehrt sie als Elisabetta ("Roberto Devereux") nach München zurück (1., 5., 9. und 13.2.). Und im Juli folgt dann sogar ein weiteres Rollendebüt der "Königin des Belcanto": Die große Premiere der Münchner Opernfestspiele wird diesmal Bellinis Oper "La Straniera" mit Edita Gruberova in der Rolle der Alaide sein.

Tatjana Alisch - Bereits während meines Studiums in den Bereichen Musik, Geschichte und Sprachen erhielt ich die Gelegenheit, für einen ...

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