
- Efeu in der Pharmakologie - Engelhard Arzneimittel
Schon Hippokrates (ca. 460 bis 370 v. Chr.) erkannte: Es ist was dran an der immergrünen Kletterpflanze. Aufzeichnungen zufolge verwendete der wohl berühmteste Arzt der Antike Wurzeln, Blätter und Früchte des Efeus, um daraus Arzneien gegen Fieber, Gicht, Lungenleiden und zahlreiche andere Erkrankungen herzustellen. Fraglich bleibt, inwieweit ihm bewusst war, dass sämtliche Pflanzenteile giftig sind. Offenbar aufgrund einschlägiger Beobachtungen warnte Jahrhunderte später der griechische Pharmakologe und Militärarzt Dioskurides (1. Jh. n. Chr.) ausdrücklich vor der Einnahme von Efeusaft: Er könne zu geistiger Verwirrung führen. Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) setzte deshalb auch rein auf die äußerliche Anwendung, vor allem bei Menstrationsbeschwerden und Gelbsucht.
Das Geheimnis der Holzschüsseln
Im 16. Jahrhundert war der Efeu als Arzneipflanze fest etabliert. Er wurde vom Kopfweh bis zur Brandwunde als eine Art Universalheilmittel eingesetzt, fand aber auch zunehmend Beachtung in der Therapie von Schleimhauterkrankungen des Mund- und Rachenraums. Ein Zufall führte im 19. Jahrhundert auf die Spur der heutigen schulmedizinischen Anwendungsgebiete. Einem französischen Arzt fiel auf, dass die Kinder einer bestimmten Region im Süden des Landes seltener an Husten litten als die meisten ihrer Altersgenossen. Die Mädchen und Jungen verband eine Gemeinsamkeit: Sie tranken ihre Milch aus Efeuholz-Schüsseln. Der Arzt stellte sofort einen Zusammenhang zur Heilpflanze her. Warum und auf welche Weise der Efeu wirkte, war damals aber noch weitgehend ungeklärt.
Efeu wird wissenschaftlich anerkannt
Heute ist das anders. Im Jahr 2004 gelang es an der Universität Bonn einer Arbeitsgruppe unter Leitung des Pharmazeuten Professor Dr. Hanns Häberlein, den Wirkmechanismus der geschichtsträchtigen Pflanze eindeutig nachzuweisen. Seitdem weiß man: Das vor allem in den Efeublättern enthaltene Saponin alpha-Hederin und seine Vorstufe Hederacosid C greifen gleichermaßen an den Lungenbläschen wie an den Zellen der Bronchialmuskulatur an. An den Lungenbläschen fördern sie die Bildung einer schleimlösenden Substanz, an den Bronchialmuskelzellen wirken sie hustenreizlindernd. Zum einen wird dadurch das Abhusten erleichtert, zum anderen geht der Hustenreiz insgesamt zurück.
Von der Heilpflanze Efeu zur Apothekenreife
Für die Herstellung von Hustenpräparaten auf Efeubasis verwendet die moderne Phytotherapie ausschließlich die gelappten Blätter junger, noch nicht blühender Pflanzen (Hederae folium). Um den Wirkstoff zu gewinnen, spült man die getrockneten Efeublätter zunächst mit einem Gemisch aus Wasser und Alkohol und löst auf diese Weise die Inhaltsstoffe heraus. Anschließend entzieht man den Alkohol und trocknet das verbleibende Konzentrat. Dieser sogenannte Trockenextrakt wird dann mit einer Methode zu Arzneien weiterverarbeitet, die sicherstellt, dass in hochwertigen Präparaten der Anteil an Inhaltsstoffen stets gleich bleibt. Produkte von dieser kontrollierten Qualität sind nur in der Apotheke erhältlich.
Vorsicht : Efeu ist giftig!
Bei allen positiven Eigenschaften des Efeus darf man eins nie vergessen: Der Doldenblütler ist von der Beere bis zur Wurzel giftig! Schon unbedachtes Berühren mit bloßen Händen oder gar eine Kostprobe der Früchte kann bei empfindlichen Personen allergische Reaktionen, Erbrechen, Magenschmerzen und krampfartige Durchfälle auslösen. Aus diesem Grund sollte man nicht versuchen, aus wildem Efeu in Eigenregie Tinkturen oder Salben für die Hausapotheke anzurühren. Fertigarzneien sind nicht nur praktischer, sondern bei korrekter Anwendung auch sicher.
Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.
Quellen:
- Prof. Dr. med. habil. Karin Kraft, Lehrstuhl für Naturheilkunde, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin
- Universität Rostock
- Lintrud Pfeffer, Engelhard Arzneimittel
