
- EHEC-Keim-Nachweis auf Sprossen aus Bienenbüttel - Manfred Rohde, Helmholtz-Zentrum (HZI)
Jung und zart, unschuldig bleich und verführerisch wohlschmeckend kamen sie daher, doch diesmal hatten sie es faustdick hinter den Keimblättern: Zwei Familienmitglieder einer im Rhein-Sieg-Kreis in Nordrhein-Westfalen (NRW) lebenden Familie erkrankten am EHEC-Erreger, nachdem sie Sprossen (Pflanzenkeimlinge) des Biobetriebs aus Bienenbüttel in Niedersachsen verzehrt hatten. Ein direkter Nachweis des EHEC-Serovars HUSEC041 (O104:H4) gelang dem Veterinäruntersuchungsamt Rhein-Ruhr-Wupper in einer geöffneten Packung Sprossen aus der Mülltonne des Haushalts (EHEC: Enterohämorrhagische Escherichia coli). Damit ist zum ersten Mal ein fast 100-prozentig sicherer direkter Nachweis einer direkten Lebensmittelkette zwischen EHEC-kontaminierten Sprossen und dem Biobetrieb in Bienenbüttel nachgewiesen, Nordrhein-Westfalens Verbraucherschutzminister Johannes Remmel erklärte am 10. Juni 2011 zum EHEC-Nachweis: "Der Fund bestätigt unsere aktuelle Warnung vor dem Verzehr von Sprossen. Es wird damit immer wahrscheinlicher, dass Sprossen die Ursache der EHEC-Erkrankungen sind."
Direkter und indirekter Nachweis von EHEC-Keimen auf Sprossen aus Bienenbüttel
Nach dem indirekten Nachweis vom 10. Juni 2011 gibt es nun vom gleichen Tag auch einen direkten Nachweis von EHEC-Keimen auf Sprossen aus Bienenbüttel, eine erdrückende Indizienkette versetzte den bienenbüttelschen Pflanzenkeimlingen und Sprossen zuvor schon den finalen Salatblattschuss: In einer gemeinsamen Pressemitteilung erlösten das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und das Robert Koch-Institut (RKI) viele unglücklich pochende Salatherzen, den deutschen Gemüsebau, Mischköstler und Vegetarier. Mittels der so genannten "Rezeptbasierten-Restaurant-Kohortenstudie" konnten die bienenbüttelschen Pflanzenkeimlinge und Sprosse schon mittels Indizienweise überführt, aber nicht mehr auf ganz frischer Tat ertappt werden: Als Ergebnis der Restaurant-Kohortenstudie ermittelten die EHEC-Fahnder ein "8,6-fach höheres Risiko" für EHEC-Verdruss durch bienenbüttelschen Sprossengenuss.
Sprossen und Pflanzenkeimlinge sollten vorsorglich vernichtet werden
Nach dem Mülltonnenfund und nach den Empfehlungen von BfR, BVL und RKI sollen bis auf weiteres Sprossen und Pflanzenkeimlinge nicht roh verzehrt werden, sollen in Haushalten gelagerte Sprossen älteren Datums vorsorglich in die Tonne getreten werden: "Auch deshalb rufen wir weiterhin zur Einhaltung strenger Hygiene und besonderer Vorsicht im Umgang mit rohen Lebensmitteln auf", sagte Verbraucherschutzminister Remmel. Die Vorsorgemaßnahmen sind berechtigt, da nach wissenschaftlichen Studien das EHEC-Serovar O157:H7 über zwei Monate lang auf Salatblättern infektiös bleiben kann (siehe Literaturhinweis). Nach BfR, BVL und RKI können allerdings Salate, Gurken und Tomaten auch in Norddeutschland wieder ohne Bedenken verzehrt werden.
EHEC-Infektionsweg via Sprossen und Pflanzenkeimlinge ist schon länger bekannt
Nach dem BfR infizierten sich in Japan beim nunmehr weltweit zweitgrößten EHEC-Ausbruch mit über 6.000 EHEC-Infektionen die Patienten mit kontaminierten Rettichsprossen, auch Alfalfa-Sprossen (Luzerne, lateinisch Medicago sativa) sind als EHEC-Infektionsquelle bekannt. Pure Fleischesser mögen jetzt über Mischköstler und Vegetarier lächeln, doch EHEC-Erreger erregten in den 80er Jahren zuerst das Interesse von Medizin und Wissenschaft nach einem EHEC-Ausbruch in den USA – die Infektionsquelle entsprang erstmals reiner Fleischeslust: damals waren es Hamburger aus Rinderhackfleisch.
Weitere Informationen
Islam M, Doyle MP, Phatak SC, Millner P, Jiang X. (2004): "Persistence of enterohemorrhagic Escherichia coli O157:H7 in soil and on leaf lettuce and parsley grown in fields treated with contaminated manure composts or irrigation water." J Food Prot., 2004, Jul; 67 (7): Seite 1365 bis 1370.
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