
- So könnten Auslöser neuer Epedemien aussehen. - Aka / pixelio.de
In regelmäßigen Abständen sieht sich die Menschheit mit Krankheiten konfrontiert, die entweder neuartig sind oder in bisher ungekanntem Ausmaße ausbrechen. Tritt eine Krankheit innerhalb einer bestimmten Region oder Bevölkerung extrem gehäuft auf und nimmt die Zahl an Neuinfektionen entsprechend stark zu, spricht man von einer Epidemie.
Ist der Ausbruch nicht mehr örtlich beschränkt, sondern über Länder und ganze Kontinente verteilt, spricht man von einer Pandemie. Neben den relativ aktuellen Epidemien von SARS und EHEC gab es in der Vergangenheit Krankheitsausbrüche mit verheerenden Auswirkungen. Die bekanntesten sollen im Folgenden kurz beschrieben werden.
Pocken
Pocken werden durch tierische Orthopox-Viren ausgelöst und verbreiten sich über Tröpfcheninfektion. Nach sieben bis 17 Tagen Inkubationszeit treten die ersten grippeähnlichen Symptome auf. Im weiteren Verlauf bilden sich juckende Flecken auf der Haut, aus denen Knoten und schließlich eitergefüllte Bläschen werden. Im Folgenden kann es zu Erblindung, Gehörlosigkeit, Lähmungen, Hirnschäden sowie Lungenentzündung kommen. Die geschätzte Letalität (Sterblichkeitsrate) von unbehandelten Pocken liegt bei etwa 30 Prozent.
Es gab mehrere große Pockenepidemien bzw. Pandemien. Erstmals im sechsten Jahrhundert in Europa wüteten die Pocken im 13. Jahrhundert in England und im 15. Jahrhundert in Deutschland. Mit den spanischen Eroberern überquerten sie den Ozean und kamen nach Amerika. Insgesamt fielen mehrere Millionen Menschen der Krankheit zum Opfer. Durch die weltweit vorgeschriebene Pockenschutzimpfung gab es 1977 den weltweit letzten natürlichen Pockenfall.
Spanische Grippe
Bei der spanischen Grippe handelte es sich um einen hochinfektiösen Virus des Subtypen H1N1, der zwischen 1918 und 1920 knapp 50 Millionen Todesopfer forderte. Unter den Opfern befanden sich meist junge Menschen zwischen 20 und 40 Jahren. Expertenmeinungen zu Folge wurde die Krankheit im amerikanischen Mittelwesten von Vögeln auf den Menschen übertragen und verbreitete sich anschließend rasant.
Die anfänglich typischen Grippesymptome wie Fieber, Übelkeit, Gliederschmerzen und Durchfall verschlimmerten sich zusehends. Es bildeten sich schwarze Flecken auf den Wangen und die Lungen füllten sich mit Wasser, wodurch ein zunehmender Sauerstoffmangel entstand, der in manchen Fällen bereits zum Tode führte. Die meisten Opfer erstickten jedoch an ihrem eigenen Schleim.
Die Pest
Im Volksmund wurde die Pest auch „schwarzer Tod“ genannt. Sie raffte, mit etwa 25 Millionen Menschen, zwischen 1346 und 1352 fast ein Drittel der damaligen europäischen Bevölkerung dahin. China und Indien beklagten ebenfalls Opfer der, meist durch Rattenflöhe übertragenen, Krankheit. Bei dem Erreger handelt es sich um ein Bakterium, welches zurzeit noch nicht ausgerottet ist und in Asien, Afrika und den USA immer noch vereinzelte Fälle hervorruft.
Nach etwa einer Woche Inkubationszeit kommt es zu Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Atembeschwerden, blutigem Husten, Erbrechen und Durchfall. Die Lymphknoten entzünden sich und es entstehen bis zu zehn Zentimeter große Beulen.
Malaria
Malaria ist eine Krankheit, die von Einzellern ausgelöst wird, die wiederum von der Anophelesmücke übertragen werden. Weltweit sind etwa 350 bis 500 Millionen Menschen von dieser Tropenkrankheit betroffen und etwa eine Million Menschen versterben jedes Jahr, wobei 90 Prozent der Todesfälle in Afrika auftreten. Die Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Übelkeit, Schwindel und Gliederschmerzen können erst nach Wochen auftreten. Bei schwerem Verlauf kann es zu einer Blutarmut und dadurch zum Tode kommen.
Tuberkulose
Tuberkulose, im Volksmund auch „Schwindsucht“ genannt, war eine der häufigsten Todesursachen der armen Bevölkerung des 19. Jahrhunderts. Im Jahr 2006 infizierten sich, nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation, weltweit rund 9,2 Millionen Menschen und rund 1,7 Millionen Menschen starben daran. Todesopfer finden sich hauptsächlich in Ländern mit schlechten Hygienebedingungen.
Die Übertragung der auslösenden Bakterien erfolgt durch Tröpfcheninfektion. Die Symptome wie Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust, Stechen in der Brust und Kurzatmigkeit können in manchen Fällen erst nach Monaten auftreten, sich dann aber zu anhaltendem blutigen Husten ausweiten.
Cholera
Die Cholera ist eine Infektionskrankheit, die im 19. und 20. Jahrhundert auf mehreren Kontinenten für sechs Pandemien verantwortlich war, bei denen Millionen Menschen starben. Sie wird durch Bakterien ausgelöst, die meistens durch verseuchtes Trinkwasser übertragen werden. Vor allem in Ländern mit niedrigem Hygienestandard sind die Menschen gefährdet.
Etwa drei Tage nach der Infektion zeigen sich mit Übelkeit, Durchfällen und Erbrechen die Symptome. Diese können so massive Formen annehmen, dass bis zu 20 Liter Wasser am Tag ausgeschieden werden. Völlige Austrocknung, Muskelkrämpfe und Nierenversagen sind die Folge. Schlimmstenfalls kann nach wenigen Stunden der Tot eintreten. Behandelt wird mit Flüssigkeits- und Elektrolytersatz sowie Antibiotika. Unbehandelt endet die Cholera in sechs von zehn Fällen tödlich.
AIDS
Seit etwa 1980 bekannt, hat sich AIDS zu einer weltweiten Pandemie mit bisher etwa 25 Millionen Todesopfern entwickelt. Die Immunschwächekrankheit wird vom HI-Virus ausgelöst und fordert jährlich ca. drei Millionen Tote. Die Übertragung erfolgt durch direkten Blutkontakt.
Nach zwei bis sechs Wochen Inkubationszeit kommt es zu grippeähnlichen Symptomen, die jedoch schnell vergehen. Anschließend kann eine monate- bis jahrelange Phase ohne Symptome folgen. Bricht die Krankheit aus, wird das Immunsystem so stark geschwächt, dass es zu chronischen Durchfällen, Gewichtsverlust und einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen jeder Art kommt. AIDS ist nicht heilbar; HIV-infizierte erhalten jedoch Medikamente, die die Viruserkrankung so lange wie möglich eindämmen. Letztlich verstirbt der Infizierte an einer der zahlreichen Folgeinfektionen.
Gelbfieber
Das Gelbfieber hat im 19. Jahrhundert viele Menschen in Nordamerika getötet. Auslöser ist ein Virus, das von Moskitos übertragen wird. Heutzutage erkranken weltweit jedes Jahr rund 200 000 Menschen an Gelbfieber, wobei die meisten Infektionen in den tropischen Gebieten Afrikas sowie Mittel- und Südamerikas beobachtet werden. Etwa 30000 Menschen sterben jedes Jahr.
Nach drei bis sechs Tagen Inkubationszeit kommt es zu Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Bei schwerem Verlauf kommt es zu inneren Blutungen, Leber-Nieren-Versagen, Gelbsucht, Verwirrtheit und Bewusstseinstrübungen. Außer einer prophylaktischen Impfung gibt es keine Medikamente gegen das Virus.
Typhus
In den Zeiten des Dreißigjährigen Krieges und des Ersten Weltkriegs starben mehrere Millionen an Typhus. Auch heute infizieren sich jährlich etwa 22 Millionen Menschen mit den auslösenden Bakterien, wobei die meisten in Ländern mit unzureichenden hygienischen Bedingungen beobachtet werden. In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 50 bis 100 Menschen, die sich meist bei Fernreisen infiziert haben.
Nach etwa zehn Tagen Inkubationszeit kommt es zu Frösteln, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Verstopfung. Im weiteren Verlauf kommt hohes Fieber hinzu, die Zunge ist belegt, Leber und Milz vergrößert. Im Endstadium kommt es zu erbsbreiartigen Durchfällen und Bewusstseinstrübung.
Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.
Quellen und weiterführende Informationen
- Infektionskrankheiten: Verstehen, erkennen, behandeln von N. Suttorp, W. Kiehl, M. Mielke und B. Stück
- Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen: Erreger, Symptome, Diagnose, Therapie und Propylaxe von G.Darai, M. Handermann, H.Sonntag, C.Tidona und L.Zöller
