EHEC-Symptome: Bauchschmerzen, Durchfall, Erbrechen und Übelkeit

EHEC O104:H4: Mittlere Inkubationszeit etwa 8 Tage - Manfred Rohde, Helmholtz-Zentrum (HZI)
EHEC O104:H4: Mittlere Inkubationszeit etwa 8 Tage - Manfred Rohde, Helmholtz-Zentrum (HZI)
EHEC O104:H4 verursacht nach etwa 8 Tagen Inkubationszeit Bauchschmerzen, Erbrechen, blutigen & wässrigen Durchfall ohne Fieber: HUS beginnt 5 Tage später.

Kaum prägte man sich die Namen komischer Schweinegrippe-Virusstämme wie H1N1 ein, kommt schon im Schweinsgalopp auf Gemüsekeimlingen und Salat ein komischer EHEC-Bakterienstamm namens O104:H4 angaloppiert: Dabei handelt es sich auch noch um einen verbrecherischen EHEC-Ausbruchsstamm, der als Wiederholungstäter unter dem Serotyp-Namen HUSEC041 O104:H4 schon sporadisch ausgebrochen ist, zum Beispiel in Deutschland (2001), Frankreich (2004) und Finnland (2010). Deswegen stand schnell ein EHEC-Schnelltest und die aktualisierte "S1-Leitlinie EHEC / HUS" der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) bereit, und dank neuer Untersuchungen des HUS Investigation Teams wissen auch unsere Hausärztinnen und Hausärzte besser Bescheid (EHEC: Entero-Hämorrhagische Escherichia coli oder EAHEC; HUS: Hämolytisch-Urämisches-Syndrom).

Nach einer Inkubationszeit von 8 Tagen beginnen krampfartige Bauchschmerzen

Magen-Darm-Erkrankungen nennen Ärzte auch Gastroenteritis, so führen Infektionen mit Noroviren und EHEC-Bakterien zur Entzündung der Schleimhaut des Magens (Gastritis) und des Dünndarms (Enteritis), bei beiden Erregern kommt es zu den markanten Symptomen wie wässrigen Durchfall, Erbrechen und Übelkeit: Nach der neuen Studie des HUS Investigation Teams (HUSIT) kommt es nach einer mittleren Inkubationszeit von etwa 8 Tagen zu den ersten Krankheitssymptomen mit EHEC O104:H4, andere EHEC-Stämme schlagen schon nach 3 bis 4 Tagen zu. Dabei klagen etwa 80 bis 90 Prozent aller betroffenen Kinder, Frauen und Männer über krampfartige Bauchschmerzen im Unterbauch. Zusätzlich flitzen manche Kinder, Frauen und Männer etwa 10 mal täglich mit Durchfall auf die Toilette.

Bei blutigem (hämorrhagischem) Durchfall behende zum Arzt

Laut HUSIT flitzen etwa die Hälfte aller Kinder mit wässrigem Durchfall (Puh!) auf die Toilette, die andere Hälfte mit wässrig-blutigem Durchfall (Puh?): Nun nennen Ärzte den Durchfall hämorrhagisch und die Krankheit hämorrhagische Kolitis, da Mediziner Blutungen als Hämorrhagie bezeichnen – befindet sich Blut im Stuhl, sollte man umgehend Hausärztin oder Hausarzt aufsuchen. Laut Robert Koch-Institut (RKI) verursachten frühere EHEC-Stämme nur bei circa 10 bis 20 Prozent der Patienten einen wässrig-blutigen Durchfall, doch mit EHEC O104:H4 ist das anders: Gemäß HUSIT flitzen fast alle erwachsenen Patienten mit wässrig-blutigem Durchfall auf die Toilette (etwa 95 bis 100 Prozent Aaargh!). Anhand der DEGAM-Leitlinie macht Ihr Arzt zur sicheren Diagnose nun labordiagnostische Untersuchungen. Besonders wenn sich Blut in der Stuhlprobe befindet, müssen Hausärzte zwischen einer einfacheren Diarrhoe (Durchfall = Puh!) mit Noroviren und der bakteriellen EHEC-Erkrankung unterscheiden.

Besonders Kinder leiden an Erbrechen und Übelkeit

Kinder zeigen bei einer Infektion mit EHEC O104:H4 nach HUSIT etwas andere Krankheitssymptome als Erwachsene: Während sich etwa 70 bis 80 Prozent aller Kinder erbrechen müssen, zeigten bisher nur etwa ein Drittel der Erwachsenen das Symptom Erbrechen – allerdings ist es bei erwachsenen Patienten stark davon abhängig, ob sich schon eine HUS entwickelt hat oder nicht. Kinder scheint es nach einer Erkrankung mit EHEC O104:H4 auf häufiger übel zu werden, insgesamt klagten etwa ein Drittel aller Patienten an Übelkeit – im Gegensatz zur normalen Grippe oder Schweinegrippe tritt Fieber bisher gar nicht auf.

Besonders Frauen erkranken am hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS)

Bei einer EHEC-Infektion können nach etwa 5 bis 13 Tagen so genannte postinfektiöse Komplikationen den Krankheitsverlauf komplizieren. Zwar ist der aktuelle EHEC-Ausbruchsstamm schon früher sporadisch aufgetreten, doch bisher ist es am jetzigen EHEC-Ausbruch ungewöhnlich, dass besonders erwachsene Frauen erkranken, dass bei etwa 20 bis 30 Prozent der Patienten schwere Krankheitsverläufe auftreten: Nach HUSIT beträgt das Durchschnittsalter der HUS-Patienten etwa 43 Jahre, fast 70 Prozent davon sind Frauen, wobei das HUS etwa 5 Tage nach dem Beginn des Durchfalls auftritt. Ihre Hausärztinnen und Hausärzte werden aber mit der S1-Leitlinie auch das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) erkennen können: Allerdings erfolgt darauf eine stationäre Einweisung ins Krankenhaus. Falls Sie nur an einer einfachen Diarrhoe leiden, behandelt Sie ihr Arzt nach einer bekannten konventionellen Therapie, bei HUS-Symptomen mit EHEC bedarf es aber einer speziellen Therapie.

Gegen EHEC-Bakterien wirken Antibiotika, man darf aber keine Antibiotika einsetzen

Antibiotika wirken bekanntlich nur gegen Bakterien, gegenüber Viren wirken sie nicht; bestimmte Antibiotika wie Carbapeneme wirken auch gegen EHEC-Bakterien, gegenüber EHECs darf man aber keine Antibiotika einsetzen: Der verbrecherische EHEC-Ausbruchsstamm rächt sich nämlich beim Einsatz eines Antibiotikums bitterböse und produziert daraufhin giftige Bakterientoxine – der EHEC-Stamm HUSEC041 ist nämlich auch Mitglied des verbrecherischen Bakterien-Syndikats der Shigatoxin-bildenden E. colis (STEC).

Weitere Informationen & Literatur

Für medizinische Laien empfiehlt sich die fünfseitige Broschüre des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR): "Verbrauchertipps: Schutz vor Infektionen mit enterohämorrhagischen E. coli (EHEC)" – die Verbrauchertipps können Sie kostenlos auf der Homepage des BfR herunter laden.

Eine wissenschaftliche Studie des HUS Investigation Teams zum Epidemie-Verlauf finden Sie online im New England Journal of Medicine (NEJM) – Christina Frank et al. (2011): "Epidemic Profile of Shiga-Toxin-Producing Escherichia coli O104:H4 Outbreak in Germany – Preliminary Report" (doi: 10.1056/NEJMoa1106483).

F. Scheutz, E. Møller Nielsen, J. Frimodt-Møller, N. Boisen, S. Morabito, R. Tozzoli, J. P. Nataro und A. Caprioli (2011): E-alert – "Characteristics of the enteroaggregative Shiga toxin/verotoxin-producing Escherichia coli O104:H4 strain causing the outbreak of haemolytic uraemic syndrome in Germany, May to June 2011". Eurosurveillance, Volume 16, Issue 24, vom 16 Juni 2011.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat – zum Beispiel durch einen Arzt oder Apotheker – nicht ersetzen kann!

Dr. Gerald Albach, Dr. Gerald Albach

Dr. Gerald Albach - Schreiben macht Spaß: mit Licht und mit Worten! Damit ich weiß, worüber ich schreibe, habe ich als Diplom-Biologe in der ...

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