
- EHEC: In Deutschland insgesamt 782 HUS-Fälle - Dr. Gerald Albach
Immer weniger Neuerkrankungen für Deutschland werden dem Robert Koch-Institut (RKI) am 14. Juni 2011 gemeldet, "auf deutlich niedrigerem Niveau" sind die neu gemeldeten Fallzahlen seit ein paar Tagen: Nach den RKI-Fallzahlen erkrankten in allen Bundesländern Deutschlands seit Anfang Mai 2011 nunmehr 2.453 Menschen an EHEC, darunter sind 13 Todesfälle. An der EHEC-Komplikation HUS (Hämolytisch-Urämisches-Syndrom) leiden nunmehr 782 Patienten, an HUS sind bisher 22 Patienten in Deutschland gestorben. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) meldet dagegen am 14. Juni 2011 für ganz Europa mittlerweile 2.514 EHEC-Fälle (13 Todesfälle), sowie 818 HUS-Fälle (23 Todesfälle). Personen mit blutigem Durchfall sollen weiterhin umgehend den Arzt aufsuchen – das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt weiterhin vor dem Verzehr von gekauften Sprossen und selbst aufgezogenen Keimlingen und Sprossen .
3.235 EHEC- & HUS-Erkrankungen in Deutschland – zwei Drittel aller HUS-Fälle sind Frauen
Insgesamt 3.235 Personen erkrankten seit Beginn des Monats Mai in Deutschland am Infektionserreger EHEC (Enterohämorrhagische Escherichia coli), am 10. Juni 2011 waren es noch 2.988 Personen – bisher sind 35 Menschen in Deutschland gestorben. Etwa 60 Prozent aller EHEC-Fälle und knapp 70 Prozent aller HUS-Fälle sind Frauen – Schwerpunkt der EHEC-Infektionswelle ist und bleibt Norddeutschland (EHEC-Fälle: in Hamburg 16 Prozent, Niedersachsen 21 Prozent, Schleswig-Holstein 29 Prozent, und Nordrhein-Westfalen 11 Prozent (siehe Grafik); hier finden Sie die RKI-Fallzahlen von Ostdeutschland und Süddeutschland). Für die besonders schweren HUS-Fälle in Norddeutschland scheint ein neuer EAHEC-Stamm verantwortlich zu sein (Entero-Aggregativer-Hämorrhagischer E. coli).
EHEC-Verdruss durch Sprossengenuss: In Japan waren es Rettichsprossen
Rettichsprossen schmecken rattenscharf, doch anscheinend sind auch EHEC-Erreger scharf wie ein Rettich auf Rettichsprossen und andere Pflanzenkeimlinge: 1996 erkrankten nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO über 10.000 Menschen in Japan bei der bisher weltweit größten EHEC-Infektionswelle. Als bisher sichere Infektionsquelle in Deutschland gelten Bio-Sprossen aus Bienenbüttel in Niedersachsen. Allerdings kann man auch Menschen als Infektionsträger bisher nicht ausschließen, so sagte EHEC-Experte Prof. Dr. Helge Karch am 10. Juni 2011: "Zum jetzigen Zeitpunkt liegt mir und dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kein Nachweis vor, dass zu HUSEC041 gehörende EHEC-Isolate des Menschen bei Tieren festgestellt wurden und diese dauerhaft kolonisieren können. Der sich jetzt ausbreitende Erreger ist bislang nur beim Menschen nachgewiesen worden."
3.332 EHEC- & HUS-Fälle in ganz Europa
Das ECDC meldet mit dem Datenstand vom 14. Juni 2011 (11:00 Uhr) für ganz Europa mittlerweile 3.332 EHEC- & HUS-Fälle (Vortag 3.325 EHEC- & HUS-Fälle; siehe Grafiken): Für Dänemark weiterhin 8 HUS-Fälle und 12 EHEC-Fälle, für Griechenland 1 EHEC-Fall, für Frankreich gleichbleibend 2 EHEC-Fälle, für das Großherzogtum Luxemburg mittlerweile 2 EHEC-Fälle, für die Niederlande mittlerweile 4 HUS-Fälle und 4 EHEC-Fälle, für Norwegen unveränderlich 1 EHEC-Fall, für Österreich weiterhin 1 HUS-Fall und 3 EHEC-Fälle, für Polen nunmehr 2 HUS-Fälle und 1 EHEC-Fall, für Spanien gleichbleibend 1 HUS-Fall und 1 EHEC-Fall, für Schweden nunmehr 17 HUS-Fälle (ein HUS-Fall mit Todesfolge) und 30 EHEC-Fälle, für die Tschechische Republik gleichbleibend 1 EHEC-Fall, sowie für das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland nunmehr 3 HUS-Fälle und 3 EHEC-Fälle.
Symptome – EHEC-Erreger verletzen das Darmepithel
EHEC-Erreger besiedeln das Darmepithel und verletzen durch so genannte AE-Läsionen die Darmzellen (AE kommt vom englischen "attaching and effacing"), so zerstören sie lokal die Mikrovillis des so genannten Bürstensaums: Als Folge stellen sich bei Patienten nach einer Inkubationszeit von circa 3 bis 4 Tagen Bauchkrämpfe und Bauchschmerzen ein: Weitere Symptome sind wässriger Durchfall, sowie Erbrechen und Übelkeit. Verursachen die AE-Verletzungen sogar einen blutigen (hämorrhagischen) Durchfall, sollte man sofort den Arzt aufsuchen. Nach der RKI-Falldefinition ist allerdings in den meisten Fällen der Stuhl des Patienten unblutig. Gegenüber einer Virus-Infektion wie Grippe oder Schweinegrippe ist Fieber dagegen als Symptom bei einer EHEC-Erkrankung weitgehend untypisch.
Shiga Toxine sind die Hauptübeltäter beim Hämolytisch-Urämische-Syndrom (HUS)
Die EHEC-Erreger bilden zusätzlich giftige Shiga Toxine, diese Giftstoffe binden an so genannten Glykolipid-Rezeptoren, diese Globotriaosyl-Ceramid-Rezeptoren (Gb3) sitzen in verschiedener Dichte auf der Oberfläche von Zellen des Darms, des Gehirns und der Nieren. Als Folge kompliziert das so genannte Hämolytisch-Urämische-Syndrom (HUS) das Krankheitsgeschehen nach etwa 5 bis 13 Tagen bei einzelnen Patienten nochmals, laut ECDC aber nur bei circa acht Prozent der Krankheitsfälle. HUS zeichnet sich hauptsächlich durch drei Krankheitssymptome aus: Eine hämolytische Anämie zerstört rote Blutkörperchen (Erythrozyten) und führt zur Blutarmut, eine Thrombozytopenie führt zur Blutplättchen-Armut (Thrombozyten) – hinzu gesellt sich ein akutes Nierenversagen.
Weitere Informationen
Die Fallzahlen der EHEC- und STEC-Infektionen in Deutschland und Europa vom 14. Juni 2011 finden Sie auf der Homepage des Robert Koch-Instituts (RKI) und des ECDC (European Centre for Disease Prevention and Control).
Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat – zum Beispiel durch einen Arzt oder Apotheker – nicht ersetzen kann!
