Ehrenmorde - ein weltweites Phänomen

Frauen in Berlin Kreuzberg - Marta Kudratova
Frauen in Berlin Kreuzberg - Marta Kudratova
Ehrenmorde werden in der Öffentlichkeit gern als Thema gemieden. Dennoch herrscht weltweit eine erschreckende Präsenz dieser Form der Selbstjustiz.

Die tatsächliche Anzahl der Ehrenmorde ist äußerst schwer zu ermitteln, da diese oft vertuscht, als Unfall getarnt oder die Betroffenen in den Selbstmord getrieben werden und die Tat so nicht eindeutig als Ehrenmord ausgewiesen werden kann. Eine Studie des UN- Weltbevölkerungsberichts hat jedoch ergeben, dass etwa 5.000 Mädchen und Frauen in mindestens 14 Ländern, darunter Pakistan, Jordanien und die Türkei (300 Fälle), im Namen der Ehre getötet wurden.

Auch Deutschland hat Ehrenmorde zu verzeichnen. Im Jahre 2009 können aufgrund einer Statistik, in der Morde nach Nationalitäten aufgelistet werden, 25 Morde auf den Faktor Ehre zurückgeführt werden, sowie drei schwere Mordversuche. Alle Opfer waren weiblich. Terre des femme e. V. meldet zudem, dass sich im Jahre 2004 rund 600 Betroffene gemeldet haben, deren Leben durch ihre Familie oder durch den Lebenspartner massiv bedroht wurde. Die Dunkelziffer der Ehrenmorde liegt wesentlich höher als die genannten 5.000. Vermutlich werden bis zu 100.000 Menschen, fast ausschließlich Frauen, jährlich im Namen der Ehre ermordet. Die größte Ehrenmordrate hat wohl Pakistan.

Was heißt „Ehrenmord“?

Der Begriff des Ehrenmordes ist nicht eindeutig definierbar, allerdings gibt es einige Kriterien, die einen Mord als eine Tat der Ehre ausweisen können. Wichtig ist die Begründung des Täters - gibt dieser als Motiv für die Tat die Familienehre an, so ist die Zuschreibung einfach, obwohl durchaus Fälle bekannt sind, die einen Mord aus niederen Beweggründen (Geld, Inzest, Vertuschung eines anderen Verbrechens) als Ehrenmord titulieren. Andersherum werden Ehrenmorde jedoch oft als Unfall oder Selbstmord getarnt, was dem Täter keine Motiverklärung abverlangt. In solchen Fällen ist eine eindeutige Zuweisung wesentlich schwieriger zu treffen.

Eine unausweichliche Situation für die Opfer

Die Konstellation bei einem Ehrenmord hat ein eindeutiges Muster - das Opfer ist weiblich, der Täter ein männliches Familienmitglied, oftmals der Ehemann oder jüngste Bruder des Opfers. Die Tat ist nicht affektiv, sondern meist mit der gesamten Familie geplant. Das eigentliche Ziel des geplanten Ehrenmordes ist nicht die Tötung, sondern die aus dem Mord resultierende Wiederherstellungen der beschmutzen Ehre. Die „Vergehen“ des Opfers sind erschreckend gering - eine „zu deutsche“ Lebensführung, unehelicher Geschlechtsverkehr oder zu aufreizende Kleidung können bereits als Auslöser fungieren. In einem solchen Fall ist es für die Frau nahezu unmöglich, ihrem Schicksal zu entrinnen, denn die gesamte Familie, auch die weiblichen Verwandten, kehren ihr den Rücken, ebenso die gesamte Gemeinde. Die einzige Möglichkeit dem Racheakt zu entfliehen, liegt im absoluten Bruch mit allen Kontaktpersonen sowie der Annahme einer neuen Identität.

Aspekte, die einen Mord als Ehrenmord entlarven

  • Der Täter ist der Ehemann oder ein Verwandter.
  • Der Anschlag ist mit der Familie gemeinsam geplant.
  • Im Falle des Ehemanns als Täter: Das Paar kannte sich kaum, es war eine Zwangsheirat.
  • Der Täter fühlt sich im Recht und macht er Aussagen, die sich auf die Ehre beziehen.
  • Die Familie zeigt Solidarität mit dem Täter, nicht mit dem Opfer.
  • Fälle von Misshandlungen seitens des Täters vor dem Mord sind bekannt.
  • Der Täter begründet ungerechtes Behandeln von Frauen mit Geschlechterrollen, Ehre und/oder Religion.
  • Der Täter ist das jüngste Familienmitglied, da er die geringste Strafe zu erwarten hat.
Marta Kudratova, Marta Kudratova

Marta Kudratova - Ich schreibe, darum bin ich. Seitdem ich lesen und schreiben gelernt habe, bediene ich mich beider Fähigkeiten leidenschaftlich ...

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