
- Traditionelle Sorbenkunst - Andrea Weber
Seit jeher fasziniert den Menschen das ovale Ovulum. Es steht sinnbildlich für Fruchtbarkeit, Liebe und Wiedergeburt. Seine Form bedeutet Unendlichkeit. Warum auch nicht, hat es die Natur schließlich dazu geschaffen, dass in ihm neues Leben entsteht. Das Ei ist in der Tat ein Kunstwerk der Schöpfung und ein Kunstwerk macht auch der Mensch daraus.
Zuerst war das rote Ei da
Die Tradition des Eierbemalens geht weit in der Geschichte zurück. Dabei spielt das rote Ei interessanterweise in verschiedenen Kulturen gleichermaßen eine zentrale Rolle. So haben beispielsweise schon vor gut 5000 Jahren die Ägypter und Chinesen Eier rot gefärbt, als Symbol ihrer Verehrung der Sonne. Das rote Ei steht aber auch im christlichen Glauben im Vordergrund. Hier weist es auf das Blut Christi hin, dass die Erlösung der Menschheit und die Vergebung ihrer Sünden symbolisiert. Die Farbe Rot steht aber auch für Liebe, Leidenschaft, Fruchtbarkeit und Königswürde. Erst in der Barockzeit fing man an, die Eier kunstvoll zu bemalen und zu verzieren. Je nach Region und Tradition wurden verschiedene Muster, Abbildungen und Techniken entwickelt.
Sorbische Eierkunst
Ein solches traditionelles Kunsthandwerk beherrscht Birgit Baráth. Sie ist gebürtige Meißnerin und lernte Porzellanmalerei in der berühmten Manufaktur Meissen. Seit 1992 lebt sie mit ihrer Familie in Wolfratshausen. Jährlich ab dem Beginn der kalten Jahreszeit verbringt sie viele Stunden im Keller ihres Hauses. Birgit Baráth bemalt Ostereier in der sogenannten Wachspossiertechnik, das heißt sie malt mit flüssigem Wachs.
Es ist eine alte Tradition der Sorben, einem westslawischer Volksstamm, der in der Ober- und Niederlausitz lebt. Dieses Handwerk fordert eine ruhige Hand und den sicheren Umgang mit winzigen Werkzeugen. Auf ihrem Arbeitsplatz liegen zugeschnittene Federkiele, Wellensittichfedern und hauchdünne Nadeln mit Stecknadelköpfen herum, mit denen die Künstlerin die filigranen Muster aufträgt. Birgit Baráth lässt dazu auf umgebogenen Löffeln Wachsstücke und Farbpigmente über Teelichtflammen schmelzen.
Schon als Kind habe sie gerne Ostereier bemalt, sagt sie. Die richtige „Eier-Lust“ kam ihr erst in Wolfratshausen. Es ist eine feine Geduldsarbeit. Für ein Ei braucht sie zirka eine Stunde. Kein Luftzug darf in den Kellerraum hinein, denn jede Temperaturabweichung verändert die Konsistenz des Wachses und unterbricht den Malvorgang. Die kunstvollen Sorben-Eier von Birgit Baráth beeindrucken durch ihre filigrane Leichtigkeit. Jedes Ei ist ein Stück Individualität. Nur bei der Grundfärbung geht die Eierkünstlerin nach der Mode. Heuer sind ihre Ostereier in aktuelles Braun getaucht. Man kann die Künstlerin auf dem ihrem Stand besuchen.
Vielfalt in Form und Farbe
Birgit Baráth ist eine von gut fünfzig Ausstellern auf dem Eierkunstmarkt im Klosters Benediktbeuern, auf dem sich jährlich in der Osterzeit Künstler aus ganz Bayern und über die Grenzen hinaus zum Eierkunstmarkt „ova burana artistica“ im Kreuzgang des Klosters. Es gibt mannigfaltige Kunst am Ei zu bestaunen, die bei der klassischen Malerei mit Aquarell, Öl oder Tusche noch lange nicht aufhört. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt: seidenbestickte Eier, gedrexelte Eier mit Kerbschnitzerei, Kindereier mit Janosch-Motiven, Eier mit Metallauflage, gebatikte Eier, Gebetseier, Wachsstöckleier und natürlich das rote Brauchtums-Ei.
Osterkunst am Fuße des „Heiligen Bergs“
Gertrud und Walter Weiss aus dem Allgäu haben sich der Kunst am ovalen Rund verschrieben. Seit 1991 lässt sie diese Leidenschaft nicht mehr los. Sie waren schon oft in ganz Europa unterwegs, um auf Eierkunstmärkte Ausschau nach ganz besonderen Kunstwerken und ihren Künstlern zu halten. Die Neugier führte sie einmal schon bis nach Moskau. Eierkünstler, die ihnen imponieren, laden sie nach Bayern auf den Andechser Ostereiermarkt ein, der jährlich Anfang April auf dem Klosterberg Andechs stattfindet.
Weitere Ostermärkte in Oberbayern 2011Erstmals findet ein gemeinsamer Oster- und Töpfermarkt rund um das Pilatushaus in Oberammergau statt. Parallel dazu stellen Kunsthandwerker im Ammergauer Haus aus, darunter Holzschnitzer und Porzellanmaler. Man kann dort Eier selbst bemalen und bearbeiten. Es wird auf hohe Qualität des Angebots geachtet, erklärt Veranstalter Arndt Detter.
Erster Oberammergau Ostermarkt am 16. und 17. April
Traditioneller Ostermarkt in Bad Tölz vom 15. bis 25. April
Der Tölzer Ostermarkt in der historischen Marktstraße ist einen Besuch wert, denn hier sind ausgefallene Kunstwerke neben traditionellem Handwerk erhältlich. Einen Marktspaziergang kann man sich mit typisch oberbayerischen Spezialitäten schmackhaft machen.
