Eierlegende Säugetiere, gibt es die?

Schnabeltier - Dave Watts
Schnabeltier - Dave Watts
Eine Betrachtung der eierlegenden Unterklasse der Säugetiere, der Ursäuger. Kloakentiere, Monotremata. Erkenntnisse über die Entwicklung der Säugetiere.

Eier legen Vögel und Reptilien, aber Säugetiere? Säugetiere sind doch lebend gebärend, oder doch nicht?

Was sind eigentlich Säugetiere?

Säugetiere sind behaarte Wirbeltiere. Wirbeltiere besitzen eine Wirbelsäule, tragen meist Haare und ernähren ihre Jungen mit Milch. Sie sind Warmblüter, können also Körperwärme aus der Nahrungsenergie erzeugen und sie sind lebend gebärend. Alle weiblichen Säugetiere haben Milchdrüsen. Die Zahl der Zitzen hängt von der Zahl der Jungen ab. Nur Menschen, Menschenaffen und die übrigen Affen besitzen von Geburt an festgelegt ein Paar.

Vier Gliedmaßen, die entweder aus vier Beinen mit Füßen (quadruped) oder aus zwei Beine und zwei Armen bestehen, gehören ebenso zu den Merkmalen. Auch haben alle ein Herz, das in zwei Vorkammern und zwei Herzkammern geteilt ist. Säugetiere, die nur embryonal vier Gliedmaßen haben, sind die Wale und Seekühe, deren Becken- und Hintergliedmaßen stark verkümmert und äußerlich nicht mehr sichtbar sind.

Bei der Behaarung gibt es Arten, die nur mehr embryonal behaart sind. Manche Säugetierarten sind nur mehr in den ersten Lebenswochen zumindest schwach behaart, erwachsen fast oder ganz nackt , so etwa Wale, Seekühe, Nashörner, Elefanten, Flusspferde, Hirscheber, einige Flattertierarten.

Das Haarkleid ist ein wichtiges Merkmal der Säugetiere. Es dient der Wärmedämmung, also dem Erhalten einer gegenüber der Umwelt gleich bleibenden Körpertemperatur. So ist auch die starke Ausbreitung der Säugetiere über die ganze Erde erklärbar und zwar sowohl in gemäßigten Breiten, in Regionen extremer Hitze als auch in polaren Gebieten und in höchsten Gebirgsregionen.

Säugetiere legen also keine Eier, oder doch? Doch keine Regel ohne Ausnahme. Eine kleine Unterklasse, die Ursäuger, legt Eier und säugt anschließend die Jungen.

Die Unterklassen der Säugetiere

  • Plazentatiere oder Höhere Säugetiere (Placentalia oder Eutheria)

Das ist die artenreichste Unterklasse, bei der sich die Jungen in der Gebärmutter entwickeln. Die noch ungeborenen Jungen erhalten die notwendigen Nährstoffe durch die Plazenta (Mutterkuchen) in der Gebärmutter.

  • Die Beutelsäuger (Marsupiala oder Metatheria):

Diese Tiere tragen einen Beutel am Bauch in dem das in einem frühen Entwicklungsstadium geborene Junge heranwächst. Es gibt etwa 300 Beuteltierarten

  • Eierlegende Ursäuger (Prototheria)

Die Ursäuger stellen in der Entwicklung der Säugetiere eine besondere Form dar: Sie legen Eier und haben auch sonst noch Merkmale, die aus der Reihe tanzen. Eierlegende Säugetiere gibt es also wirklich; allerdings nicht die oft zitierte „eierlegende Wollmilchsau“, sondern die Kloakentiere oder Gabeltiere.

Systematik der Kloakentiere (Monotremata)

Die Kloakentiere sind die einzigen eierlegenden Säuger, sie sind nur in Australien, Tasmanien und Neuguinea beheimatet.

Die Kloakentiere (Monotremata) und ihre Besonderheiten

Die Bezeichnung "Monotremata" kommt von „monos“ einzeln, einzig und „trema“, Öffnung, Loch: Der Name ist treffend, denn sie besitzen nur einen gemeinsam geführten Ausgang von Harn-, Geschlechtswegen und Enddarm. Daher auch der im Deutschen wenig schöne Name "Kloakentiere".

Sie sind zahnlos. Als echte Zähne besitzen sie nur den Eizahn am Vorderrand des Schnabels, um aus dem Ei zu schlüpfen, der anschließend verloren geht, zum Zerkleinern der Nahrung haben sie Kauplatten.

Die Kloakentiere legen nach der Befruchtung Eier, wobei der Schnabeligel das Ei in einem Beutel bis zum Schlüpfen herumträgt, das Schnabeltier hingegen das Ei ins Nest legt. Nach etwa 10 Tagen schlüpft das Junge, das anschließend von den Milchdrüsen der Mutter ernährt wird. Die Weibchen haben allerdings noch keine Zitzen, sondern die Milch läuft über die Milchdrüsen direkt ins Haarkleid am Bauch und wird dort vom Jungen abgeleckt.

Die Kloakentiere, also Schnabeligel und Schnabeltier, mit ihren schnabelartig verlängerten Kiefern, stehen sowohl den Vögeln noch nahe, als auch den Reptilien, sie haben aber auch Eigentümlichkeiten der Beuteltiere. Deshalb stand lange die Frage im Raum, woher sich die Kloakentiere nun wirklich ableiteten.

Monotremata - Bindeglied in der Evolution oder nicht? Entschlüsselung des Genoms der Schnabeltiere

Einem internationalen Team von Forschern, unter der internationalen Leitung von Dr. Wesley C. Warren, darunter auch das Münsteraner Institut für Experimentelle Pathologie, ist es gelungen das Genom des Schnabeltieres zu sequenzieren und zu analysieren. Damit konnten sie die Position des Schnabeltieres in der Entwicklung der Säugetiere eindeutig bestimmen.

Durch das Entschlüsseln wurde eine lückenlose Rekonstruktion der genetischen Evolution der Säuger ermöglicht, meldet die Forschungsgruppe unter der Leitung von Dr. Wesley C. Warren vom Genom Sequencing Center der Universität St. Louis (USA) in ihrem Bericht in „Nature“ (Mai 2008), sowie in der Zeitschrift "Genome Research" (Juni 2008).

Das Genom des Schnabeltiers besteht aus circa 2,4 Milliarden Basenpaaren, davon wurden 1,84 Milliarden im Genomprojekt sequenziert. Zitat: "Die Größe des Genoms ist vergleichbar mit dem anderer Säuger, jedoch ist die Aufteilung auf 52 Chromosomen eher ungewöhnlich und hat Reptiliencharakter. Eine Besonderheit sind die Geschlechtschromosomen. Die männlichen Schnabeltiere besitzen fünf X- und fünf Y-Chromosomen, die weiblichen zehn X-Chromosomen, die wiederum den Z-Chromosomen der Vögel ähnlich sind."

Nach phylogenomischen Analysen von Gennady Churakov und Dr. Jan Ole Kriegs von der Universität Münster hat sich die Linie der Kloakentiere vor rund 166 Millionen Jahren als erste Abzweigung der Säugetiere von einem reptilienähnlichen Vorfahren abgespalten.

Ein interessantes, noch offen stehendes Kapitel in der Entwicklungsgeschichte der Säugetiere, wurde hiermit wieder um Einiges erhellt. Neue Erkenntnisse aus der Forschung über den Ameisenigel.

  • Quellen: Universität Münster, Institut für Experimentelle Pathologie
  • e.enyclopedia animal, Dorling Kindersley, London 2005
  • Bildnachweis: idw.online.de; Dave Watts; Britta Schwalm pixelio.de, Michaela Trummer pixelio.de

Eine weitere interessante Art, die Quolls, aus der Unterklasse der Beuteltiere.

Adele Sansone, Adele Sansone

Adele Sansone - Als Autorin für suite101.de interessieren mich vor allem die Bereiche Pflanzen und Tiere: Wie leben sie heute? Wie sind die einzelnen ...

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