
- Glückliches Federvieh - Sabine Kranich
Bevor eine Hühnerschar angeschafft wird, müssen einige Vorarbeiten geleistet werden, der Bau eines Hühnerstalls und die Anlage eines Hühnerauslaufs. Erst danach hat man die Qual der Wahl. Wie viele Hühner möchte man halten, welche Rasse, soll ein Hahn die Hühnerschar vervollständigen und wenn ja, möchte man eigene Küken ausbrüten lassen? Was ist zu beachten für die Haltung glücklicher Hühner im eigenen Garten? Hühner brauchen einen sicheren Stall für die Nachtruhe, einen gegen Wildtiere gesicherten Auslauf und eine artgerechte Ernährung.
Ein hühnergerechter Stall
Idealerweise dürfen Hühner den Tag draußen verbringen. Dann ist der Stall nur notwendig als Schlafquartier und für die Eierablage. Da Hühner nachts auf engen Raum schlafen und keine Berührungsängste haben, muss der Stall nicht übermäßig groß sein. Anders verhält es sich, wenn die Hühner zwar in Bodenhaltung gehalten werden, ihnen aber kein natürlicher Auslauf zur Verfügung steht. In diesem Fall sollte der Stall so geräumig sein, dass pro Quadratmeter Stallfläche nur zwei bis drei Hühner gehalten werden. Doch zurück zur artgerechten Hühnerhaltung mit täglichem Auslauf. Die meisten Hühnerrassen haben keine Probleme mit der winterlichen Kälte. Deshalb braucht der Stall in der Regel nicht isoliert zu sein. Wichtig ist, dass er zugfrei gebaut ist und nachts geschlossen werden kann. Eine oder mehrere - in einem Meter Abstand vom Boden befestigte - Sitzstangen gewährleisten die natürliche Nachtruhe der Hühner und eine einfache Entfernung des auf den Boden gefallenen Hühnerkots. In südlichen Ländern klettern Hühner sogar auf Bäume, um dort in sicherem Abstand vom Boden die Nacht zu verbringen. Eine Wassertränke und eine Futterschüssel vervollständigen die Einrichtung. In dunklen Stallecken werden Legenester aufgestellt. Sind es geschlossene Kästen, kann kein Hühnerkot von oben hineinfallen und sollte ein Huhn brüten wollen und dürfen, fühlt es darin geschützt. Offene Legenester erfüllen ihren Zweck jedoch genauso. Wichtig ist nur, dass sie mit Stroh oder Heu einladend ausgepolstert sind, um genau dort für die Eiablage zu motivieren. Hühner legen gern Nester an, hat die erste ein Ei in das Legenest gelegt, werden die anderen folgen. Um den Anfang zu machen, kann der Hühnerbesitzer auch ein erstes, künstliches Ei in das Nest legen .
Ein hühnergerechter Auslauf
Hühner wollen von Natur aus in der Erde scharren, sich tagsüber an frischer Luft und Sonne aufhalten. Hühner wollen sich im Staub wälzen können, um anschließend ihr Gefieder aufzuschütteln. Dadurch können sie Hühnermilben entfernen. Wenn sie dürfen, können Hühner ihren kompletten Eiweißbedarf mit selbstgezupften Gras decken. Wächst frisches Gras nicht ausreichend im Hühnerauslauf, ist die Alternative frisch geschnittenes Gras.
Es ist empfehlenswert, den Auslauf zum Schutz der Hühner vor anderen Tieren zwei Meter hoch mit Maschendraht einzuzäunen. Wird dieser Zaun begrünt, sieht er nicht nur besser aus, sondern bietet einen zusätzlichen Windschutz. Die Größe des Auslaufs richtet sich nach der Anzahl der Hühner, noch oben hin sind keine Grenzen gesetzt, für eine artgerechte Haltung kann er nicht groß genug sein. Es ist optimal, wenn Teile des Auslaufs abwechselnd abgesperrt werden können, um Grünfutter auszusäen und anzuziehen für die spätere Ernte durch die Hühner. Wildsamengemische eignen sich sehr gut dafür. Ist der Auslauf groß genug, können Bäume und Büsche als Schutz hineingepflanzt werden. Handelt es sich dabei um früchtetragende Gewächse, tragen sie zur natürlichen Speiseplanaufbesserung der Hühner bei. Ein Komposthaufen, der sich im Hühnergehege befindet, wird ein beliebtes Ziel für die tägliche Futtersuche sein. Soll vermieden werden, dass die Hühner ihn breitflächig verteilen, muss er einen halben Meter hoch eingefasst werden.
Fütterung der Hühner
Im Handel wird Alleinfutter für Legehennen angeboten. Wird dieses verfüttert, legen die Hühner regelmäßig Eier und alle Nahrungsbedürfnisse sind abgedeckt. Will man jedoch seine Hühner biologisch ernähren, kann ein Körnergemisch aus Weizen, Gerste und Mais gefüttert werden. Vorgekeimtes Getreide hat einen viel höheren Nährwert als einfaches Körnerfutter. Dazu Gerste, Weizen, Mais oder Hafer einen Tag lang in Wasser einweichen und danach in Kisten auslegen, die mit Folie ausgekleidet sind. Nach vier bis fünf Tagen Keimdauer hat das Getreide bis zu zwei Zentimeter lange Sprossen gebildet und kann verfüttert werden. Ausschließlich übrig gebliebene Essensreste zu füttern ist keinesfalls ausreichend. Kleingeschnittene, schwach gewürzte Küchenabfälle können aber den Speiseplan ergänzen. Da Hühner Allesfresser sind, schrecken sie auch nicht vor übrig gebliebenen Hühnchensalat zurück. Zerstampfte Eierschalen und Muschelkalk garantieren eine ausreichende Kalkaufnahme und harte Eierschalen. Schimmelfreies, zerhacktes und zerbröseltes oder in Wasser eingeweichtes Altbrot wird auch gern als Nahrung angenommen. In der Regel wird zweimal täglich gefüttert, morgens und abends. Sauberes Wasser steht immer bereit.
Kein Fertigfutter zu verwenden kann den Nachteil haben, dass die Legeleistung der Hühner nicht kontinuierlich gut ausfällt. Zuviel Sommerhitze oder Winterkälte können zu weniger gelegten Eier führen. Aber es hat den Vorteil, dass man weiß, welche Futterkomponenten die Hühner aufnehmen und welche Inhaltsstoffe bis in die Eier hinein zugeführt werden.
Quelle:
Stern, A., Geflügel artgerecht halten: Hühner, Enten, Gänse, Puten, 2001
Seymour, J., Das große Buch vom Leben auf dem Lande, 2002
