Regenwürmer (Lumbriciden) sind in Landwirtschaft und Gartenbau biotische Indikatoren für das Vorhandensein von Humus und die Ertragsfähigkeit eines Bodens. Sie sind die wichtigsten Bodentiere Mitteleuropas. Bereits der berühmte Evolutionsforscher Charles Darwin (*1809, †1882) erkannte bei seinen Studien in aller Welt den nützlichen Einfluss der Regenwürmer auf die Bodenfruchtbarkeit. Kurz vor seinem Tod erschien das Werk „Die Bildung der Ackererde durch die Tätigkeit der Würmer“. Darin verbreitete Darwin seine Forschungsergebnisse zum Körperbau, zur Lebensweise sowie zu den Reflexen, Röhren und Exkrementhaufen der Regenwürmer.

Aktivitäten der Regenwürmer

Alle Regenwurmarten sind lichtempfindlich und nachtaktiv. Mit ihrer Grabetätigkeit übernehmen sie das Pflügen des Bodens. Als Destruenten zersetzen Regenwürmer organische Rückstände abgestorbener Pflanzen und Tiere (sog. Detritus) und schaffen stabile Bodenstrukturen. Der Regenwurm zieht abgestorbene, stickstoffreiche Pflanzenteile in seine Gänge, frisst diese und nimmt auch Erde zu sich. Im Darm verbinden sich dabei Ton- und Humusteilchen zu Krümelaggregaten. Diese Ton-Humuskomplexe erhöhen sowohl den Anteil wasserspeichernder Mittelporen als auch die Kationenaustauschkapazität und damit die Nährstoffspeicherung und -verfügbarkeit.

Die Ausscheidungen des Regenwurms wirken auch deshalb bodenverbessernd, weil er ihnen kalkartige Sekrete zusetzt*, die das lockernde Röhrengerüst stabilisieren. Regenwürmer verbessern so die Wasser- und Luftleitfähigkeit und machen das Bodengefüge zugleich widerstandsfähig gegenüber leicht verschlämmend wirkenden Niederschlägen. Indem die mit über 20 Millimeter Größe zur Makrofauna des Bodens zählenden Regenwürmer sowie andere Bodentiere Ernterückstände, abgefrorene Zwischenfrüchte, Laub und organische Dünger wie Stallmist in den Boden einwühlen, die Erde damit durchmischen und bei der Verdauung Kohlenhydrate aufschließen, bereiten sie quasi den weiteren Abbau und die Mineralisierung zu anorganischen Pflanzennährstoffen durch Mikroorganismen vor.

Was Regenwürmer nicht mögen: Pflügen, Verdichtung, Trockenheit, Staunässe, Versauerung

Für optimale Besatzzahlen mit Lumbriciden sollte Folgendes beachtet werden: Ein großes Nahrungsangebot in Form von durchgehender Begrünung, Mulchdecken und anderen Humusauflagen ist von Vorteil, damit sich Regenwürmer am Standort vermehren. Das Abfahren von Stroh und wendende Bodenbearbeitung mit dem Pflug können diese Forderung nicht erfüllen. Beim Pflügen werden zudem Regenwürmer verletzt und getötet. Außerdem zerstört intensive Bodenbearbeitung die Wurmröhren. Große Regenwurmpopulationen finden sich hingegen unter Grünland, mehrjährigem Feldfutterbau und Äckern, die über reduzierte Bodenbearbeitung, Mulch- und Direktsaat sowie Strip tillage (Streifenbearbeitung) bestellt werden.

Regenwürmer sind nur bei ausreichender Bodendurchlüftung und Bodenfeuchte sowie Bodentemperaturen zwischen 10 und 25 Grad Celsius aktiv. So liegt der pH-Wert idealerweise im neutralen Bereich, wobei die Toleranzen in Bezug auf die Bodenreaktion von Typ zu Typ variieren. So besiedeln der Köcher- und Stubbenwurm auch saure Böden. Schwieriger, aber nicht unmöglich sind Regenwürmer in sandigen Böden, weil deren Wasserhaushalt unausgeglichener ist, sie zu Versauerung neigen und die groben, zum Teil scharfkantigen Sandkörner die nackte Haut der Würmer leichter verletzen können. Die Wurmröhren sind weniger stabil. Regenwürmer mögen auch keine verdichteten und schlecht durchlüfteten Böden. Bodenschadverdichtungen sind durch kontrollierte Permanent-Fahrspuren auf dem Feld und extensive genutzte Weiden mit verträglichen Viehbesatzdichten vermeidbar. Stabilisierend auf das Bodengefüge wirken sich der Zwischenfruchtanbau mit beispielsweise Klee- oder Ackergrasmischungen sowie regelmäßige Kalkungen aus.

Was Regenwürmer noch gefährdet

Weiterhin sind Regenwürmer durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Wirkstoffkombinationen gefährdet. Darum ist es ratsam, auf als regenwurmtoxisch gekennzeichnete Nematizide, Insektizide und Fungizide zu verzichten. Auch auf Schwermetalle reagieren Lumbriciden empfindlich. Echte Regenwurmkiller sind alle bodenschädigenden Entwicklungen, wie der Boden- und Nährstoffabtrag durch Erosionsgeschehen auf unbedeckten Angriffsflächen bei Stürmen, Starkregenfällen und Hochwasser. Durch Flächenversiegelungen zwecks Bebauungen wird der Lebensraum Boden für Lumbriciden und viele andere Bodentiere gänzlich unbewohnbar.

Weiterführende Literatur

"Zur Biologie der Regenwürmer, Aufnahme und Bestimmung der Arten" von Gundula Klämt

"dreck" von David R. Montgomery

Bodenkundliche Kartieranleitung der Ad-hoc-AG Boden, Hannover 2005

*"Das organische Leben im Boden und die Bodengüteklassen" von Dr. Gerhard Winkler in "Der junge Naturforscher", Berlin