
- Das Osterrad brennt - B.Linde
Die lippische Stadt Lügde liegt im Weserbergland, östlich von der durchs Tal fließenden Emmer und nordöstlich vom Teutoburger Wald.
Lügde: eine Stadt mit Geschichte
Die Stadt wurde schon im Jahre 784 erwähnt, als Karl der Große im damaligen Herzogtum Sachsen sein erstes Weihnachtsfest feierte. Dort wurde zur Erinnerung an dieses Ereignis eine Kirche errichtet. Im 12. Jahrhundert wurde an deren Stelle die Kiliankirche gebaut. Lügde wurde im Laufe der Jahrhunderte von den unterschiedlichsten Herrschern bedrängt, war Sitz des Grafen von Pyrmont und wurde 1255 zur Hälfte an den Erzbischof von Köln abgetreten. Hochwasser und Brände beutelten die Stadt und die Ackerbürger immer wieder. Etwas besser ging es den Menschen ab Mitte des 19. Jahrhunderts, als sie begannen Zigarren herzustellen.
Der Brauch der Osterräder
Den Brauch der brennenden Osterräder gibt es, neben dem bekannteren Osterfeuer, in vielen Gegenden von Deutschland. Er geht bis ins Mittelalter zurück und deutet auf einen heidnischen Hintergrund hin, den Sonnenkult. Damals sollten die Räder endlich den Winter und die bösen Geister vertreiben, den Frühling ankündigen, den Menschen eine gute Ernte und reichlich Nachkommen bringen.
Die Vorbereitung der Osterräder
Der Verein der Dechenbrüder hält die Tradition der rollenden Osterräder aufrecht. Ein paar Tage vor dem Osterfest beginnen die Dechenbrüder sechs schwere Eichenräder in die Emmer zu rollen. Dort müssen sie sich für ihren großen Auftritt mit Wasser vollsaugen, damit sie später nicht mit dem Stroh verbrennen. Karfreitag gehen die Dechenbrüder durch die Stadt und sammeln bei den Bürgern Geld für ihren Verein. Eine gute Gelegenheit für die Nachbarschaftspflege und um ein paar Neuigkeiten auszutauschen. Am Ostersamstag werden die Räder wieder aus der Emmer gezogen.
Am Ostersonntag wird eine Holzstange und jede Menge von dem extra vorbereiteten Stroh in die Räder gesteckt. Die Stange hilft später dabei, die Räder in die richtige Position zu bringen. Während sich in der Abenddämmerung die Besucher langsam einen günstigen Platz suchen, wird das Kreuz auf dem Osterberg ins rechte Licht gesetzt.
Das Ritual der Osterräder beginnt
Die Spannung steigt, Kanonenschüsse kündigen dann den baldigen Start der Osterräder an. Früher rollten die Räder von mehreren Anhöhen ins Tal herunter, heute findet die Aktion nur noch am Osterberg statt. Während das erste Rad angezündet wird, beginnt von der Stadt her eine Kirchenglocke zu läuten. So rollen die brennenden Räder nacheinander mit Glockengeläut vom Gipfel des Osterberges ins Tal herunter.
Das Schauspiel dauert ungefähr eine Stunde. Es ist ein Anblick, der nicht so schnell vergessen wird, wenn die großen, in Flammen stehenden Räder in die Dunkelheit rollen und dann aus dem Blick der Zuschauer verschwinden. Nachdem alle Räder im Tal angekommen sind, können die Besucher und die Bewohner der Stadt noch ein Feuerwerk bestaunen.
Der Eintritt zu dieser Veranstaltung kostet 5 Euro. Auf der Homepage der Stadt können Sie noch mehr über Lügde und die Osterräder erfahren.
