Ein besonderer Abend mit Nachtstücken im Museum Georg Schäfer

Der Astrologe, Ausschnitt  - Carl Spitzweg
Der Astrologe, Ausschnitt - Carl Spitzweg
Am 08.12.2011 erlaubt eine Nachtführung außergewöhnliche Einblicke in Haupt- und Seitenräume des Museums. Freien Eintritt ins MGS gibt es am 18.12.2011.

Bis zum 19. Februar 2012 dreht sich die aktuelle Sonderschau im Museum Georg Schäfer um „Nächtliche Sternstunden“ von Spitzweg und anderen Künstlern der Sammlung. Am Donnerstag, den 8. Dezember 2011 kann man ab 20 Uhr ungewöhnliche Einblicke ins Museum an der Schweinfurter Brückenstraße gewinnen. Wer sich noch kurzfristig anmelden möchte, kann dies unter der Telefonnummer 09721/514825 tun. Am Sonntag, den 18. Dezember 2011 gewährt das MGS dann freien Eintritt in alle Ausstellungsräume. Ein Grund mehr, das Museum Georg Schäfer zu besuchen. Zumal das Motto der Ausstellung bestens in die Advents- und Weihnachtszeit passt.

Verschiedene Seiten der Nacht

„Die Nacht ist stilles Leben. Sie birgt Geheimnisvolles für den Einzelnen und Botschaften vor blaugrünem Sternenhimmel.“ Mit diesen Worten brachte Carl Spitzweg auf den Punkt, was ihn an der Dunkelheit so faszinierte. Doch richtig dunkel sind Spitzwegs Nachtstücke sowieso nie. Den blaugrünen Sternenhimmel, den er in dem Zweizeiler poetisch beschreibt, malte er ab 1870 in seinen besten Nachtbildern mit dem von ihm so geliebten Coelinblau. Seinen Gedichten ist übrigens in der Ausstellung auch genügend Raum gewidmet. Denn Spitzweg war nicht nur Maler, sondern auch Poet, aber wohl kein armer.

In der Ausstellungseröffnung schilderte Museumsleiterin Dr. Bertuleit anschaulich, wie die Menschen zur Zeit des Biedermeiers die Nacht empfunden haben mögen. Die Maler bildeten also nicht nur Landschaften ab sondern auch Urängste und Sehnsüchte. Heute aber machen wir die Nacht zum Tage. Sei es im Beruf mit Schichtarbeit und Bereitschaftsdiensten oder in der Freizeit als Nachtschwärmer durch Diskotheken und Bars. Stille und Dunkelheit sind dem modernen Menschen fremd geworden. „Für Freunde der kostbaren Ruhe“ überschrieb Sigrid Bertuleit ihren Leitartikel zur Sonderschau „Nächtliche Sternstunden und das Glück des Augenblicks“.

Kleiner Rundgang durch die Ausstellung

Das Gedicht von Spitzweg quer über dem Haupteingang stimmt schon ins Thema der Sonderausstellung ein. Im ersten Saal dreht sich alles um die Nacht aus dem Blickwinkel der jüdischen und christlichen Mystik. Dabei darf natürlich die Weihnachtsgeschichte nicht fehlen. „Das Dreikönigsspiel“ von Johann Konrad Seekatz und Spitzwegs „Der Stern von Bethlehem“ zeigen wie unterschiedlich die Künstler das Motiv umgesetzt haben. Den Höhepunkt in Raum 2 bildet „Brennendes Haus und gotische Kirche“ von Caspar David Friedrich. Das Gotteshaus überragt die Flammenhölle wie eine Trutzburg und wird sie unbeschadet überstehen. Ganz anders als die brennenden Gebäude auf den Werken von Heinrich Schwemminger (Der Türmer) und Johann Georg Trautmann (Nächtliche Feuersbrunst mit Burg / Nächtliche Feuersbrunst mit Kirche).

Neben Spitzwegs „Zapfenstreich (Musikanten der Scharwache)“ hängt das Werk eines unbekannten Kopisten, das bei Weitem nicht an die meisterliche Darstellung im Original heranreicht. Doch eigentlich zeigt Carl Spitzweg auf Bildern wie dem „Nachtwächter in einer alten Stadt" eine Idylle mit Nachtwächtern oder Postkutschen, die zu seinen Lebzeiten längst schon passé war. Sein „Martel im Mondschein“ in Saal 3 wird eingerahmt von den Werken eines typischen Vertreters der deutschen Romantik: „Friedhof bei Mondschein“, „Hoher Göll bei Mondschein und Hintersee“ sowie „Fenster am Oybin bei Mondschein“ stammen allesamt von Carl Gustav Carus.

Der Blick zum Sternenhimmel

Weniger romantisch, aber wohl genauso faszinierend wirkt der Blick zum Erdtrabanten auf den Fotos der Schweinfurter Sternwarte. Ein eigener Raum setzt die Aufnahmen ins richtige Licht oder besser gesagt Halbdunkel. Wie gemalt scheint die wunderschöne Fotoserie von der totalen Sonnenfinsternis im August 1999. Sie findet ihr Pendant in dem Bild „ Die Sonnenfinsternis am 8. Juli 1842“ von Jakob Alt. Denn wohl zu allen Zeiten starrten Menschen gebannt auf dieses seltene Himmelsschauspiel.

Eine Aufnahme der Sternwarte vom sternenübersäten Nachthimmel wirkt durch die leuchtenden Blautöne fast wie ein Gemälde Spitzwegs. Doch während zu seinen Lebzeiten die Nacht allenfalls durch Gaslaternen erhellt wurde, erschwert heutigen Astronomen die zunehmende Lichtverschmutzung eine ungetrübte Beobachtung des Sternenhimmels. „Der Astrologe (Sternengucker, 1860/64)“ von Carl Spitzweg kannte solche Probleme noch nicht. Das Bild „Mondnacht mit lesendem Mönch“ wurde hingegen nicht - wie ursprünglich vermutet - von Spitzweg gemalt, sondern von Wilhelm Lichtenfeld.

Bildnachweise: © alle Museum Georg Schäfer

  1. Carl Spitzweg, Der Stern von Bethlehem, 1870/72, Öl auf Malpappe
  2. Jakob Alt, Die Sonnenfinsternis am 8. Juli 1842, Öl auf Leinwand
  3. Carl Gustav Carus, Fenster am Oybin bei Mondschein, 1825/28, Öl auf Leinwand
  4. Carl Spitzweg, Der Astrologe (Sternengucker), 1860/64, Öl auf Leinwand

Als Quellen dienten der Artikel von Sigrid Bertuleit im Magazin „Stadt/Kultur/Themen“ des Schweinfurter Tagblattes vom Dezember 2011 sowie die Pressemappe des Museums Georg Schäfer. Die Autorin dankt dem MGS für die freundliche Überlassung von Bild- und Informationsmaterial.

Ursula Wyputta, Ursula Wyputta

Ursula Wyputta - Über zwanzig Jahre lang arbeitete ich als technische Assistentin, Gesundheits- und Umweltberaterin. Nach einem Fernstudium ...

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