
- Die große Moschee von Paris - Christa Kaddar
Die Entscheidung, eine große Moschee in Paris zu bauen, fiel 1916 unmittelbar nach der Schlacht von Verdun, in der auch viele Soldaten muslimischen Glaubens ihr Leben ließen. Der Bau der Moschee war Frankreichs Dank an die Muslime für die Unterstützung während des Ersten Weltkriegs und eine Ehrung der 100.000 gefallenen muslimischen Soldaten. Bis der Grundstein gelegt wurde, dauerte es noch sechs Jahre. Eingeweiht wurde die Moschee im Juli 1926 vom französischen Präsidenten Gaston Doumergue und dem marokkanischen Sultan Moulay Youssef. Ahmed al-Alawi, ein algerischer Sufi, leitete das erste Gemeinschaftsgebet während der Eröffnung.
Die große Moschee von Paris ist mit wertvollem Kunsthandwerk ausgestattet
Ein 33 Meter hohes Minarett macht auf die Moschee im fünften Pariser Arrondissement aufmerksam. Besucher sind willkommen in der im maurischen Stil erbauten Moschee, die täglich geöffnet ist. Nordafrikanische Kunsthandwerker haben die Moschee mit meisterhaften Mosaiken, Ornamenten und Holzschnitzereien ausgestattet; wertvolle Geschenke aus islamischen Ländern haben hier ihren Platz gefunden. Besonders schön ist der große Gebetsraum mit einer achteckigen Kuppel, bunten Fenstern und kostbaren Teppichen. Er bietet bis zu 600 Menschen Platz und kann zu den Gebetszeiten nicht besichtigt werden. In den anderen Räumen können sich Besucher frei bewegen. Auf Wunsch können auch geführte Rundgänge vereinbart werden. Die Moschee hat eine gut bestückte Bibliothek und einen Raum für Konferenzen und Unterricht, wo Arabisch und der Koran gelehrt werden.
Der Innenhof der Moschee mit seinen weißen Marmorfliesen, dem andalusisch gestalteten Garten, mit seinen Wasserbecken und Springbrunnen wirkt inspirierend und lädt zum Verweilen ein – zum Krafttanken in einem Hafen der Ruhe.
Die Pariser Moschee gilt als Symbol eines tolerant gelebten Islams
Seit mehr als 80 Jahren ist die Moschee im Herzen von Paris ein Ort, an dem sich gläubige Moslems zum Gebet versammeln. Im Zweiten Weltkrieg war die Moschee auch ein Ort des Widerstands gegen die Nazi-Besatzung. Auch jüdische Familien fanden hier Schutz, bevor sie die Flucht in die Länder Nordafrikas antreten konnten. Und so stand und steht diese Moschee immer für einen tolerant gelebten Islam. Die wichtige Rolle der Moschee als Übermittlerin eines authentischen Islams betont auch Dr. Dalil Boubekeur, der seit 1992 Rektor der Pariser Moschee ist. Für ihn ist sie das Symbol einer Religion, die die Toleranz, den Dialog, die Brüderlichkeit und die Liebe preist und Gewalt, Radikalismus und Obskurantismus entschieden ablehnt.
Auf dem Gelände der Moschee befinden sich auch das Restaurant „Aux Portes de l’Orient“, das arabische Spezialitäten wie Couscous und Tajine anbietet, ein Salon de Thé, und ein „Souk“ – Boutiquen mit arabischem Kunsthandwerk – wie auch ein Hamam, das zu einem Dampfbad nach orientalischer Tradition einlädt.
Adresse: Grande Mosquée de Paris, 2, place du puits de l’Ermite, 75005 Paris. Metrostation : Place Monge.
