Konstant seit den 90er Jahren wird das in Chile gelegene Observatorium der Ruhr-Universität Bochum (RUB) ständig erweitert. Nun erfolgte die Umbenennung in „Universitätssternwarte“. In Nordrhein-Westfalen ist die Ruhr-Universität damit die einzige Hochschule, die sich mit dem Besitz einer solchen Einrichtung schmücken kann. Vor Ort, in der Atacamawüste, wie auch – dem Internet sei Dank – im heimischen Bochum, analysieren die Astronomen um Prof. Dr. Rolf Chini die mit den empfindlichen Teleskopen empfangenen Daten. Insgesamt fünf dieser hochtechnisierten Geräte stehen zur Verfügung, darunter das an der Ruhr-Universität entwickelte Hexapod-Teleskop.
Finanzierung durch Akademie der Wissenschaften und Künste
Laut Pressemitteilung der RUB (Nr. 146) sei die finanzielle Frage bis Ende 2015 gelöst. Ein Langzeitprogramm zur Erforschung variabler Phänomene ist durch die Unterstützung der Akademie der Wissenschaften und Künste von NRW abgesichert. Diese Akademie hat sich der Unterstützung der wissenschaftlichen Forschung verschrieben. 1997 gegründet, finanziert sie sich vorrangig aus Spenden und Beiträgen und weist, neben einigen Nobelpreisträgern, auch Seine Heiligkeit, Papst Benedikt XVI. als korrespondierendes Mitglied auf.
Inmitten der chilenischen Wüste gelegen
Nahe der Stadt Antofagasta im Norden Chiles ist die neu benannte Universitätssternwarte beheimatet. Inmitten der etwa 15 Millionen Jahre alten Atacamawüste, die als die trockenste der Erde gilt. Diese heute recht dünn besiedelte Gegend war im Laufe der Jahrtausende die Heimat verschiedener Völker, unter ihnen die Chinchorros, bekannt für die derzeit am Weitesten zurück-datierbaren Mumienfunde. Aufgrund der abgeschiedenen Lage der Universitätssternwarte musste eigens eine Straße errichtet werden, die die Forschungseinrichtung mit der Außenwelt verbindet. Der nötige Strom für das Observatorium entsteht vorbildlich in Eigenversorgung ausschließlich dank regenerativer Energien. Unter anderem werden Solar-Batterien und Windräder zur autarken Versorgung genutzt.
Chile ist bester Standort für astronomische Beobachtungen
Bereits in den 60er Jahren, kurz nach Gründung der RUB 1964, entstand auf der Europäischen Südsternwarte (ESO) in La Silla ein durch die Ruhr-Universität errichtetes Teleskop. Seit dem hat sich die Atacamawüste für die internationale Forschung als bester Standort für astronomische Beobachtungen erwiesen, so dass neben den genannten noch weitere Observatorien dort vorzufinden sind.
Außer dem Namen scheint sich glücklicherweise nichts zu ändern, denn auch mit der "Universitätssternwarte" ist es den Bochumer Wissenschaftlern weiterhin möglich, auch aus dem Ruhrgebiet heraus ihre astronomischen Forschungen zu betreiben. Nach der Größe von sich im Zentrum von Galaxien befindlichen schwarzen Löchern wird ebenso geforscht wie nach den Gründen für extrem starke Ausbrüche auf noch ganz jungen Sternen. Auch geht man der Frage nach, ob die schwersten Sterne wirklich Zwillinge oder Drillinge sind. Die Astronomen der RUB können sich Zeit nehmen für Ihre Forschungen. Denn wenn auch in großen Sternwarten die Beobachtungszeit rar ist, die Bochumer braucht das nicht zu kümmern - sie haben ja ihre eigene.
