
- Wappen von Niedersachsen - Land Niedersachsen (gemeinfrei)
Die unmittelbar bevorstehende Wahl des 10. Deutschen Bundespräsidenten könnte bei einem Sieg des CDU/CSU/FDP-Kandidaten Christian Wulff für Deutschland eine recht bemerkenswerte Veränderung mit sich bringen: Neuer Ministerpräsident von Niedersachsen wird der schottischstämmige David McAllister.
David McAllister – wer ist das?
David McAllister wurde am 12. Januar 1971 als drittes Kind (er hat zwei ältere Schwestern) eines schottisch-deutschen Ehepaares in Berlin geboren.
Sein Vater, ein ehemaliger Fernmeldesoldat der 51st Highland Division der Britischen Armee und von Juni 1944 bis Mai 1945 im Kampf gegen die Deutsche Wehrmacht, arbeitete seit Mitte der 1950er als technischer Beamter für die britischen Streitkräfte in Berlin. Davids Erziehung war durch und durch britisch: Daheim, in der britischen Siedlung nahe des Berliner Olympiastadions, wurde Englisch gesprochen; David ging in einen britischen Kindergarten und besuchte eine britische Schule, zu der ihn ein Bus der britischen Streitkräfte fuhr; im Radio lief BFBS, man begeisterte sich für Cricket-Spiele und las stapelweise britische Zeitungen. Davids Mutter, eine Deutsch- und Gesangslehrerin, sorgte trotzdem dafür, dass David neben seiner britischen auch die deutsche Staatsangehörigkeit bekam.
1982 wurde Vater McAllister pensioniert. Nun stellte sich die Frage, ob man nach Großbritannien zurückkehren oder in Deutschland bleiben solle. Auf jeden Fall wollte die Familie die Großstadt verlassen und aufs Land ziehen. Vater McAllister erinnerte sich an die Zeit nach Kriegsende, die er in der Nähe von Bremervörde zwischen Weser- und Elbmündung verbracht hatte. Die Familie zog von Berlin nach Bad Bederkesa, 20 Kilometer östlich von Bremerhaven.
Aus dem »Briten« wird ein »Norddeutscher«
Der elfjährige David benötigte nur wenige Wochen, um den Briten in sich abzulegen und zu einem Norddeutschen zu werden. Statt Cricket und britisches Militär gab es nun Tischtennis und Schützenverein. 1989 machte er sein Abitur und diente zwei Jahre beim Panzerbataillon 74 im nahen Cuxhaven. Zu seinem Bundeswehr-Gelöbnis nach Ende der Grundausbildung kam sein Vater – es muss eine sehr bewegende Szene gewesen sein, als Vater McAllister, der aktiv gegen deutsche Soldaten gekämpft hatte, seinen eigenen Sohn in einer deutschen Uniform erlebte. Die Freude über die Symbolkraft, dass ehemalige Feinde zu Freunden werden konnten, wurde durch den Tod von Davids Vater in der Silvesternacht 1990 getrübt.
Politische Karriere
Bereits 1989 traf McAllister bei einer Tagung der Jungen Union auf CDU-Prominenz. Alfred Dregger war Gastredner und blickte ausgesprochen erstaunt, als sich sein Gegenüber mit dem Namen »McAllister« vorstellte. Dregger fragte nach: »Wer?« – »McAllister.« – Dregger konnte es wohl noch immer nicht glauben. Da schob David McAllister die Bemerkung nach, dass er gerade beim Panzerbataillon 74 diente, was Dregger zutiefst beruhigte.
Von 1991 bis 1996 studierte David McAllister dank eines Stipendiums der Konrad-Adenauer-Stiftung in Hannover Jura und arbeitete ab 1998 als Rechtsanwalt. Bereits während seines Studiums war er Kreisvorsitzender der Jungen Union in Cuxhaven. Im selben Jahr wird David McAllister in den Niedersächsischen Landtag gewählt. 2002 übernimmt er das Amt des Generalsekretärs der CDU Niedersachsen, 2003 die Funktion des CDU-Fraktionschefs. 2008 wird er mit 98,9 % der Stimmen zum Nachfolger von Christian Wulff als Vorsitzender der CDU Niedersachsen gewählt.
Wulff, der am 30. Juni 2010 für das Amt des Bundespräsidenten kandidiert, hat in Abstimmung mit der CDU-Landtagsfraktion David McAllister zum designierten Ministerpräsidenten erklärt. Damit wäre er der zehnte und mit 39 Jahren zugleich der jüngste Ministerpräsident in der Geschichte Niedersachsens
Als David McAllister Fraktionschef der CDU im Niedersächsischen Landtag wurde, reagierte auch das Ausland. Sowohl englische wie auch schottische Zeitungen schrieben erstaunt über die Karriere eines Briten in der deutschen Politik. Die »Scotland News« titelten 2003 sogar: »McAllister – Chancellor 2010».
Der Privatmann David McAllister
David McAllister lernte 1991 während seines Studiums Dunja Kolleck kennen, zwölf Jahre später heirateten die beiden (McAllister trug bei der Trauung einen Kilt). Heute hat das Paar zwei Töchter und lebt in Bad Bederkesa.
David McAllister hat eine ganze Reihe »typisch britischer Eigenschaften« beibehalten, vor allem einen guten Schuss britischen Humor, die Kunst zur Selbstironie und die Schlagfertigkeit (die er ausgiebig in den Debatten mit Sigmar Gabriel übte). Er sucht ganz bewusst den Kontakt zu den »kleinen Leuten« und hört sich ihre Sorgen an – und ist dabei auch des öfteren bei McDonald’s anzutreffen. McAllister mag es nicht, vorgefertigte Ratschläge für schnelle Entscheidungen zu bekommen, er will schlüssige Begründungen hören. Und dabei kann er durchaus auch mal ungeduldig und laut werden, was ihn spürbar von Wulff unterscheidet.
Sollte Christian Wulff tatsächlich die Wahl zum Bundespräsidenten gewinnen, hätte Niedersachsen nach der ersten türkischstämmigen Ministerin in einer Landesregierung den ersten Ministerpräsidenten mit britischen Wurzeln. Was würde wohl Alfred Dregger dazu sagen?
