Der Viktoriasee in Ostafrika ist durch den Film „Darwins Albtraum“ von Herbert Sauper aus dem Jahre 2005 in der Öffentlichkeit bekannt. Die Einführung des Nilbarsches (Lates niloticus) führte dazu, dass etliche endemische Buntbarscharten ausgerottet wurden und weitere unter starkem Druck stehen.

Die wachsende einheimische Bevölkerung kann sich den teuren Nilbarsch als Speisefisch nicht leisten. Dafür landen die Filets dann als Viktoriabarsch in europäischen Fischgeschäften. Die ebenfalls eingeführte Wasserhyazinthe (Eichhornia crassiceps) verstopft Schifffahrtswege und verändert durch die Oberflächenabdeckung die biologischen Verhältnisse im See. Die Bevölkerung der an den Viktoriasee angrenzenden Länder Tansania, Uganda und Kenia wächst ständig und damit der Druck durch landwirtschaftliche Einträge in den See, sodass er immer nährstoffreicher wird. Ein Prozess, den Gewässerkundler Eutrophierung nennen.

Buntbarsche aus dem Viktoriasee

Auch Buchautor Axel Böhner thematisiert die ökologischen Tatsachen und Probleme des Viktoriasees. Im Mittelpunkt seines Buches stehen jedoch die Buntbarsche (Familie Cichlidae) des Viktoriasees und ihre Pflege im Aquarium. Mehrere Hundert Arten davon gibt es im Viktoriasee. Die meisten, die in deutschen und europäischen Aquarien gepflegt werden, stammen aus dem südlichen Teil des Sees, dem Mwanza Golf und der Speke-Bucht. Der See ist mit rund 69.000 km² etwa so groß wie das Bundesland Bayern.

Die moderne Erforschung der Buntbarsche des Viktoriasees begann in den 1970er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die Forschungsgruppe HEST der niederländischen Universität Leiden begann eine intensive Erforschung. Das Haplochromis Ecology Survey Team arbeitet noch heute. Trotz Ausrottung werden noch neue Arten entdeckt und wissenschaftlich beschrieben.

Viktoriasee-Cichliden für das Aquarium

Axel Böhner, Jahrgang 1946, befasst sich seit 1995 mit Buntbarschen aus dem Viktoriasee. 2009 hat er zusammen mit anderen interessierten Aquarianern die Interessengemeinschaft Viktoriasee-Cichliden gegründet. Ihr Ziel ist es, noch vorhandene Arten zu erhalten und das Wissen über sie zu verbreiten. Sein Buch ist Teil dieser Arbeit. Haplochromis ist eine bekannte Gattung mit zahlreichen Arten, die noch nicht beschrieben sind und deshalb Handelsnamen vorgestellt werden, z.B. Haplochromis sp. „thick skin“ oder H. sp. „tipped blue“.

In dem Buch werden Gattungen vorgestellt, die in anderen Büchern oft vergeblich gesucht werden: Astatoroechromis, Astatotilapia, Harpagochromis, Labrochromis, Lipochromis, Mbipia, Neochromis, Paralabidochromis, Platytaeniodus, Prognathochromis, Pseudocrenilabrus, Ptyochromis, Pundamilia, Pyxichromis und Yssichromis.

Lebensräume der Buntbarsche im Viktoriasee

In einem so großen See wie dem Viktoriasee gibt es zahlreiche unterschiedliche Lebensräume. Die meisten der Gattungen haben sich spezialisiert. Es gibt Arten des Freiwassers (Pelagial), andere bevorzugen Schlammböden oder Hornkrautwiesen, wieder andere die Sandküsten oder Felsformationen. Die Hinweise zur Pflege und Zucht der einzelnen Arten orientieren sich an diesen natürlichen Gegebenheiten.

Alle Arten und viele Farbformen sind mit Farbfotos und einer kurzen Beschreibung dargestellt. Nicht nur die bunten Arten, sondern auch die unscheinbaren sind es aufgrund ihres interessanten Verhaltensrepertoires wert, im Aquarium gepflegt und erforscht zu werden. Die aquaristischen Wasserwerte, die im Viktoriasee herrschen, machen das verhältnismäßig einfach: Temperaturen von 21 bis 30 °C, ein Säurebindungsvermögen zwischen 1 und 8 °KH (Karbonathärte), eine Gesamthärte von 2 bis 3 °dGH, eine elektrische Leitfähigkeit von 60 bis 145 µS/cm und ein pH-Wert von 6,9 bis 9,0.

Trotz einiger kleinerer Fehler (z.B. Leitwert mS/cm³ auf S. 6, statt richtig elektrische Leitfähigkeit µS/cm) und nicht professionellem Layout der Eigenedition ist es ein empfehlenswert Buch.

Axel Böhner: Die Viktoriasee-Cichliden in Deutschland. Ein Leitfaden für die Pflege von Buntbarschen aus dem Viktoriasee. Books on Demand Norderstedt 2010. Paperback.. 352 Farbfotos. 148 Seiten. 26,90 Euro.