Ein Buch über Zen ohne Geheimnisse von Jan B. Zenjii

Das geheime Buch des Zen - Verlag/Autor
Das geheime Buch des Zen - Verlag/Autor
Zen ist eine asiatische Philosophie und Meditation. Jan B. Zenji hat sie erweitert und ausgebaut. Eine nicht unkritische Betrachtung.

Geheimnisse, die verraten werden, sind bekanntlich keine mehr. Der Autor Jan B. Zenjii kündigt ziemlich sensationsheischend an, in seinem Buch würden „erstmalig alle Geheimnisse des Zen aufgedeckt.“ Die asiatische Lebensphilosophie und Meditation Zen ist weniger geheimnisvoll als eher voller Widersprüche. Was also kann der Autor Geheimnisvolles aus dem Zen verraten? Nach seiner Methode „benötigt man grundsätzlich keinerlei Lehrer, Guru oder Zen-Meister mehr“ kündigt er an. Der Weg zur Erleuchtung durch das Lesen eines Buches und Ausführen inhaltlicher Anweisungen? Ist das seriös?

Buddhas Lehre, Zen und Meditationspraxis

Mehr als vierhundert Seiten bietet der gelernte Diplom-Verwaltungswirt seinen suchenden Lesern an. Seit dem Jahr 2000 befasst er sich mit buddhistischem Gedankengut und Zen und erhielt die Lehrbefähigung durch einen Zen-Meister in Florida, wie seiner Webseite über Zen zu entnehmen ist. Drei große Kapitel gliedern das dicke, abbildungslose Taschenbuch; Theorie, Praxis und Tradition. Die Einleitung versucht in einer kurzen Übersicht die Frage zu klären, was Zen ist.

Theorie und Praxis, Traditionen und Rituale des Zen

Das erste Kapitel Theorie erzählt die Geschichte des Buddha, stellt die Lehre des Buddha dar, erzählt kurz die Geschichte des Zen und der Jhana-Stufen. Diese Darstellung ist sachlich nicht zu beanstanden. Sie stellt in klarer Sprache das Wesentliche zusammenfassend dar. Im zweiten Kapitel Praxis werden verschiedene Praktiken des Zen dargestellt. Sachlich erfährt der suchende Leser vom Atemzählen und richtigen Sitzen, um sich alsbald in einer Phase wieder zu finden, in der westliche psychoanalytische und psychiatrische Begriffe wie Archetypus, Verdrängung und Projektion mit karmischer Befreiung in Verbindung gebracht werden. Oder soll der Rezensent besser sagen: vermengt worden!?

Aufgrund historischer und ideengeschichtlicher Entwicklungen ist es schon schwierig genug herauszufinden, was der historische Shakyamuni Buddha tatsächlich gelehrt hat. Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen stammen von Schülern, die sie erst viele Jahrzehnte nach seinem Tod gemacht haben. Gedankengut westlicher psychologischer Systeme und psychiatrischer Lehren mit der Lehre Buddhas zu verbinden, ist – zumindest – mutig und gewagt. Zumal der Autor über die Qualifikation seiner entsprechenden Kenntnisse nicht darlegt. Dies ist inhaltlich der diskussionswürdigste Teil des Buches.

Das dritte Kapitel Tradition befasst sich mit den Ritualen, Zeremonien und Abläufen von Zen- und Zazen-Veranstaltungen. Die Darstellung kann interessierten zukünftigen Zen-Schülern die Angst nehmen, eine praktizierende Gruppe zu besuchen. Durch die Entzauberung von Zen-Meistern, Bodhisattvas und Dharma-Nachfolgern vermittelt der Autor hier ein sachliches Bild von Sangha und der Zen-Szene.

Das Buch wird ergänzt durch zwei Anhänge: Ein Glossar and Begriffen, welches nicht vollständig ist und zukünftig besser durch ein Stichwortverzeichnis ersetzt werden sollte. Einige bekanntere Rezitationstexte und Übersetzungen sind angehängt. Das Druckbild des Buches wirkt mehr wie ein Typoskript als ein Buchsatz. Hier hätte sich der Autor Hilfe bei einem Profi holen sollen, wie auch inhaltlich eine Lektoratsdurchsicht das Buch verbessert hätte. Hinsichtlich handwerklicher Mängel und des verlegerischen Hintergrunds ist das Buch zu teuer. Mit der dritten Auflage (ISBN 9783842374454) sollen diese Formalien verbessert worden sein. DIe Seitenzahl reduzierte sich gleichzeitig auf 248 Seiten. Auch wurde der Preis gesenkt.

Insgesamt wird die sensationelle Ankündigung, das Geheimnis des Zen zu lüften in dem Buch sachlicher umgesetzt, als der Titel befürchten ließ. Das Versprechen, alleine durch die Durchführung der geschilderten Methoden Erleuchtung in irgendeiner Stufe (Kensho, Satori, Nirwana) zu erlangen, hinterlässt allerdings einen schalen Nachgeschmack wie billige Zen-Ratgeber aus der Boulevardpresse.

Als Zen-Schüler ist ein Journalist immer im Zweispalt. Im Zen sind die Dinge so wie sind, aber auch nicht anders, wie es im Lankavatara-Sutra heißt. Die Rezension eines Buches ist immer auch eine Bewertung, was im Grunde sehr "unzenisch" ist. Deshalb hat der Buddha auch nicht missioniert, sondern soll gesagt haben: Prüfe selbst, ob der Weg der Befreiung etwas für dich ist. Er hat damit den Weg der Aufklärung schon vor zweitausend Jahren beschritten. Möge der Leser von Zen-Literatur dies auch tun.

Jan B. Zenji: Das geheime Buch des Zen. Hintergründe, Praxis und Anleitungen. Books on Demand GmbH Norderstedt. 2. Auflage 2011. ISBN 9783-8423-6430-1. 412 Seiten. Paperback. 39,90 €

Gerhard Ott, Annegret Ott

Gerhard Ott - Ott, Gerhard Manchmal genutztes Pseudonym: Perdurus Eus *11. Febr. 1954 in Walsum am Niederrhein, Studium Erziehungswissenschaften ...

rss