Ein Denkmal für Bombardierung?

Andenken ist man schuldig - Rainer Sturm / pixelio.de
Andenken ist man schuldig - Rainer Sturm / pixelio.de
In Kedzierzyn-Kozle, einer kleinen Stadt im Westen von Polen, streiten Einwohner leidenschaftlich über ein Denkmal, das an den Krieg erinnern soll.

Die Bürger von Kedzierzyn-Kozle treten engagiert für ein historisches Thema ein. Es gibt zwei Positionen: Die einen wollen es, die anderen sind dagegen. Die Geister scheiden sich um ein Denkmal. Es soll an die amerikanischen Piloten erinnern. Die Befürworter heben hervor, dass die Amerikaner "für unsere Freiheit" ihr Leben opferten. "Sie haben doch die Bomben auf unsere Familien geworfen", protestieren die Autochthonen.

Die polnische deutsche Stadt

Kedzierzyn-Kozle, zu Deutsch Heydebreck-Cosel oder Kandrzin-Cosel liegt heute in der Woiwodschaft Oppeln und zählt fast 65.000 Einwohner. Die kleine Stadt beherbergt große Fabriken und stellt ein Zentrum der chemischen Industrie dar. Vor dem Krieg kämpften hier 1921 die Aufständischen, um den Anschluss an Polen. Die Stadt blieb aber nach der Volksabstimmung in den deutschen Grenzen. Während des Krieges produzierte man in den hiesigen Werken synthetischen Brennstoff für den Dritten Reich. Die Firma befand sich im Stadtteil Blachowania (Blechhammer). Gearbeitet haben dort tausende Häftlinge, Gefangene und Zwangsarbeiter aus der ganzen Welt. Die Fabrik zog an sich die Aufmerksamkeit der Alliierten. Die Amerikaner starteten 16 Luftangriffe, sowohl tagsüber wie in den Nächten. Sie begannen am 7.7.1944. Der letzte Flug fand am 26.12.1944 statt. Jedes Mal kamen über die Stadt um die 300 Bomber.

Die Gegner: Nur Zerstörung

Die schlesischen Autochthonen lehnen ein Denkmal für Bombardierungen ab. Nach Schätzungen erreichten nur 20 bis 30 Prozent der Bomben ihr Ziel, kritisieren die Gegner. Der Rest traf die Zivilbevölkerung. Auf einem Internetforum mahnte ein Schlesier, dass für die Einheimischen die Luftangriffe nur Zerstörung und Tod bedeuten: „Es starben Menschen, dessen einzige Schuld darin bestand, deutsche Bürger zu sein und auf diesem Gebiet zu wohnen. Niemand kann die Nachkommen überzeugen, dass derartige dauerhafte Luftangriffe, die den zufälligen Tod von Müttern, Brüdern oder Ehefrauen in Kauf nahmen, durch die Notwendigkeit der Kriegsführung zu erklären sind“.

Die Befürworter: Andenken an junge Soldaten

Waldemar Ociepski, Vorsitzender des Historischen Vereins „Blechhammer 1944“, entgegnet, dass das Denkmal lediglich an die ungekommenen Piloten erinnern sollte. Jene, die für die Freiheit ihr Leben verloren haben. Es handelt sich um 135 meist sehr junge Soldaten aus den 29 abgeschossenen Maschinen, zwischen 19 und 22 Jahren alt. Ein Andenken sei man ihnen schuldig. Ein anderer passionierter Hobby-Historiker erklärt, dass die Amerikaner die Bomben aus der Höhe von sechs bis acht Kilometer abwerfen mussten. Daher die schlechte Treffsicherheit. Es war keine Absicht. Sie kämpften auch gegen einen starken Beschuss der Luftabwehr und künstlich erzeugten Nebel an.

Tragflügel mit Namen

Das Projekt des Denkmals ist schlicht: An ein fünf Meter hohes Skelett, das einen Tragflügel darstellen soll, will man einen metallenen Stern und die Namen allen 135 gefallenen Amerikanern anbringen. Das Denkmal wird 90.000 Zloty kosten. Seine Unterstützung hat schon der amerikanische Konsul Jeffrey Vick angekündigt.

Quelle: Online-Ausgabe von „Gazeta Wyborcza“

Bildnachweis: Rainer Sturm / pixelio.de

Grazyna Gintner, Grazyna Gintner

Grazyna Gintner - Ich habe als Journalistin in Polen gearbeitet. Seit Jahren lebe ich in Deutschland. Neulich brachte ich unter dem Pseudonym Lydia Sanojar ...

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