Ein Denkmal für eine unbekannte Polin in Schweinfurt in Bayern

Das Denkmal erinnert an Zofia Malczyk - Initiative gegen das Vergessen in Schweinfurt
Das Denkmal erinnert an Zofia Malczyk - Initiative gegen das Vergessen in Schweinfurt
In der Nähe des Leopoldina Krankenhauses in Schweinfurt steht ein Gedenkstein, der an Zofia Malczyk, eine junge Polin, erinnert.

Ein schlichter schmaler Stein mit einfacher Inschrift erinnert in der Nähe des Leopoldina Krankenhauses in Schweinfurt an eine Polin. Sie war wahrhaftig keine Heldin. Es fällt überhaupt schwer zu sagen, wer sie war. Ihr Lebenslauf weist viele Lücken auf. Was man über sie weiß, stammt aus Akten der Gestapo und des Gerichts.

Erinnerung an die polnische Zwangsarbeiterin im Stein

Die Idee des Denkmals brachte Klaus Hofmann, Sprecher der Initiative gegen das Vergessen in Schweinfurt: Das Schicksal der jungen Zwangsarbeiterin solle in Erinnerung bleiben und auch nach vielen Jahren vor Augen stehen. Er stellte sich das Mahnmal nicht protzig und groß, sondern klein und zierlich vor. Die Aufrufe der Initiative in der Presse zum Spenden fanden eine große Resonanz und das Geld floss schnell zusammen. Marco Schraut aus Thüngersheim, Sozialpädagoge, der auch Bildhauerei gelernt hatte, setzte dann die Idee im Stein um. Zum 62. Jahrestag des Todes von Zofia Malczyk, am 21. März 2007, wurde der Gedenkstein enthüllt. Schüler des Bayernkollegs übernahmen über ihn die Patenschaft.

Mit 13 oder 14 Jahren nach Deutschland

Zofia Malczyk wurde am 5. Mai 1926 in Raszyn bei Warschau geboren. Ihr Vater arbeitete als Mauer. Über ihre Mutter weiß man nur, dass sie den Vornamen Josefa trug. Das Mädchen kam 1939 oder 1940 mit 13 oder 14 Jahren nach Deutschland. Laut Angaben der Gestapo tat sie das freiwillig. Zofia arbeitete in der Landwirtschaft in Bayern. Im Sommer 1942 wurde sie schwanger. Man schickte sie deshalb nach Polen. Das Kind, das sie dort geboren hat, starb und sie kehrte nach Deutschland zurück.

Zwischen Ausbrüchen und Festnahmen

Wieder arbeitete sie auf dem Lande. Nachdem sie im Juli 1943 ihre Arbeitsstelle in Margetshöchheim bei Würzburg – da war sie zum zweiten Mal schwanger - verließ, erstattete ihre Arbeitgeberin eine Anzeige bei der zuständigen Gendarmerie in Veitshöchheim. Sofort wurde auch die Gestapo eingeschaltet. Zofia wurde schnell gefasst. Sie flüchtete aber wieder. Auch diesmal jedoch kam sie nicht weit. Für einige Zeit musste sie dafür in die Erziehungshaft. Danach schickte man sie zur neuen Arbeitgeberin. Zwischen Ausbrüchen und Festnahmen gebar sie ihr Kind, von dem es keine Spur gibt.

Zwei Polizisten und die Zwangsarbeiterin auf dem letzten Weg

Irgendwann kam sie nach Schweinfurt, wo sie ihren Unterhalt durch Diebstähle und Handel auf dem Schwarzmarkt bestritt. Sie wurde mehrmals gefangen; es gelang ihr jedoch jedes Mal zu fliehen. Bis sie ins Gefängnis kam, wo man sich entschlossen hat, sie als eine, die zu den „Kapitalverbrechern“ gehörte, „zu erledigen“. Am 21. März 1945 führten zwei Polizisten, Jakob Ottmann und Ignatz Pokutta, die Gefangene Zofia Malczyk aus der Polizeiwache durch die Stadt in die Gustav-Adolf-Straße hinterm Krankenhaus, wo sie sich endlich unbeobachtet fühlten. Dort wurde die gerade 18 Jahre junge Frau, zum dritten Mal schwanger, erschossen. Das Würzburger Gericht verurteilte im Jahre 1955 Ottmann zu drei Jahren und Pokutta zu einem Jahr Gefängnis. Dank Straffreiheitsgesetzes wurde das Verfahren jedoch eingestellt. Das Gericht beschrieb Zofia Malczyk damals folglich: „Die Polin war ein raffiniertes und entschlossenes Weib von einer ungeheuren Vitalität, die auch in ausweglos erscheinenden Lagen alles zur Wiedererlangung ihrer Freiheit getan hatte“.

Quelle: Broschüre „Das kurze Leben der Zofia Malczyk“, Verlag Rudolph & Enke, Ebertshausen 2007.

Bildnachweis: Initiative gegen das Vergessen in Schweinfurt.

Auf dem Foto bei der Kranzniederlegung vorm Denkmal sind zu sehen: Klaus Hofmann, der Sprecher der Initiative, und Willi Erl, früherer Geschäftsführer des Deutschen Entwicklungsdienstes und ehrenamtlicher Vorsitzender von CARE Deutschland.

Grazyna Gintner, Grazyna Gintner

Grazyna Gintner - Ich habe als Journalistin in Polen gearbeitet. Seit Jahren lebe ich in Deutschland. Neulich brachte ich unter dem Pseudonym Lydia Sanojar ...

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