Ein Drittel aller Nahrungsmittel landet jährlich in der Tonne

Jährlich geht ein Drittel der Nahrung verloren.  - Foto: FAO/Jonathan Bloom
Jährlich geht ein Drittel der Nahrung verloren. - Foto: FAO/Jonathan Bloom
Jeder Bewohner Europas oder Nordamerikas verschwendet pro Jahr bis zu 115 Kilo an Essbarem, in Afrika gehen höchstens sechs bis elf Kilo verloren.

Jedes dritte Kilo Brot, Getreide, Kartoffeln, Gemüse, Obst oder was sonst noch für die menschliche Ernährung in der Welt produziert wird, landet Jahr für Jahr im Abfall oder verrottet auf dem Weg vom Erzeuger zum Verbraucher. Eine von der Nahrungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen in Auftrag gegebene Studie weist diese jährlichen Verluste mit der gewaltigen Menge von etwa 1,3 Milliarden Tonnen aus.

Die vom schwedischen Institut für Nahrung und Biotechnologie (SIK) zusammengestellte Analyse, die am 11. Mai 2011 veröffentlicht wurde, stellt fest, dass Nahrungsabfälle mehr ein Problem der reichen Länder sind, während verlorene oder verdorbene Nahrungsmittel innerhalb des Produktions- und Vermarktungsprozesses den ärmeren Ländern zu schaffen machen, da Infrastruktur und Technologie schwach entwickelt sind.

Kein Schönheitswettbewerb für gesunde und schmackhafte Lebensmittel

Einzelhändler und Konsumenten in den Industrienationen verschwenden jedes Jahr geschätzte 222 Millionen Tonnen, indem noch vollkommen für den Verzehr geeignete Nahrungsmittel weggeworfen werden. Obst und Gemüse landen dabei am häufigsten in der Abfalltonne.

Der Bericht zeigt Wege auf, die Abfallquote zu verringern und verweist auf Untersuchungen, in denen Verbraucher ihre Bereitschaft bekunden, Produkte zu kaufen, die gesund sind und gut schmecken, auch wenn sie rein äußerlich nicht den höchsten Standards entsprechen. Eine Empfehlung der Autoren des FAO-Berichts ist es daher, landwirtschaftliche Produkte direkt an die Haushalte zu verkaufen, ohne durch Supermärkte und deren Überbetonung von Äußerlichkeiten des Angebots zu gehen.

Nur so viel kaufen, wie man auch verbrauchen kann

Auch werden soziale Hilfsorganisationen angeregt, mit Einzelhändlern zusammenzuarbeiten, so dass sie Nahrungsmittel einsammeln und weiter verkaufen oder verteilen können, die sonst entsorgt würden, obwohl sie die Normen für Sicherheit, Geschmack und Nährwert erfüllen.

Wichtig wäre es laut der FAO-Studie auch, das Konsumentenverhalten zu ändern und nur so viele Nahrungsmittel auf einmal zu kaufen, wie tatsächlich benötigt werden. Das würde die Menge an Lebensmitteln, die im Abfall landen, drastisch reduzieren.

Die ärmeren Staaten orientiert der Bericht auf Maßnahmen zur Stärkung der Nahrungsmittelkette von der Ernte an, denn zu viele Farmer verlieren wertvolle Einnahmen, weil ihre Produkte schon bei der Ernte oder in den Lagerräumen leiden. Weiterhin seien auch private und öffentliche Investitionen in die Infrastruktur, den Transport, sowie in die Verarbeitungs- und Verpackungstechnik erforderlich, um Verluste an Grundnahrungsmitteln in den Entwicklungsländern zu vermeiden.

Nahrung wandert in den Müll, aber Millionen leiden Hunger

Die Menge an vergeudeten Lebensmitteln wirkt besonders eklatant, wenn man sich vor Augen hält, dass trotz spürbarer Fortschritte in Südasien und Lateinamerika in der Welt mehr Menschen als vor 20 Jahren hungern. Nach Angaben der Deutschen Welthungerhilfe aus dem Jahr 2010 sei seit 1990 die Zahl der Hungernden nochmals um 75 auf 925 Millionen gestiegen.

Bereits im März 2011 hatte die FAO auch auf die „potenziell katastrophalen“ Auswirkungen der schleppenden Aktionen gegen den Klimawandel auf die Nahrungsgüterproduktion aufmerksam gemacht.

Klimawandel mit drohenden Konsequenzen für sichere Ernährung

“Zur Zeit kümmert sich die Welt vor allem um kurzfristige Klimaauswirkungen wie etwa extreme Unwetter”, sagte Alexander Müller, der als Direktor bei der FAO für natürliche Ressourcen zuständig ist. Das sei auch absolut notwendig, aber „schleichende“ Folgen bringen größere Veränderungen mit sich und werden zur Gefahr für die landwirtschaftlich wichtigen Ökosysteme.

Das könnte laut Müller verheerende Konsequenzen für die Nahrungssicherheit in den Jahren 2050 bis 2100 haben. Sich mit Langzeitfolgen auseinanderzusetzen, wenn diese schon eingetreten sind, mache nicht viel Sinn. Vielmehr müssten die Bauern in den Entwicklungsländern bereits heute unterstützt werden, um ihre Landwirtschaft auf veränderte Bedingungen einzustellen und widerstandsfähiger zu machen.

Der Autor an der UNO-Mission in Sierra Leone, Foto: UNIOSIL

Christian Holger Strohmann - Mehr als 20 Jahre lang habe ich für die Vereinten Nationen (United Nations Organisation - UNO) auf allen Kontinenten als Journalist, ...

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