
- Bellissimas Orient Palast - Marianne Gruber
Mitten auf der stark belebten Wiener Ottakringer Straße, gemeinhin auch Balkan Meile genannt, betreibt Marianne Gruber ihren Orient Palast und damit den größten Bauchtanz-Laden Europas. Von außen kaum einsehbar, eröffnet sich dem Besucher beim Betreten Mariannes Reiches ein Orientalischer Traum. Dezentes Räucherwerk, arabische Klänge in angenehmer Lautstärke, überall feinster Stoff aus dem Morgenland, verarbeitet zu Kostümen, Schleiern und Tüchern, lassen den Besucher rasch den Alltag vergessen und Erinnerungen an den Urlaub in Ägypten oder Tunesien wach werden. Nicht wenige von Mariannes Kundinnen sind das erste Mal im Urlaub mit dem Orientalischem Tanz in Kontakt gekommen und haben sich dann, wieder zu Hause, entschieden einen Bauchtanzkurs zu besuchen. Der Begriff Bauchtanz wird innerhalb dieser Szene nicht verwendet, da es sich hierbei um eine falsche Übersetzung aus dem Arabischen handelt, erklärt Marianne Gruber, dem nicht fachkundigen Besucher. Man spricht allgemein vom Orientalischem Tanz. Wenn man Glück hat, so trifft man die 54-Jährige, der man in ihr Alter in keinster Weise ansieht, im Orientalischem Kostüm an und bekommt möglicherweise eine kleine Kostprobe ihrer Tanzkünste. Denn die Chefin tanzt und unterrichtet auch selbst.
Bellissimas Orientpalast oder Qualitätsware aus Kairo
Marianne Gruber, die ihren ersten Bauchtanz Kurs auf einer Wiener Volkshochschule besuchte und ihr Geschäft seit über 20 Jahren betreibt, kann sich mit Recht als Urgestein der Wiener Bauchtanz Szene bezeichnen. Nationale und internationale Bauchtanz Größen durfte sie im Laufe der Jahre in feine Stoffe hüllen, und gerne erzählt sie dem neugierigem Kunden bei einer Tasse Minz-Tee, die eine oder andere Anekdote aus ihrem, im wahrsten Sinne des Wortes bewegtem Leben. Ihre Kundenkartei hat die Tausender Grenze mittlerweile längst gesprengt und man findet in ihr so manche Grande Dame dieser Branche. Mit vielen ihrer Stammkundinnen, meist professionelle Tänzerinnen, pflegt Marianne ein freundschaftliches Verhältnis. Man trinkt Tee, tauscht sich aus, plant Veranstaltungen, gibt sich Tipps und kommt nach alter Bazar-Tradition ins Geschäft. Nicht selten werden bei solchen Zusammentreffen Ideen für gemeinsame Projekte, Workshops oder Aufführungen geboren.
Bei vielen Veranstaltungen namhafter Tänzerinnen, bietet Marianne ihre qualitativ hochwertige Ware, die sie hauptsächlich aus Kairo bezieht, in Form eines Bazares an. Gern wird von den Tanzbegeisterten, vor oder auch nach dem Showprogramm, die Möglichkeit genutzt ein Schnäppchen zu erwerben. Geboten wird was das Tänzerinnen Herz begehrt, von aufwendig bestickten Kostümen für die Profi Tänzerin über einfache Hüfttücher bis hin zu Zubehör wie Schleier, Zimbeln und Tanzstöcken.
Allrounderin Marianne Gruber
Häufig moderiert die Allrounderin, deren blumige Rhetorik das Publikum zu begeistern weiß, das Showprogramm oder schlüpft spontan in ein glitzerndes Kostüm, um mit einer Schleierdarbietung das staunende Publikum zu verzaubern. Ihre leibliche Korpulenz tut dabei ihrer Geschmeidigkeit keinen Abbruch. Die Selbstverständlichkeit mit der sie die Bühne betritt und die Schleier formenreich durch die Luft wirbelt, beindruckt die Zuschauer sondergleichen. Der Mut zur eigenen Weiblichkeit zu stehen, auch wenn man nicht die Idealmaße aufzuweisen hat, wird fast immer mit tosendem Applaus honoriert. Nicht selten springt nach so einer Performance, eine der Zuschauerinnen mit ähnlich körperlicher Beschaffenheit über ihren Schatten und meldet sich gleich vor Ort bei einer der anwesenden Tänzerinnen, die auch Kurse anbieten, zu einem solchen an. Manchmal findet sich sogar der eine oder andere Herr der Schöpfung zu einem der zahlreich angebotenen Kursen ein, um seine weibliche Seite zu entdecken.
Marianne Gruber, die schon einige Fernsehauftritte hinter sich hat, stellt mit ihrem Bellissimas Orientpalast eine Bereicherung der Wiener Kulturszene dar. Ihr erklärtes Ziel bis ins hohe Alter zu tanzen, nimmt man der umtriebigen Geschäftsfrau ohne weiteres ab.
