
- Ein König für Deutschland - Batei Lübbe Verlag
Der mit Kurd-Laßwitz-Preis im September 2010 ausgezeichneter Roman überrascht den Leser in erster Linie bereits mit seiner Bezeichnung als Science-Fiction-Roman. Obwohl es in der Geschichte nicht um Weltraum, Aliens und Raumschiffe geht, werden hier solche Themen aufgegriffen wie Geschichte, Politikwissenschaft und Computerwesen, die für Science stehen und eine unglaubliche Karriere eines Schullehrers, die hier die Rolle der Fiction übernimmt.
Der Weg zur Monarchie
In seinem Briefkasten entdeckt Simon König einen Umschlag mit einer Notiz darin, den Inhalt des Umschlags sorgfältig zu verbergen. Das Paket enthält ein Computerprogramm, das eine Manipulation der Ergebnisse der Wahlcomputer ermöglicht und begünstigt. Das Programm wurde von Simons unehelichem und in den USA lebenden Sohn Vincent entworfen und soll nun sicher in Simons Wohnung in Stuttgart versteckt werden.
Doch Simon merkt schnell, dass es durchaus mehr Menschen über die Existenz des Programms und dessen Aufbewahrungsort Bescheid wissen, denn es wird in seine Wohnung eingebrochen, um die CD mit dem Programm zu finden. Simon ist verängstigt und ratlos und geht mit Vincents Freunden einen gewissen Bund ein. Zusammen beschließen sie bei den anstehenden Wahlen in Deutschland zu beweisen, dass die Wahlcomputer durch Einsatz des Programms manipuliert werden und die Ergebnisse somit nicht mehr brauchbar sind.
Sie wissen einen kleinen Trick wie das Programm richtig funktioniert und nutzen diesen in ihrem Plan aus: Sie gründen selbst eine Partei zur Wiedereinführung der Monarchie mit Simon als Kandidat und machen bei den Wahlen mit.
Doch mit dem Ergebnis ihrer harten Wahlkampagne hätte nun wirklich niemand gerechnet...
Warnender Zukunftsblick
Im Zeitalter der Digitalisierung der Daten und aller möglichen Ergebnisse, von denen viele Entscheidungen abhängen können, sind wir solchen Gefahren wie unter anderem Manipulation der Computer sehr oft ausgesetzt. Andreas Eschbach versucht die Menschen mit seinem Roman vor genau dem zu warnen, in dem er sich praktisch gegen die Wahlcomputer äußert und seine Begründung dafür sehr konkret und offen preisgibt.
Der Roman fängt bereits sehr spannend an und fasziniert mit seiner überwältigenden Klarheit und Konsequenz der Entwicklung. Die wirkliche Geschichte von Vincent, Simon und der ganzen Wahlkampagne scheint zwar die meiste Zeit einzunehmen, jedoch nicht die wichtigste Rolle zu spielen. Das merkt man an der Oberflächlichkeit, mit der das ganze beschrieben wird und an der Kuriosität mancher Charaktere. Das Wichtigste ist die Message: Wahlcomputer - Nein, Stimmzettel - Ja!
Eschbach überzeugt den Leser mit klarer Führung, Spannung und einer gesunden Portion Humor sowie auch einer etwas märchenhaften Auflösung. Ein interessanter realitätsnaher Thriller der etwas anderen Art.
Andreas Eschbach: "Ein König für Deutschland". Bastei Lübbe GmbH & Co. Auflage 3, 2009. Gebundene Ausgabe, 496 Seiten. 19,99 Euro.
