
- Der Leuchtturm von Neils Harbor - Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fischgeruch und der Duft von Seetang hängen in der Luft, während eine steife und erfrischende Brise über die fast kahlen Felsen weht, auf der die wenigen bunt gestrichenen Häuschen sich festzuklammern scheinen, so als ob sie sich gegen den fast immer wehenden Wind stemmen. Sogar im Juli sorgt dieser dafür, dass es hier nie richtig warm wird. Im winzigen geschützten Hafen von Neils Harbor liegen bunte Fischerboote eng aneinander gezwängt und die am Kai aufgestapelten Hummerkörbe deuten darauf hin, was die Hauptbeute der Fischer in diesem kleinen Fischerdorf an der Atlantikküste Nova Scotias ist: Hummer. Auch die vielfarbigen Bojen, die dekorativ an vielen der Häuser hängen, zeugen von der Haupteinnahmequelle in diesem winzigen Ort etwas abseits des Cabot Trails.
Neils Harbor - Fischeridylle abseits des Cabot Trails in Nova Scotia
Auf den Karten ist er eingezeichnet, dieser winzige Ort an der Osthälfte des Cabot Trails. Besonders hervorgehoben wird er in den Reiseführern jedoch kaum. Erwähnenswert scheint höchstens das einzige Lokal des Ortes zu sein, das Chowder House (Telefon: 902-366-2463), das - wie der Name schon sagt - vor allem Fischsuppe serviert. Und die isst man gerne, wenn man vom Wind durchgeblasen Zuflucht in dem kleinen Restaurant neben dem weißen Leuchtturm von Neils Harbor sucht. Und wer keine Seafood Chowder mag, der kann wählen zwischen frittiertem Fisch oder Krabbenkuchen. Ganz Unverwüstliche können ihr Mahl auf der Wiese vor dem weißgetünchten Leuchtturm mit Blick auf die orangeroten Felsen verspeisen, die sich unterhalb bis zum Ufer erstrecken.
Vom kleinen Hügel aus, auf dem der Leuchtturm steht, blickt man zurück auf die verstreut auf den felsigen Untergrund erbauten Wohnhäuser der Fischer, die sich wie willkürlich hinter dem kleinen Hafenbecken verteilen. Vor manchen flattert frisch gewaschene Wäsche wild im Wind und scheint dem Betrachter zuzuwinken - ein Bild, das für Nordamerika mit der Huldigung seiner technischen Errungenschaften fast unwirklich erscheint. Hier legen die Fischerfrauen offenbar mehr Wert auf Lufttrocknung als auf Wäschetrockner.
Hummerfischer im geschützten Hafen
Genauso idyllisch ist ein Bummel um die winzige Hafenbucht. Ein Boot erhält gerade einen frischen Anstrich und der Fischer summt die Seemannslieder etwas schief mit, die aus seinem Radio erklingen, das er auf volle Lautstärke aufgedreht hat. Über den Fischerbooten drehen Möwen kreischend ihre Kreise in der Hoffnung, ab und zu etwas von der Beute der heimkehrenden Fischer zu ergattern. Und an einer Ecke der Hafenmole warten zahlreiche Hummerkäfige darauf, wieder mit Ködern befüllt zu werden und an den Hummerbänken ausgesetzt zu werden. Dazwischen liegen orangefarbene Netze, die für ihren nächsten Einsatz repariert wurden.
Wer den Abstecher vom Cabot Trail nach Neils Harbor machen möchte, den erwartet eine Postkartenidylle, in der man die Kamera nicht mehr aus der Hand legen kann. Und das Beste daran ist, der Ort liegt nur wenige Minuten von der Hauptroute des Cabot Trail entfernt.
