
- Pressfoto von Maxime Chattam - Büchervielfalt
Serienkiller-Romane, in denen ein zumeist ungleiches Kriminalistengespann einen perversen Mörder jagt und zur Strecke bringt, gibt es viele. Der französische Autor Maxime Chattam hat dieses Muster um eine ungewöhnliche Komponente bereichert – er lässt die Handlung seines Romans "Bestie" inmitten von Kriegswirren spielen.
Maxime Chattam entwirft einen Krieg ohne Namen
Gleich vorweg – in keiner Zeile der über 500 Seiten verrät der Autor, um welchen Krieg es dabei geht. Chattam war keineswegs an einem historischen Kriegsroman interessiert, in dem die eigentliche Handlung zum Nebenschauplatz degradiert wird. Und damit ihm die Kritiker keinen Strick daraus drehen können und auf Ungenauigkeiten und Detailfehlern insistieren, inszeniert er einen namenlosen Krieg, der irgendwann und irgendwo stattgefunden hat.
Der Zweite Weltkrieg könnte als Assoziationsraum dienen, was sich vor allem im Verzicht auf jegliche moderne Errungenschaften und Technologien der Nachkriegszeit äußert als auch durch eine Invasion einer (britischen) Marine aufs (europäische) Festland.
"Bestie" - blutige Rituale auf einem Kriegsschiff
Auf einem Kriegsschiff, das kurz vor dem Auslaufen zum Kriegsschauplatz steht, wird der Militärpolizist Lieutnant Craig Frewin zu einem Mordfall gerufen. Ein Soldat ist unter Deck brutal zu Tode gefoltert worden, und sein Leichnam wurde in einem bizarren Ritual zur Schau gestellt – anstelle seines Kopfes befindet sich ein blutiger Widderkopf.
Zusammen mit der ihm zur Seite gestellten Krankenschwester Ann Dawson untersucht Frewin die kranke Mordtat. Schon bald stellen sich ihnen zahlreiche Hindernisse in den Weg. Störrische Vorgesetzte, die eine unnötige Panik an Bord vermeiden wollen, stören die Untersuchungen ebenso wie die schweigende Mehrheit der Matrosen auf dem Schiff, das kurz vorm Auslaufen steht. Dazu gerät eine verschworene und brutale Spezialeinheit ins Visier des Offiziers, die sich allen Ermittlungen notfalls mit Gewalt entzieht.
Mit dem Killer auf das Schlachtfeld
Schon bald finden der Offizier und seine außergewöhnliche Begleiterin eine weitere gewalttätig zugerichtete Leiche. Ihnen schwant, dass sie es mit einem Serienkiller an Bord zu tun haben, der sich auch auf den Schlachtfeldern des Krieges nicht von seinem abartigen Handeln abhalten lässt. Die beiden begleiten die Einheit bei der Invasion des Festlandes und geraten bald selber ins Visier des Mörders.
Ein spannender Thriller mit gegensätzlichen Ermittlern
Der sehr spannende Roman zeichnet sich nicht nur durch seine blutige Mörderhatz aus, sondern auch durch den Kriegsverlauf einer Invasion, in die auch die beiden Ermittler alsbald geraten – Frewin als Offizier an der Front und Dawson als Schwester im Krankenlazarett. Trotz aller Action aber legt Chattam viel Wert auf interessante Charaktere.
Craig Frewin ist ein stoischer, harter und humorloser Militärpolizist, der trotz aller logischen Schlussfolgerungen auch auf seinen Instinkt vertraut. Als Alter Ego des modernen Profilers zeichnet er schnell das Bild eines Serienkillers nach und versucht, dessen Motive nachzuvollziehen als auch seine nächsten Taten zu erahnen.
Maxime Chattam legt falsche Fährten
Ann Dawson spielt die mysteriöse Komponente des Duos, und beide Protagonisten tragen ein blutiges Ereignis aus ihrer Vergangenheit mit sich herum, das sich dem Leser bruchstückhaft offenbart. Trotzdem verbindet die beiden bald eine erotische Beziehung, die sich allerdings im Hintergrund des mörderischen Geschehens nur schwerlich entwickelt.
Der Autor vergisst dabei nicht, die üblichen falschen Fährten und überraschende Wendungen zu inszenieren, um das lineare Geschehen zu variieren und dem Leser viele Spannungsfelder zu bieten.
Variationen des Serienkiller-Themas
Maxime Chattam, geboren 1976 in Montigny-lès-Cormeilles, ist ein ehemaliger Literaturstudent und Buchhändler, der für seine Kriminalromane schon Seminare und Praktika als Gerichtsmediziner, Kriminalist und forensischer Psychologe absolviert hat, um sich das nötige Fachwissen anzueignen. Mittlerweile hat er ein halbes Dutzend Bücher veröffentlicht, darunter die Joshua-Brolin-Reihe.
Trotz des unbenannten Krieges besticht "Bestie" durch durchgehende Spannung, Detailfreude am Ermittlungsgeschehen und durch ungewöhnliche Schauplätze und Rahmenhandlungen. Ein Tipp für alle, die sich von Kriegsromanen nicht abschrecken lassen und gerne mal eine Variation des populären Serienkiller-Genres versuchen möchten.
Maxime Chattam: Bestie. Goldmann 2008. Broschiert, 510 Seiten. Euro 8,95.
