
- Kloster Falkenhagen im Lipperland - Martina Berg
Scheinbar galt schon damals: die Kleinen hängt man und die Großen lässt man laufen. Statt hingerichtet zu werden, mußte der Schwalenberger Graf laut Urteil der Richter nur ein Kloster auf seinem Land gründen. Dies tat er zwar, allerdings erst über zwanzig Jahre später - 1246 in Burchhagen. Und bereits ein Jahr später wurde das Kloster nach Falkenhagen verlegt. Gleichzeitig ging es in den Besitz der Zisterzienserinnen über. In der Eversteinschen Fehde wurde das Kloster 1407 fast völlig zerstört. Die wenigen Nonnen konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Sie flohen in das benachbarte Kloster Brenkhausen. Etwa 20 Jahre dauerte es, bis die verüsteten Anlagen neue Bewohner fanden. Wilhelmitenbrüder aus Witzenhausen ließen sich für 5 Jahre in Falkenhagen nieder.
Die Kreuzherren prägen das Kloster Falkenhagen
Der dritte Orden, der danach das Kloster übernahm, waren die Kreuzherren. Die Mönche dieser Glaubensgemeinschaft bauten ab 1443 die Klosteranlagen wieder auf und hinterließen uns die bedeutendsten kunst- und baugeschichtlichen Werke. Allerdings wurde das Kloster bereits 1447 in der Soester Fehde erneut zerstört. Und ein Großbrand legte es 1479 in Schutt und Asche. Doch jedes Mal errichteten die Klosterbrüder es wieder.
Heinrich von Bocholt führt der Kloster zur größten Blüte
Die Zeit der größten wirtschaftlichen und geistlichen Blüte waren die Jahren von 1457 bis 1495. Es war die Amtszeit Heinrichs von Bocholt, bedeutendster Prior des Klosters. Das Kloster besaß damals etwa 650 Hektar Land, über 20 Wirtschaftsgebäude und Lagerhäuser gehörten zum Klosterkomplex und es war die Heimat von fast 90 Menschen. Viele der heute noch existierenden Ortschaften in Klosternähe erwachten zu neuem Leben und die Bevölkerung wuchs. 1509 wurde die Anlage noch um das Dormitorium (lat. „Schlafraum“, das war ein Schlafsaal für die Mönche) erweitert. Heute ist es das älteste lippische Fachwerkhaus und beherbergt des evangelische Pfarramt.
Streit um den Klosterbesitz nach der Reformation
Nach der Reformation erging es dem Kloster wie vielen anderen: es wurde 1596 aufgelöst. Um den Klosterbesitz entbrannte – auch wie so oft – ein heftiger Streit zwischen dem Bischof von Paderborn und dem Landesherrn. Der Graf zur Lippe erhielt schließlich Dreiviertel des Vermögens, darunter auch Kloster und Kirche. Den Rest bekam der Bischof zugesprochen. Ab 1604 übernahmen die Jesuiten im Auftrag des Bischofs die Betreuung der Katholiken in Falkenhagen und den umliegenden Ortschaften. Während des 30jährigen Krieges, der wieder beträchtliche Schäden an den Gebäuden anrichtete, hatte das Kloster einen bedeutenden Jesuiten zu Gast: Friedrich Spee von Langenfeld. Er war ein bedeutender Dichter katholischer Kirchenlieder und ein entschiedener Gegner der Hexenverfolgung. Sein Werk „Cautio Criminalis“ (Rechtliche Bedenken wegen der Hexenprozesse) machte ihn berühmt.
Heutiger Zustand der Klosteranlage Falkenhagen
Die heutige katholische Kirche – sie steht in der Nähe des Klosters in unmittelbarer Nähe eines 1591 errichteten Wirtschaftsgebäudes, das seit 1932 katholisches Pfarrhaus ist – wurde 1695 von den Jesuiten erbaut. Eigentümerin der ehemaligen Klosterkirche ist die evangelischen Kirchengemeinde. Ihr gehören auch die heute noch existierenden Gebäude der Klosteranlage: das ehemalige Dormitorium und der Remter (Kapitelsaal und Speiseraum der Mönche). Die Klosterkirche mit dem Kreuzgang kann man von April bis September besichtigen. Die Außenanlagen sind ganzjährig zugänglich. Ein kurzer, aber schöner Spaziergang führt rund um die Klosteranlagen. Dabei findet man versteckt unter Bäumen auch noch einige alte Grabkreuze und Grabmale.
Ausflug auf den Köterberg
Rund um das Kloster und den Ort Falkenhagen führen zahlreiche gut ausgeschilderte Wanderwege durch das Lippische Bergland. Lohnenswert ist ein Aufstieg zum Köterberg (495,8 m ü. NN), den höchsten Berg des Lipperlandes. Bei schönem Wetter bietet der unbewaldete Gipfel einen grandiosen Ausblick ins Lipperland und das Weserbergland. Selbst den Brocken im Harz kann man bei klarem Wetter entdecken. Kaffee und Kuchen im Köterberghaus bilden dann den Abschluß eines schönen Ausflugs.
Quelle: 750 Jahre Kloster Falkenhagen. Festschrift zur 750jährigen Wiederkehr der Klostergründung und zum 500jährigen Jubiläum der Kirchweihe.
